Trotz der fortschreitenden Entwicklung von Robotaxis durch Waymo und Tesla behauptet sich Uber durch gezielte Technologie-Kooperationen im Mobilitätsmarkt. (Foto: Magnific.com)
Anfang 2025 hat ftd.de über Uber als Plattformunternehmen mit seinen Chancen und Risiken berichtet. Seitdem konnte sich die Aktie nicht nachhaltig von der Marke von 75 US-Dollar lösen, obwohl sich der Mobilitäts- und Lieferanbieter operativ beeindruckend entwickelt. Die Bruttobuchungen wachsen im mittleren 20-Prozent-Bereich, die Zahl der monatlich aktiven Plattformnutzer steigt weiter, die Uber-One-Abonnenten haben sich in nur 6 Quartalen von 25 auf 50 Millionen verdoppelt, und auch die operative Marge als auch die freie Cashflow-Marge verbessern sich.
Dennoch stagniert der Kurs. Was sind die Gründe für die abnehmende Bewertung? Ist die Sorge vor einer Disruption durch selbstfahrende Autos berechtigt oder eine übertriebene Belastung und damit eine Chance für faktenorientierte Anleger?
Plus 24 Prozent Bruttobuchungen – Schwungradeffekt funktioniert
Im 2. Quartal erreichte Uber 208 Millionen monatlich aktive Nutzer (MAPC), was ein Wachstum von 16 Prozent darstellt. Diese Zahl symbolisiert, wie erfolgreich Uber seine Kunden aktivieren kann, regelmäßig die Plattform zu nutzen. MAPC sind essentieller Bestandteil, damit der Schwungradeffekt einer Plattform funktionieren kann. Je mehr aktive Nutzer, umso interessanter für Fahrer, Restaurants, Händler und Werbetreibende.
Ein größeres Angebot bedeutet kürzere Wartezeiten und mehr Auswahl sowie zufriedenere Kunden und Kostenvorteile für alle im System. Weiters betont das Management, dass im letzten Jahr so viele Neukunden wie noch nie erreicht werden konnten. Die Zahl der Fahrten und Lieferungen legte um 18 Prozent zu. Die Bruttobuchungen (Anzahl der Fahrten mal Buchungspreis) kletterten um 24 Prozent. Somit lässt sich ableiten, dass neben dem Wachstum der aktiven Nutzeranzahl auch der Umsatz je Trip und die Anzahl der Trips je Kunde gestiegen sind.
Umsatz im 2. Quartal durch Einmaleffekt belastet
Die Take-Rate, also der Umsatzanteil, der bei Uber verbleibt, wurde im 2. Quartal durch einen Einmaleffekt in der britischen Mobility-Sparte belastet. Während die Bruttobuchungen im mittleren 20-Prozent-Bereich zulegten, stieg der ausgewiesene Umsatz nur um 12 Prozent. Bereinigt um diesen Großbritannien-Effekt hätte das Umsatzwachstum stabil bei rund 20 Prozent gelegen. Dadurch wurde die Mobility-Sparte (68 Prozent Umsatzanteil) im 1. Quartal deutlich ausgebremst, während Delivery (37 Prozent Umsatzanteil) mit einem Umsatzplus von 28 Prozent zum Wachstumstreiber wurde. Das kleine Segment Fracht (11 Prozent Umsatzanteil) konnte ebenfalls ein Wachstum von 25 Prozent ausweisen, bleibt jedoch weiter defizitär.
Insgesamt verbesserte sich der operative Gewinn um 30 Prozent, die operative Marge erreichte 13,3 Prozent, und die freie Cashflow-Marge lag nach Abzug aktienbasierter Vergütungen bei 15 Prozent.
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Uber mit Super-App-Strategie und Delivery-Hero-Übernahme
Uber wird von einigen Analysten nur als Fahrdienst betrachtet, doch Uber baut an einer Super-App, um sich langfristig bei den Nutzern als unausweichliche Plattform zu etablieren und sich in der Robotaxi-Debatte zu behaupten. Seit April können US-Nutzer über eine Kooperation mit Expedia direkt in der App Hotels buchen, zur Fußball-Weltmeisterschaft wurde ein WM-Reisepass mit Rabatten auf Fahrten und Lieferungen angeboten.
Die geplante Übernahme von Delivery Hero passt ebenfalls in diese Strategie. Statt sich in rund 50 neuen Märkten teuer über Preisdumping gegen etablierte Anbieter durchzusetzen, kauft sich Uber lokal marktführende Marken samt Kurieren, Fahrzeugen und App-Infrastruktur, wovon das ganze Netzwerk profitiert. Die Transaktion verdoppelt die Anzahl der Märkte auf 99, wovon nun 58 Märkte Mobilitäts- und Lieferdienste bieten.
Cross-Selling-Märkte führen zu einer steigenden Anzahl an Uber-One-Abonnenten – diese geben auch dreimal so viel aus wie Nicht-Abonnenten. Mit dem zusätzlichen Angebot profitieren Kunden von mehr Auswahl und günstigeren Preisen, Händler können mit einer steigenden Nachfrage rechnen und Kuriere und Fahrer erhalten ein dichteres Netzwerk und eine bessere Auslastung.
Mit der Übernahme von Delivery Hero erhält Uber auch rasch Zugang zum stark wachsenden Schnelllieferungsgeschäft für Alltagsprodukte, in welchem Uber bisher wenig Erfahrung hat. Die 14 Milliarden US-Dollar Übernahme entspricht ungefähr 14 EV/EBITDA (Unternehmenswert zu Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen). Uber finanziert sie teilweise aus dem Cashflow und über Schuldverschreibungen.
Robotaxis von Waymo und Tesla als Risiko für die Prognose
Trotz fundamentaler Stärke und strategischer Maßnahmen für eine positive Zukunft bleiben Anleger skeptisch. Die Angst, dass Waymo und Tesla mit eigenen Robotaxi-Flotten Ubers Vermittlerrolle überflüssig machen, prägen den Kurs der Uber-Aktie. Waymo hat bereits in mehreren US-Städten eine eigene App gestartet und die Partnerschaft mit Uber in Phoenix beendet.
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Auch Tesla treibt ein eigenes Robotaxi-Netzwerk voran, um langfristig höhere Margen zu erzielen. Andererseits übersieht der Markt, dass autonome Fahrten weiterhin deutlich unter einem Prozent aller Fahrten ausmachen, der Markt fragmentiert bleibt und Uber mehr als 75 Prozent der Gewinne außerhalb der 20 größten Städte erzielt. Uber bleibt damit als Vermittler und Plattform zentrale Anlaufstelle. Das Unternehmen kooperiert bereits mit mehreren Hardware- und Softwarepartnern, sodass kein einzelner Anbieter die Skalierung autonomer Mobilität allein erzwingen kann.
Ein aktuelles Beispiel ist die Kooperation mit Pony.ai, das autonome Fahrtechnologie bereitstellt. Verne dient als Flottenbetreiber, und gemeinsam bringen die Partner über die Uber-Plattform erste Robotaxis nach Zagreb – zunächst in einer Testphase mit lizenziertem Fahrer. Zusätzlich plant Uber, in den kommenden Jahren auch einen kleinen Anteil in eine eigene Robo-Flotte zu investieren.
Günstiges KGV, exzellente Bilanz und Aktienrückkäufe
Uber überzeugt von Quartal zu Quartal mit starkem Wachstum und steigender Profitabilität. Die Cashflows erreichen inzwischen ein Niveau, das reichlich finanzielle Flexibilität für strategische Übernahmen wie Delivery Hero gibt. Zusätzlich sollen 50 Prozent des Cashflows auf diesem Bewertungsniveau für Aktienrückkäufe aufgewendet werden. Bereits im 2. Quartal wurden so 7,5 Prozent der Aktien zurückgekauft. Gleichzeitig treibt Uber seine Super-App-Strategie konsequent voran und verknüpft die Geschäftsfelder Mobility, Delivery und Freight enger miteinander.
Dennoch bleibt die Angst vor Weymo und Tesla der zentrale Kursdämpfer. Für langfristig orientierte Anleger, die an Ubers Rolle als Mobilitäts-Plattform glauben und ihre Investitionsentscheidung auf Fakten stützen, bietet die aktuelle Bewertung mit einem erwarteten price-earnings ratio von 13 einen attraktiven Einstiegspunkt. Wer seine Investitionsentscheidung jedoch auf Thesen und schwer kalkulierbaren Zukunftsprognosen aufbaut, sollte von Uber Abstand halten.
No investment advice. No solicitation to buy or sell securities.
The contribution Uber Aktie: Die ungelöste Robotaxi-Frage schwebt über dem Kurs appeared first ftd.de.