From battlefield to construction site: This ETF focuses on the reconstruction of Ukraine

Das Nationaldenkmal Mutter Ukraine: Investitionen in den Ukraine Reconstruction UCITS ETF sollen beim Wiederaufbau des Landes helfen. (Foto: Freepik, Oleg Des)

Der Krieg tobt noch immer, doch der ETF-Anbieter HANetf bringt bereits den weltweit ersten ETF auf den Markt, der auf den Wiederaufbau der Ukraine abzielt. Der Ukraine Reconstruction UCITS ETF soll Anlegern Zugang zu Unternehmen verschaffen, die vom größten Infrastrukturprogramm Europas seit dem 2. Weltkrieg profitieren könnten. Doch das Produkt ist mehr als ein klassischer Themen-ETF: Es ist eine Wette auf Frieden, politische Stabilität und die wirtschaftliche Transformation eines ganzen Landes.

Eine der größten Investmentstories Europas

Wenn der Krieg in der Ukraine eines Tages endet, beginnt vermutlich ein wirtschaftliches Projekt historischer Dimension. Schätzungen der Weltbank, der Europäischen Kommission, der Vereinten Nationen und der ukrainischen Regierung zufolge könnten mehr als 500 Milliarden US-Dollar benötigt werden, um die zerstörte Infrastruktur, die Energieversorgung, den Wohnraum und die Industrie des Landes wiederaufzubauen. Allein diese Zahl zeigt: Der Wiederaufbau der Ukraine dürfte eines der größten Investitionsprogramme Europas seit dem Zweiten Weltkrieg werden.

Genau auf diese langfristige Entwicklung setzt der ETF-Emittent HANetf mit dem neuen Ukraine Reconstruction UCITS ETF (ISIN: IE000R8PO127). Der Fonds bildet den VettaFi Ukraine Reconstruction Index ab und hat eine jährliche Gesamtkostenquote von 0,65 Prozent. Er ist an der London Stock Exchange, an der Borsa Italiana sowie an der Deutschen Börse Xetra handelbar. Die Idee dahinter: Anleger sollen bereits heute in Unternehmen investieren können, die künftig eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau der Ukraine spielen könnten.

Infrastruktur, Energie und Industrie im Fokus

Der zugrunde liegende Index setzt gezielt auf Unternehmen aus 3 zentralen Bereichen, die beim Wiederaufbau eines Landes unverzichtbar sind: Infrastruktur, Energieversorgung und industrielle Modernisierung. Die Logik dahinter ist einleuchtend: Wenn Straßen, Brücken, Stromnetze, Fabriken oder Wohngebäude neu entstehen müssen, profitieren vor allem jene Konzerne, die Maschinen liefern, Baustoffe bereitstellen, Elektrifizierungstechnologien entwickeln oder Industrieanlagen automatisieren.

Zu den größten Positionen im ETF zählen derzeit globale Industriekonzerne wie Johnson Controls, Caterpillar, Eaton, CRH, Emerson Electric, Ametek, Nokia, Rockwell Automation und Bloom Energy. Diese Firmen repräsentieren die Palette an Technologien und Dienstleistungen, die für den Wiederaufbau einer modernen Volkswirtschaft notwendig sind – von Baumaschinen über Energie- und Gebäudetechnik bis hin zu Industrieautomation und Telekommunikationsinfrastruktur. Regional dominieren die USA mit rund einem Drittel der Investitionen, kleinere Anteile entfallen auf Unternehmen aus Finnland, Großbritannien und anderen europäischen Ländern.

Ein ETF, der noch auf seinen Einsatz wartet

So überzeugend die Investmentstory auch klingen mag – ein Blick ins Portfolio zeigt, dass der Fonds aktuell eher eine Warteschleife darstellt. Mehr als 60 Prozent des Vermögens liegen derzeit in Cash.

Das hat einen einfachen Grund: Viele Projekte, die den Wiederaufbau tatsächlich antreiben würden, existieren heute noch gar nicht. Zudem sind ukrainische Unternehmen, die direkt davon profitieren könnten, bislang kaum an internationalen Börsen vertreten. Der ETF investiert daher zunächst vor allem in globale Industriekonzerne mit potenzieller Projektkompetenz, während er gleichzeitig Liquidität bereithält, um später neue Titel aufnehmen zu können.

Der Index als zukünftiger Kapitalgeber für ukrainische Unternehmen

Genau da liegt die Besonderheit der Indexmethodik. Die zugrunde liegende Benchmark wurde bewusst so konstruiert, dass ukrainische Unternehmen künftig leichter aufgenommen werden können, sobald sich die Kapitalmärkte stabilisieren. Dafür gelten deutlich niedrigere Zulassungsschwellen als üblich. So können ukrainische Firmen bereits mit einer Marktkapitalisierung von 50 Millionen Dollar in den Index aufgenommen werden, während es bei internationalen Unternehmen das Doppelte sein muss. Noch bemerkenswerter ist, dass Börsenneulinge bereits wenige Wochen nach ihrem IPO in den Index aufgenommen werden können.

Der ETF fungiert somit als automatischer Kapitalgeber für die erste Generation neuer ukrainischer Börsenunternehmen. Unternehmen mit nachweislicher operativer Präsenz in Russland sind dagegen ausdrücklich ausgeschlossen.

Die Ukraine als unterschätzter Technologie-Standort

Bei dem Gedanken an die ukrainische Wirtschaft kommen Anlegern zunächst Bilder von Landwirtschaft, Stahl oder Rohstoffen in den Sinn. Eine der größten Überraschungen der vergangenen Jahre liegt jedoch ausgerechnet im Technologiesektor. Trotz Krieg und politischer Unsicherheit hat sich die Ukraine zu einem bemerkenswerten Zentrum für Softwareentwicklung etabliert. Tausende Entwickler arbeiten für internationale Techfirmen, und einige weltweit bekannte Plattformunternehmen haben ukrainische Wurzeln.

Ein prominentes Beispiel ist Grammarly. Die in San Francisco ansässige Firma hat eine Software entwickelt, die mithilfe künstlicher Intelligenz Texte analysiert, Grammatik und Stil korrigiert und alternative Formulierungen vorschlägt. Was einst als einfaches digitales Korrekturprogramm begann, ist inzwischen eine globale KI-Plattform für produktives Schreiben, die von Millionen Menschen und Unternehmen weltweit genutzt wird.

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Ebenso beeindruckend ist Creatio, das die Automatisierung von Geschäftsprozessen und Kundenmanagement in den Fokus stellt. Das Besondere: Dank des sogenannten No-Code-Ansatzes können Unternehmen Anwendungen und digitale Workflows selbst erstellen, ohne auf Programmierer angewiesen zu sein. Mittlerweile ist Creatio in über 100 Ländern aktiv und gehört zu den wenigen ukrainischen Technologie-Unicorns mit einer Milliardenbewertung.

Noch sind diese Firmen nicht an ukrainischen Börsen gelistet. Sollte der Kapitalmarkt im Zuge eines EU-Annäherungsprozesses jedoch reformiert werden, könnten Unternehmen wie Grammarly oder Creatio zu den ersten börsennotierten Tech-Stars der Ukraine werden – und damit automatisch auch in den Ukraine Reconstruction ETF aufgenommen werden.

Ein Wiederaufbau, der mehr ist als Beton

Der Wiederaufbau der Ukraine wird weit über die klassische Infrastruktur hinausgehen. Es geht nicht nur um Brücken, Straßen oder Wohnhäuser. Vielmehr steht eine umfassende Modernisierung der gesamten Volkswirtschaft im Raum: von Energie- und Stromnetzen über Industrieanlagen bis hin zu digitalen Verwaltungsstrukturen. Sollte die Ukraine langfristig enger in europäische Lieferketten integriert werden, könnten über Jahrzehnte hinweg Investitionen in Energie, Transport, Industrie und Technologie fließen. Für internationale Konzerne wäre das ein gigantischer Markt.

Chancen – und ein enormes Maß an Unsicherheit

Für Anleger eröffnet der ETF damit eine außergewöhnliche Investmentstory. Der Fonds adressiert ein strukturelles Thema von historischer Dimension: den Wiederaufbau eines Landes, das wirtschaftlich und infrastrukturell neu entstehen muss. Doch genau diese Geschichte ist auch der größte Risikofaktor. Denn niemand kann heute seriös sagen, wann der Krieg endet, wann der Wiederaufbau tatsächlich beginnt und welche Unternehmen die größten Aufträge erhalten werden.

Selbst nach einem Waffenstillstand könnte es Jahre dauern, bis groß angelegte Infrastrukturprogramme starten. Zudem hängt ein erheblicher Teil der Investitionen von internationalen Hilfsprogrammen, politischen Entscheidungen und staatlichen Fördergeldern ab. Der ETF ist somit weniger ein klassisches Infrastrukturinvestment als vielmehr eine langfristige geopolitische Wette.

Fazit: Ein ETF zwischen Vision und Spekulation

Der Ukraine Reconstruction UCITS ETF zählt zweifellos zu den ungewöhnlichsten Themen-Produkten, die der ETF-Markt derzeit hervorbringt. Er kombiniert eine starke geopolitische Investmentstory mit einer strukturellen wirtschaftlichen Perspektive: den Wiederaufbau des Landes und seine mögliche Integration in die europäische Wirtschaft.

Anleger sollten sich jedoch bewusst sein, dass sie hier nicht nur in Infrastrukturunternehmen, sondern vor allem in eine Zukunftsvision investieren. Ob diese Vision Realität wird, entscheidet sich nicht an den Börsen der Welt. Sondern auf dem politischen und geopolitischen Parkett.

 

Disclaimer:
No investment advice. No solicitation to buy or sell securities.

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