Im dynamischen Biotech-Sektor bestimmt die Qualität des Fondsmanagements und der gewählten Analysestrategie maßgeblich über den langfristigen Anlageerfolg. (Bild: Magnific AI)
Unser neues Format bei ftd.de: Im Fonds-Duell treten 2 Fonds mit ähnlichem Anlageuniversum, aber unterschiedlichen Strategien gegeneinander an. Wir vergleichen Management, Portfolio, Kosten, Risiko und Performance – und zeigen, welcher Fonds für welchen Anlegertyp besser geeignet ist. Den Auftakt machen 2 der renommiertesten Biotech-Fonds Europas: der Candriam Equities L Biotechnology und der Janus Henderson Horizon Biotechnology Fund. Beide investieren in die Medizin von morgen – verfolgen dabei aber recht unterschiedliche Wege.
Der Biotech-Sektor: Hohe Chancen, hohe Risiken
Biotechnologie gehört zu den wohl spannendsten, aber auch anspruchsvollsten Segmenten an den Aktienmärkten. Kaum eine Branche bietet ein vergleichbares Renditepotenzial. Gelingt einem Unternehmen der Durchbruch mit einem neuen Medikament, sind Kursverdopplungen oder sogar Vervielfachungen keine Seltenheit. Scheitert dagegen eine klinische Studie oder verweigert die Zulassungsbehörde die Freigabe, kann der Aktienkurs innerhalb weniger Stunden einbrechen.
Gerade deshalb entscheidet im Biotech-Sektor weniger die Branche als vielmehr der Fondsmanager über den Anlageerfolg. Denn nicht der Markt, sondern die Auswahl der richtigen Unternehmen macht den Unterschied. 2 Fonds gehören seit Jahren zu den bekanntesten Vertretern ihrer Zunft – allerdings mit völlig unterschiedlichen Philosophien.
Management-Duell: Investmentprofis gegen Wissenschaftler
Beim Candriam Biotechnology (ISIN: LU0108459040) hat Anfang 2025 eine neue Ära begonnen. Nach dem Ruhestand des langjährigen Fondsmanagers Rudi Van den Eynde übernahm Linden Thomson (CFA) die Verantwortung für die Strategie. Gemeinsam mit Healthcare-Chef Servaas Michielssens setzt sie auf klassische Fundamentalanalyse, intensive Auswertung klinischer Studien und die Bewertung von Marktzyklen. Thomson bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung aus dem Healthcare-Investment-Bereich mit – unter anderem von Stationen bei Goldman Sachs und AXA Investment Managers.
Janus Henderson verfolgt beim Janus Henderson Horizon Biotechnology (ISIN: LU1897414303) einen anderen Ansatz. Hier besteht das Managementteam nicht nur aus erfahrenen Investmentprofis, sondern auch aus Wissenschaftlern. Neben Fondsmanager Andy Acker gehören Dr. Daniel Lyons und Dr. Agustin Mohedas zum Team. Zwei der 3 Manager besitzen einen Ph.D. und analysieren Wirkstoffkandidaten auf molekularbiologischer Ebene. Das Ziel: schon Jahre vor dem Markt erkennen, welche Medikamente tatsächlich medizinisches und wirtschaftliches Potenzial besitzen.
Der Unterschied könnte kaum größer sein: Während Candriam stärker auf Kapitalmarkt- und Bewertungsanalyse setzt, versucht Janus Henderson, seinen Informationsvorsprung direkt aus der Wissenschaft zu gewinnen.
Portfolio-Duell: Bewährte Marktführer gegen zukünftige Stars
Die unterschiedlichen Philosophien spiegeln sich unmittelbar im Portfolio wider. Candriam baut das Depot auf Unternehmen auf, die bereits erfolgreiche Medikamente vermarkten und stabile Cashflows erzielen. Zu den größten Positionen zählen derzeit:
- Alnylam Pharmaceuticals – Weltmarktführer bei RNAi-Therapien
- Insmed – Spezialist für seltene Lungenerkrankungen
- Vertex Pharmaceuticals – Marktführer bei Mukoviszidose
Diese Unternehmen verfügen bereits über milliardenschwere Produkte. Neue Wirkstoffe aus der Pipeline sorgen zusätzlich für Wachstum, ohne dass das gesamte Investment von einzelnen Studien abhängt.
Janus Henderson geht deutlich offensiver vor. Hier dominieren Unternehmen, deren wichtigste Produkte sich noch in der Entwicklung befinden. Dezeit unter den Top-Holdings sind:
- Praxis Precision Medicines – neurologische Erkrankungen
- Revolution Medicines – innovative Krebsmedikamente
- BridgeBio Pharma – genetische Erkrankungen
Das Ziel ist klar: möglichst früh in die Gewinner von morgen investieren und dadurch deutlich höhere Überrenditen erzielen. Gleichzeitig steigt damit aber auch das Risiko von Rückschlägen.
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Risiko-Duell: Mehr Schwankung für mehr Alpha
Beide Fonds bewegen sich in der zweithöchsten europäischen Risikoklasse (SRI 6). Denn Biotechnologie bleibt unabhängig vom Fondsmanagement eine der volatilsten Branchen überhaupt. Dennoch unterscheiden sich die Risikoprofile.
Der Candriam-Fonds schwankt mit einer Dreijahresvolatilität von rund 17 bis 19 Prozent etwas weniger. Der hohe Anteil etablierter Unternehmen wirkt stabilisierend. Beim Janus Henderson liegen die Schwankungen eher zwischen 19 und 22 Prozent. Das überrascht nicht: Kleinere Biotech-Unternehmen reagieren auf Studienergebnisse oft mit zweistelligen Kursbewegungen innerhalb eines Tages. Zwar arbeitet das Management mit einem Value-at-Risk-Modell zur Begrenzung einzelner Positionen, das grundsätzliche Risiko bleibt jedoch höher.
Kosten-Duell: Kleine Unterschiede mit großer Wirkung
Beide Fonds gehören nicht zu den günstigen Vertretern ihrer Branche. Die laufenden Kosten liegen mit rund 1,98 Prozent beim Candriam und 1,90 Prozent beim Janus Henderson auf einem ähnlichen Niveau. Der entscheidende Unterschied steckt jedoch im Detail: Janus Henderson erhebt zusätzlich eine Performance Fee von 20 Prozent auf die Outperformance gegenüber dem Nasdaq Biotechnology Index. Entwickelt sich der Fonds deutlich besser als der Markt, beteiligt sich die Fondsgesellschaft am Erfolg.
Candriam verzichtet in der Standard-Tranche auf eine solche Erfolgsgebühr. Gerade über lange Anlagezeiträume kann dieser Unterschied einen spürbaren Einfluss auf die Nettorendite haben.
Performance-Duell: Janus Henderson setzt sich klar ab
Am Ende zählt für Anleger die Rendite – und hier hat der Janus Henderson Horizon Biotechnology Fund in den vergangenen Jahren die Nase vorn. Die offensivere Ausrichtung auf kleinere, forschungsintensive Biotech-Unternehmen hat sich insbesondere in der jüngsten Erholung des Sektors ausgezahlt. Über ein Jahr erzielte der Fonds ein Plus von 80,36 Prozent, während der Candriam Biotechnology auf 69,33 Prozent kam.
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Auch über längere Zeiträume bleibt der Vorsprung deutlich. Auf 3-Jahres-Sicht legte der Janus Henderson um 105,15 Prozent zu, der Candriam erreichte 77,24 Prozent. Über 5 Jahre summiert sich die Wertentwicklung auf 124,36 Prozent gegenüber 80,55 Prozent.
Die Zahlen unterstreichen den unterschiedlichen Investmentansatz der beiden Fonds. Der Janus Henderson profitiert überdurchschnittlich stark, wenn innovative Biotech-Unternehmen gefragt sind und Anleger bereit sind, höhere Risiken einzugehen. In solchen Marktphasen spielt das wissenschaftlich geprägte Stock-Picking seine Stärken aus.
Der Candriam-Fonds entwickelt sich ebenfalls überzeugend, verzichtet aber bewusst auf die ganz großen Wetten. Das führt zwar häufig zu einer etwas geringeren Schwankung, kostet in starken Haussephasen jedoch einen Teil der möglichen Überrendite.
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Die Performance spricht damit klar für Janus Henderson – allerdings ist sie der Preis für ein höheres Risiko und die zusätzliche Performance-Gebühr. Genau darin liegt letztlich auch der Kern dieses Fonds-Duells: Mehr Renditechance gibt es an der Börse selten ohne mehr Risiko.
Das Urteil: 2 exzellente Fonds – für unterschiedliche Anlegerbedürfnisse
Einen klaren Sieger gibt es trotz der Performance-Unterschiede nicht. Beide Fonds zählen seit Jahren zu den renommiertesten Biotech-Strategien Europas, setzen aber auf unterschiedliche Erfolgsrezepte.
Der Janus Henderson Horizon Biotechnology Fund richtet sich an Anleger, die maximale Alpha-Chancen suchen. Das wissenschaftlich geprägte Management investiert früh in innovative Unternehmen und konnte diese Strategie in den vergangenen Jahren eindrucksvoll in Rendite umsetzen. Dafür müssen Anleger höhere Kursschwankungen und die zusätzliche Performance Fee akzeptieren.
Der Candriam Equities L Biotechnology dürfte dagegen die bessere Wahl für Investoren sein, die ebenfalls an den langfristigen Chancen der Biotechnologie partizipieren möchten, dabei aber etwas kontrollierter investieren wollen. Das Portfolio ist stärker auf etablierte Unternehmen ausgerichtet, die Gebührenstruktur transparenter und das Risikoprofil etwas defensiver.
Das Fazit des ersten Fonds-Duells
Wer maximale Renditechancen sucht und kurzfristige Rückschläge aushält, dürfte beim Janus Henderson besser aufgehoben sein. Wer Biotechnologie als langfristige Depotbeimischung versteht und etwas ruhiger schlafen möchte, findet im Candriam die ausgewogenere Lösung. Beide Fonds zeigen eindrucksvoll: Im Biotech-Sektor entscheidet nicht nur die Branche über den Erfolg – sondern vor allem die Qualität des Fondsmanagements.
Punktsieg im ersten Fonds-Duell: Janus Henderson gewinnt die Kategorie Performance, Candriam überzeugt bei Kosten und etwas geringerem Risiko. Welche Strategie am Ende die bessere ist, entscheidet vor allem das Risikoprofil des Anlegers. Genau das soll das neue Format Fonds-Duell künftig transparent machen.
Clause de non-responsabilité:
Pas de conseils en investissement. Aucun appel pour acheter ou vendre des titres.
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