Die hohe Nachfrage nach KI-Hardware treibt die Erwartungen an die Halbleiterbranche und die Micron-Aktie massiv an. (Foto: Micron)
Boise – Der beispiellose KI-Boom hat Micron in den elitären Club der Billionen-Konzerne katapultiert. Wenn der US-Speicherchiphersteller heute seine Bücher öffnet, geht es um weit mehr als nur um starke Zahlen. Es geht um die Frage, wie lange der Heißhunger nach leistungsstarker Hardware anhält und ob der aktuelle Superzyklus die Branche dauerhaft verändert. Kann Micron die ohnehin schon gigantischen Markterwartungen erneut übertreffen?
An der Börse spiegelt sich die immense Euphorie der Anleger wider. Heute zum Börsenstart notierte die Micron-Aktie bei knapp 1.072 US-Dollar. Seit Jahresbeginn hat das Papier eine atemberaubende Rally hingelegt und um über 260 Prozent zugelegt. Noch eindrucksvoller fällt die Bilanz auf Jahressicht mit einem Plus von 565,67 Prozent aus. Im Sommer durchlief der Kurs eine Korrektur, nachdem die Aktie im Juni 2026 ihr historisches Allzeithoch bei 1.255,00 US-Dollar erreicht hatte. Doch die Bullen haben das Ruder wieder übernommen.
Wachstum bei Umsatz und Gewinn – Neue Rekorde im Visier
Ein Blick zurück auf das 3. Geschäftsquartal verdeutlicht die rasante Wachstumsdynamik. Micron erzielte einen fulminanten Umsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag bei beeindruckenden 24,67 US-Dollar (bereinigt). Zudem erwirtschaftete der Konzern einen operativen Cashflow von 25,39 Milliarden US-Dollar. Damit pulverisierte das Unternehmen erneut die Erwartungen der Analysten – eine Disziplin, in der Micron seit über 2 Jahren ungeschlagen ist.
Für das nun abgelaufene 4. Geschäftsquartal 2026 zeigte sich das Management äußerst optimistisch. Die offizielle Prognose des Konzerns stellt einen Umsatz von 50,0 Milliarden US-Dollar in Aussicht – plus oder minus 1,0 Milliarden US-Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie peilt das Unternehmen 31 US-Dollar an, bei einer Toleranz von 1 US-Dollar. Die Bruttomarge soll dabei rund 86 Prozent betragen.
„Die Rekordergebnisse von Micron im 3. Geschäftsquartal und der noch positivere Ausblick für das 4. Quartal spiegeln den strategischen Wert von Speicherchips im Zeitalter der KI wider“, sagte Sanjay Mehrotra, Vorsitzender, Präsident und CEO von Micron Technology, beim letzten Quartalsbericht.
KI-Boom treibt die Nachfrage – Strategiewechsel bei Micron
Der unstillbare Hunger nach Infrastruktur für Künstliche Intelligenz bleibt der alles überragende Treiber für Micron. Die Nachfrage nach Hochleistungsspeichern übersteigt das weltweite Angebot bei Weitem. Das Unternehmen profitiert dabei extrem von seiner Position als einer von nur 3 globalen Produzenten, die den Markt dominieren. Dieser massive Engpass hat die Preise für Speicherchips seit Jahresbeginn um mehr als 50 Prozent in die Höhe schnellen lassen.
Strategisch vollzieht Micron derzeit einen fundamentalen Wandel. Bislang war das Geschäft extrem zyklisch und von volatilen Spotmarktpreisen abhängig. Nun hat das Management 16 mehrjährige Kundenvereinbarungen mit Mindestabnahme (meist bis 2030) geschlossen. 14 davon entsprechen zu Mindestpreisen rund 100 Milliarden Dollar Umsatz; hinzu kommen erwartete Anzahlungen und Finanzzusagen von 22 Milliarden Dollar (davon rund 18 Milliarden in bar). Sie decken bislang rund 20 Prozent des DRAM- und ein Drittel des NAND-Volumens ab.
Die Chancen für weitere positive Überraschungen stehen hervorragend: Analysten rechnen damit, dass der Markt bis weit in das Jahr 2027 hinein unterversorgt bleibt. Einige Experten prognostizieren sogar Bruttomargen von knapp 88 Prozent. Doch die luftigen Höhen bergen auch Risiken. Die gigantischen Erwartungen sind bereits größtenteils im aktuellen Aktienkurs eingepreist. Sollte sich das Preiswachstum für Speicherchips im kommenden Jahr verlangsamen, wie einige Stimmen warnen, könnte die Anlegerstimmung rasch kippen.
Prognosen zu Umsatz und Gewinn
Der Gewinn pro Aktie soll nach der mittleren Schätzung von 36 Analysten auf finance.net im 4. Quartal von Juni 2026 bis August 2026 bei rund 31,72 US-Dollar liegen. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorquartal, für das Micron rund 24,67 US-Dollar meldete. Rund 2,83 US-Dollar betrug der Gewinn pro Aktie im Vorjahresquartal von Juni 2025 bis August 2025.
Starkes Wachstum verheißen die Umsatzprognosen – rund 51,33 Milliarden US-Dollar schätzen die Analysten im Mittel für das 4. Quartal. Das ist mehr als im Vorjahresquartal (rund 11,32 Milliarden US-Dollar) und im 3. Quartal (rund 41,46 Milliarden). Das Geschäftsjahr endet am 31. August.
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