Märkte mit Momentum: Biotech, Brasilien, Cybersecurity – 3 ETFs unter Strom

Die Architektur des Wachstums: Klare Signale aus 3 starken Sektoren. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

Biotech feiert sein Comeback, Brasiliens Börse die Aussicht auf einen Machtwechsel und Cybersecurity den wachsenden Schutzbedarf der digitalen Welt. 3 ETFs mit mächtig Momentum – und 3 Geschichten, die Anleger elektrisieren.

An der Börse können Totgesagte erstaunlich lebendig werden. Jahrelang versauerten Biotech-Aktien im Depot. Brasilien galt als ewiges Versprechen mit eingebauter Enttäuschungsgarantie. Und Cybersicherheit stand im Schatten der glamourösen KI-Konzerne. Jetzt kommt Bewegung in die vermeintlich zweite Reihe. Im Labor trifft künstliche Intelligenz auf medizinische Durchbrüche. In São Paulo entfacht die Wahlurne neue Kursfantasie. Im Netz verdienen Unternehmen daran, dass die digitale Revolution ihre eigenen Gefahren produziert. 3 Schauplätze, 3 Zündfunken. Und 3 ETFs, mit denen Anleger auf die Dynamik setzen können.

Genomik: Die Rückkehr der Zukunftswette

Lange war Biotech ein Versprechen mit teurer Zwischenfinanzierung. Die möglichen Gewinne lagen Jahre in der Zukunft, die Rechnungen kamen sofort. Steigende Zinsen vergifteten diese Kombination. Investoren wollten Erträge sehen, keine Powerpoint-Präsentationen über Medikamente, die irgendwann die Welt verändern könnten.

Nun fließt wieder Geld in die Zukunft. Der Global X Genomics & Biotechnology UCITS ETF (ISIN: IE00BM8R0N95) legte in den 12 Monaten bis Ende September 2026 um rund 83 Prozent zu. Anfang Oktober stand über einen Monat ein Kursplus von rund 14 Prozent zu Buche. Aus dem einstigen Sorgenkind ist ein Sprinter geworden.

Die Fantasie dahinter reicht tief in den menschlichen Bauplan. Gene entschlüsseln, Krankheiten früher erkennen, Therapien maßschneidern: Genomik verspricht eine Medizin, die genauer ansetzt und Ursachen gezielter behandelt. Künstliche Intelligenz liefert dafür neue Werkzeuge. Sie kann riesige Datenmengen durchforsten, Muster erkennen und die Suche nach geeigneten Wirkstoffen unterstützen. Der KI-Boom bekommt damit eine zweite Bühne: Nach dem Rechenzentrum kommt das Forschungslabor.

 


Allerdings lässt sich eine Zulassung nicht herbeiprompten. Ein vielversprechender Wirkstoff muss weiterhin beweisen, dass er wirkt und sicher ist. Die klinische Studie bleibt der Moment, in dem die schönste Börsengeschichte auf die Wirklichkeit trifft. Der Global-X-ETF bündelt 50 Unternehmen aus Genomsequenzierung, Genbearbeitung, genetischen Therapien und computergestützter Genomik. Er bildet den Solactive Genomics v2 Index vollständig physisch ab, thesauriert seine Erträge und kostet 0,50 Prozent pro Jahr. Das Fondsvermögen lag Anfang Oktober bei rund 147 Millionen US-Dollar. Zu den größeren Positionen zählen Moderna, Twist Bioscience und Illumina.

Das Portfolio bietet Zugang zur medizinischen Innovationsfront. Entsprechend heftig können die Einschläge ausfallen. Scheitert eine entscheidende Studie, verschwinden mitunter Jahre an Kursfantasie an einem einzigen Handelstag. Die jüngste Rally hat die Vergangenheit allerdings noch nicht ausgelöscht: Seit Auflage im November 2021 lag die annualisierte Rendite Ende September weiterhin bei minus 4,15 Prozent in US-Dollar.

83 Prozent Jahresplus sehen spektakulär aus. Wer von Beginn an dabei war, kennt trotzdem die andere Seite der Geschichte.

Brasilien: Die Börse wählt schon mal vor

In Brasilien braucht die Kursfantasie keinen Laborkittel. Ein Stimmzettel genügt. Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 4. Oktober sprang der Ibovespa um rund 8 Prozent nach oben. Flávio Bolsonaro, auf den Anleger ihre Reformhoffnungen setzen, kam auf 47,03 Prozent, Amtsinhaber Lula auf 45,16 Prozent. Die Stichwahl folgt am 25. Oktober. Der Präsident steht noch nicht fest. Die Börse handelt bereits die Aussicht auf einen Machtwechsel. Gehandelt wird die Hoffnung auf mehr Haushaltsdisziplin, Privatisierungen und wirtschaftsfreundlichere Rahmenbedingungen. Ein politischer Wechsel könnte Kapital anlocken und eine Neubewertung der Unternehmen auslösen. Dafür muss zunächst kein Gewinn steigen. Es reicht, wenn Anleger dem nächsten Gewinn einen höheren Preis zugestehen.

 


Den günstigen Zugang zu dieser Wette bietet der Franklin FTSE Brazil UCITS ETF (ISIN: IE00BHZRQY00). Mit 0,19 Prozent jährlicher Kostenquote ist er der günstigste klassische Brasilien-Aktien-ETF am deutschen Markt. Bei einem konstanten Anlagewert von 10.000 Euro entspricht das rechnerisch 19 Euro laufenden Kosten im Jahr. Der Eintritt zur brasilianischen Börsenparty ist erschwinglich. Der seit Juni 2019 bestehende ETF bildet den FTSE Brazil 30/18 Capped Index physisch ab und legt Dividenden wieder an. Im Portfolio stehen große und mittelgroße brasilianische Unternehmen; Obergrenzen im Index begrenzen die Gewichte einzelner Schwergewichte.

Wer hineinschaut, findet viel handfeste Wirtschaft. Vale, Itaú Unibanco und Petrobras gehören zu den größten Positionen. Eisenerz, Kredite und Öl prägen das Portfolio. Brasilien bringt damit andere Renditetreiber ins Depot als die amerikanischen Technologieriesen. Über 12 Monate gewann der ETF zuletzt rund 42 Prozent. Doch zwischen Wahlkampf und Regierungspolitik liegt ein weites Feld. Privatisierungen brauchen Mehrheiten, Haushaltsdisziplin braucht Durchhaltevermögen. Dazu kommen die Abhängigkeit von Rohstoffpreisen und das Währungsrisiko. Ein schwächerer Real kann Euro-Anlegern einen Teil der Aktiengewinne wieder abnehmen.

Die Börse kann einen Politikwechsel an einem Vormittag feiern. Seine Umsetzung dauert meist deutlich länger.

Cybersecurity: Die Türsteher der KI-Revolution

Die digitale Welt baut immer höhere Gebäude. Irgendjemand muss die Türen sichern. Mit jeder Anwendung, jeder Cloud-Verbindung und jedem KI-Agenten wächst die Angriffsfläche. Künstliche Intelligenz hilft Unternehmen, produktiver zu werden. Sie hilft aber auch Angreifern, überzeugender zu täuschen und ihre Methoden zu automatisieren. Fortschritt und Verwundbarkeit wachsen gemeinsam. Für Sicherheitsanbieter entsteht daraus ein Geschäft mit hoher Dringlichkeit. Wer den Betrieb seines Unternehmens nach einer Attacke stilllegen muss, diskutiert über Schutzsoftware anders als über die nächste nette Zusatzfunktion.

Le L&G Cyber Security UCITS ETF (ISIN: IE00BYPLS672) bündelt Unternehmen, die diesen Schutz liefern. Der 2015 aufgelegte Fonds bildet den ISE Cyber Security UCITS Index vollständig physisch ab und thesauriert seine Erträge. Mit rund 3,8 Milliarden Euro Fondsvermögen gehört er zu den etablierten Größen des Segments.

 


Auch an der Börse läuft das Geschäft mit der Sicherheit heiß: Am 6. Oktober stand für die Euro-Notierung ein Kursplus von rund 18,5 Prozent über einen Monat und 70,4 Prozent über 6 Monate zu Buche. Die Anlagethese ist griffig: Je wertvoller die digitale Infrastruktur wird, desto wichtiger wird ihr Schutz. Unternehmen können Investitionen verschieben. Bei einer offenen Sicherheitslücke wird das schnell zur teuren Mutprobe.

Allerdings verlangt der ETF mit 0,69 Prozent jährlicher Kostenquote einen vergleichsweise kräftigen Eintrittspreis. Und auch bei den Aktien steckt bereits reichlich Zuversicht in den Kursen. Wo Anleger verlässliches Wachstum erwarten, reichen schon kleine Enttäuschungen für große Kursreaktionen. Ein wachsender Markt garantiert zudem nicht, dass jeder Anbieter gewinnt. Konkurrenz, Preisdruck und technologische Veränderungen können die Margen treffen. Selbst die besten digitalen Türsteher müssen ihre Bewertung verdienen.

Cybersecurity schützt Daten und Netzwerke. Gegen einen überhöhten Kaufkurs hilft sie wenig.

3 ETFs, 3 Motoren

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Medizinischer Fortschritt, politische Neubewertung und digitaler Schutzbedarf. Als Beimischungen können sie ein Depot beleben. Kräftige Rückschläge gehören allerdings zum Paket. Wer Märkte unter Strom kauft, muss auch Spannung aushalten.

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