Frankreich weist im EZB-Vergleich die höchste langfristige Staatsanleiherendite im September auf. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion, Codex-Bildmodell)
Frankreich hat die höchste langfristige Staatsanleiherendite im Euroraum. Seine Staatsanleihen kamen im September auf eine Rendite von 4,44 Prozent. Italien und Griechenland folgen dahinter. Das zeigt Anlegern, welche Staaten im gemeinsamen Währungsraum die höchsten Marktzinsen aufweisen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte am 12. Oktober die Monatsdaten für September. Der Vergleich umfasst alle 21 Euro-Länder. Gemessen werden jährliche Renditen vor Steuern am Sekundärmarkt für Staatsanleihen mit rund 10 Jahren Restlaufzeit. Die Werte sind Monatsmittel, keine im September erzielten Kursgewinne.
Platz 1 steht für die höchste durchschnittliche Staatsanleiherendite im Euroraum im September 2026. Die 5 höchsten Werte reichen von 4,16 bis 4,44 Prozent. Für den deutschen Vergleich: Die entsprechende Bundesanleihenrendite lag bei 3,47 Prozent.
UN ftd.de-Beitrag über den Druck auf Staatsfinanzen beschreibt, wie höhere Anleihezinsen die Haushalte belasten. Wann dieser Druck im Budget ankommt, hängt auch davon ab, wann bestehende Schulden neu finanziert werden müssen.
| Rang | Land | Rendite September 2026 |
|---|---|---|
| 1 | France | 4,44 Prozent |
| 2 | Italien | 4,36 Prozent |
| 3 | Griechenland | 4,22 Prozent |
| 4 | Malta | 4,19 Prozent |
| 5 | Slowakei | 4,16 Prozent |
Die 5 höchsten Staatsanleiherenditen im Euroraum im September 2026
Platz 5: Slowakei – Defizit steigt trotz Sparpaket
- Rendite September 2026: 4,16 Prozent
Für die Slowakei weist die EZB 4,16 Prozent aus. Bei den öffentlichen Finanzen zeichnete die Europäische Kommission in ihrer Frühjahrsprognose vom 21. Mai ein angespanntes Bild. Sie erwartete für 2026 ein Defizit von 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nach 4,5 Prozent im Jahr 2025.
Das bereits beschlossene Sparpaket sollte den Anstieg der Ausgaben bremsen. Dazu gehörten eingefrorene öffentliche Gehälter und höhere Steuereinnahmen. Verzögerte Lieferungen von Militärausrüstung aus dem Vorjahr sollten den Haushalt 2026 jedoch zusätzlich belasten. Höhere Lehrergehälter und Energiehilfen wirkten ebenfalls den Einsparungen entgegen.
Für 2027 rechnete die Kommission bei unveränderter Politik mit 5,4 Prozent Defizit. Gleichzeitig prognostizierte sie 0,8 Prozent reales Wirtschaftswachstum für 2026 und 1,5 Prozent für 2027. Das Risiko liegt damit in der Kombination aus verhaltenem Wachstum und steigendem Defizit. Diese Erwartungen stammen aus dem Frühjahr; die Rangposition beruht ausschließlich auf den beobachteten Septemberzinsen.
Platz 4: Malta – Defizitverfahren beendet, geringe Schuldenquote
- Rendite September 2026: 4,19 Prozent
Malta erreicht eine Rendite von 4,19 Prozent. Seine Staatsverschuldung lag Ende März bei 45,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit deutlich unter den Quoten der 3 höher platzierten Länder.
Beim Haushalt gab es im Sommer einen formellen Fortschritt. Der Rat der Europäischen Union hob am 12. Juni den Beschluss über ein übermäßiges Defizit in Malta auf. Das betreffende Verfahren war 2024 eröffnet worden. Die Entscheidung dokumentiert eine Verbesserung gegenüber der damaligen Haushaltslage. Gleichwohl gehört Malta bei den langfristigen Septemberrenditen zu den 5 Staaten mit den höchsten Werten im Euroraum.
Platz 3: Griechenland – Kredite prägen die Staatsfinanzierung
- Rendite September 2026: 4,22 Prozent
Griechenland kommt auf 4,22 Prozent und liegt damit unter Frankreich und Italien. Nach den Eurostat-Daten vom 21. Juli hatte das Land Ende des 1. Quartals mit 143,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts die höchste Schuldenquote dieser 5 Staaten. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank sie allerdings um 9,4 Prozentpunkte.
Der Blick auf die Finanzierungsform ist hier besonders aufschlussreich. Kredite entsprachen Ende März 101,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, Schuldverschreibungen dagegen 38,8 Prozent. Die Börsenrendite eines langfristigen Staatspapiers bildet deshalb nur einen Teil der Finanzierung ab. Sie lässt sich nicht als durchschnittlicher Zins auf den gesamten Schuldenbestand lesen.
Le Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) untersuchte diese Entwicklung am 27. Januar. Ökonom Matthias Gnewuch führt die engere Einbindung Griechenlands in den europäischen Anleihemarkt auf die wirtschaftliche Erholung und Haushaltsüberschüsse zurück. Seit dem Abschluss des dritten Hilfsprogramms 2018 habe sich der Renditeabstand zu anderen Staaten deutlich verringert.
Die stärkere Verbindung überträgt zugleich Veränderungen aus anderen Ländern. Gnewuch zeigt dies an der im März 2025 angekündigten deutschen Ausweitung der Staatsausgaben. Daraufhin stiegen die Renditen in Deutschland und Griechenland in ähnlicher Größenordnung. Für Griechenlands Finanzierung zählt damit auch, wie sich das europäische Angebot an Staatsanleihen entwickelt.
Platz 2: Italien – Viele Schulden in handelbaren Wertpapieren
- Rendite September 2026: 4,36 Prozent
Italiens langfristige Staatsanleihen erreichten im September 4,36 Prozent. Das Land belegt damit Rang 2. Seine Staatsschuldenquote betrug Ende März 138,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nach 137,3 Prozent ein Jahr zuvor. Die Eurostat-Zahlen beschreiben den Bestand am Ende des 1. Quartals.
Eine große Rolle spielt die Finanzierung über Wertpapiere. Ihr Umfang entsprach zu diesem Zeitpunkt 116,2 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Kredite machten weitere 13,9 Prozent aus. Damit unterscheidet sich die Zusammensetzung deutlich von Griechenland, wo Kredite den größten Anteil bilden.
Steigende Marktzinsen schlagen vor allem bei neuen Anleihen und der Ablösung fälliger Schulden durch. Der ESM beziffert die durchschnittliche Restlaufzeit der Staatsschulden im Euroraum auf fast 9 Jahre. Das verzögert die Belastung der Haushalte. Für hoch verschuldete Staaten bleiben die Konditionen der anstehenden Refinanzierung deshalb besonders bedeutsam.
Platz 1: Frankreich – Höchste Rendite bei steigender Schuldenquote
- Rendite September 2026: 4,44 Prozent
Mit 4,44 Prozent im September steht Frankreich vor sämtlichen anderen Euro-Staaten. Gegenüber Deutschland beträgt der Abstand rund 0,97 Prozentpunkte. Dieser Vergleich verwendet dieselbe Laufzeitgruppe und denselben Monat. Die Rendite zeigt die Finanzierungskonditionen am Kapitalmarkt für langfristige französische Staatspapiere.
Der Schuldenstand ist dabei erheblich: Eurostat meldete am 21. Juli für Frankreich zum Ende des 1. Quartals 2026 eine Staatsschuldenquote von 117,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein Jahr zuvor waren es 113,6 Prozent. Italien und Griechenland hatten noch höhere Quoten, ihre Septemberrenditen lagen dennoch unter der französischen.
Für das allgemeine Zinsumfeld liefert der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) eine Erklärung. Seine Analyse vom 9. Oktober schreibt den jüngsten internationalen Renditeanstieg überwiegend gemeinsamen globalen Faktoren zu. Höhere Erwartungen an die kurzfristigen Zinsen spielen dabei eine große Rolle. Der ESM merkt zugleich an, dass einige verwundbarere Staaten zuletzt wegen politischer und fiskalischer Unsicherheit stärkere Spread-Ausweitungen erlebten.
Hinzu kommt ein wachsendes Angebot an Staatspapieren, während die EZB ihre Bilanz verkleinert. Private Anleger müssen dadurch mehr Anleihen aufnehmen. Damit treffen wachsende Finanzierungsbedürfnisse auf eine veränderte Nachfrage am Anleihemarkt.
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