Trotz der kurzfristigen Entlastung an der Zapfsäule warnen Ökonomen vor erneut steigenden Energiepreisen ab dem Jahr 2027. (Foto: Magnific.com, marketlan)
Wiesbaden/Frankfurt – Ein Steuergeschenk als Inflationsbremse: Seit 1. Oktober drückt eine Steuersenkung den Spritpreis um bis zu 17 Cent je Liter. Das wirkt sich aus: Im vergangenen Monat ist die Teuerung in Deutschland von 3,3 auf 2,8 Prozent im Jahresvergleich zurückgegangen, meldet heute das Statistische Bundesamt. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 3 Prozent gerechnet.
Inflation im Oktober: Rückgang dank Tankrabatt
Trotz des Tankrabatts: Preistreiber waren auch im Oktober die Energiepreise, sie stiegen um 12,2 Prozent im Jahresvergleich (September: 14,9 Prozent). Nahrungsmittel waren auch im Oktober 0,4 Prozent teurer als 12 Monate zuvor. Die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel fiel um 0,3 Prozentpunkte auf 2,1 Prozent. Sie spiegelt präziser die Teuerung an der Wirtschaftsbasis.
Ralph Solveen von der Commerzbank sah die Wende früh kommen: Die Teuerungsrate werde im Oktober „wohl wieder unter 3 Prozent liegen“, sagte er vor einem Monat. Dann die Warnung: „Allerdings dürfte sie dort nicht lange bleiben.“ Der Rabatt endet im Dezember, Firmen reichen höhere Energiekosten zunehmend weiter.
Verbraucherpreise im Jahr 2026 – Anstieg der Erzeugerpreise
Le September-Wert markiert einen Jahresrekord: 3,3 Prozent Inflation, so viel wie seit Dezember 2023 nicht mehr. Seit Ausbruch des Nahost-Konflikts im März zeigt die Kurve bei der Verbraucherinflation nach oben: von 1,9 Prozent im Februar auf 2,9 Prozent im April. Der erste Tankrabatt drückte die Rate bis Juni auf 2,3 Prozent, danach ging es wieder bergauf. Die Kernrate verharrt seit Juli bei 2,4 Prozent. 2026 droht das sechste Jahr in Folge über der 2-Prozent-Marke.
Auf Herstellerebene ist der Preisauftrieb bereits stärker. Die Erzeugerpreise lagen im September 6,7 Prozent über dem Vorjahr – das kräftigste Plus seit März 2023. Allein zum August ging es um 1,9 Prozent aufwärts. Mineralölerzeugnisse verteuerten sich um 51,3 Prozent, ohne Energie blieb ein Plus von 3,2 Prozent. Ein Warnsignal für die Ladenpreise.
Risiken: Gasspeicher, Tankrabatt-Ende, schwacher Euro
Die Liste der Preistreiber wächst. Zum Jahreswechsel endet der Tankrabatt. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski verweist zudem auf niedrige Gasspeicherstände, die Anfang 2027 höhere Gaspreise für Endkunden bringen dürften. Und der Euro fiel am Donnerstag auf ein 17-Monats-Tief von 1,1105 US-Dollar – das verteuert in Dollar gehandeltes Öl.
Die Verbraucher stellen sich auf Dauer ein. In der jüngsten Bundesbank-Umfrage erwarteten Privatpersonen für die nächsten 12 Monate im Schnitt 3,5 Prozent Inflation, 0,3 Prozentpunkte mehr als zuvor. Für die kommenden 5 Jahre kletterte die Erwartung auf 3,6 Prozent – weit über dem EZB-Ziel von 2 Prozent.
EZB hält Einlagesatz bei 2,50 Prozent – Lagarde kündigt Rückzug an
Die EZB steckt im Dilemma. Am Donnerstag beließ der Rat den Einlagesatz bei 2,50 Prozent, nach Anhebungen um je 25 Basispunkte im Juni und September. Im Euroraum lag die Inflation zuletzt bei 3,8 Prozent, fast doppelt so hoch wie das Ziel. Zugleich bremsen die Energiepreise das Wachstum.
Lagarde, die zum 7. Februar 2027 abtritt, begründete die Pause so: „Aufgrund der Unsicherheit und der unveränderten zugrunde liegenden Inflation hat der EZB-Rat einstimmig beschlossen, die Zinsen unverändert zu lassen.“ Einen Zinspfad legt der Rat nicht fest. Im Dezember liefern neue Projektionen den Falken womöglich Munition.
Was sagen die Märkte? Laut ECB Watch Tool beträgt die Chance für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte bei der nächsten Notenbank-Sitzung am 17. Dezember 85 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins nach der Sitzung am 4. Februar höher als aktuell liegt, beträgt demnach 88,9 Prozent. (Stand: 30. Oktober, 14.10 Uhr MEZ)
Aktualisiert nach Bekanntgabe der Inflationszahlen am 30. Oktober 2026 um 14.12 Uhr (MEZ).
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