Inflation Eurozone aktuell: Teuerung Oktober 2026 nach EZB-Zinsentscheid

Die hartnäckige Inflation in der Eurozone treibt die Verbraucherpreise an und macht weitere Leitzinserhöhungen wahrscheinlicher. (Foto: Freepik, kriserdmann)

Luxemburg – Der Ölpreis diktiert die Inflationskurve. Im Oktober legte die Teuerung im Euroraum nochmals zu: 4 Prozent im Jahresvergleich meldete heute Eurostat – nach 3,8 Prozent im September. Ökonomen hatten einen weiteren Anstieg erwartet. Wird eine Zinserhöhung der EZB jetzt noch wahrscheinlicher?

Wie schon in den Vormonaten heizten die Energiepreise mit einer Jahresrate von 20,8 Prozent die Inflation an. Lebens- und Genussmittel stiegen um 1,6 Prozent, Dienstleistungen verteuerten sich um 3,3 Prozent. Die Kerninflation ohne Nahrungs- und Genussmittel sowie Energie stagnierte bei 2,5 Prozent.

Die Pipeline bleibt gefüllt. Die Erzeugerpreise der Industrie stiegen im August laut Eurostat um 1,9 Prozent zum Vormonat und um 8,2 Prozent zum Vorjahr, Energie allein binnen eines Monats um 5,6 Prozent. In Allemagne legten die Erzeugerpreise im September um 6,7 Prozent zu – so stark wie seit März 2023 nicht mehr.

Trend seit Februar – schwacher Euro und hohe Energiepreise

Die Kurve der Verbraucherpreise zeigt seit dem Frühjahr nach oben: 1,9 Prozent im Februar, 3,2 Prozent im Mai, nach einer Atempause im Juni mit 2,8 Prozent folgten 2,9, 3,2 und 3,8 Prozent. Der Nahost-Konflikt verteuert Öl und Gas. Die Kernrate steigt bislang langsam, Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer erwartet sie bis Herbst 2027 jedoch über 3 Prozent.

Die Risiken weisen nach oben. Der Euro fiel auf ein 17-Monats-Tief von 1,1105 US-Dollar und verteuert das in Dollar gehandelte Öl. In Deutschland endet zum Jahreswechsel der Tankrabatt, ING-Ökonom Carsten Brzeski warnt wegen niedriger Gasspeicher vor höheren Gaspreisen Anfang 2027. Italiens Inflation sprang im Oktober bereits auf 5,4 Prozent.

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Inflationserwartungen steigen – EZB-Rat vor Zinsanstieg

Auch die Haushalte stellen sich auf hohe Preise ein. In der EZB-Verbraucherumfrage für September erwarteten die Befragten für die nächsten 12 Monate 3,1 Prozent Inflation, auf 3 und 5 Jahre unverändert 2,9 und 2,5 Prozent. Demgegenüber rechnen befragte Finanzexperten für 2027 mit 2,6 Prozent, erst 2031 mit 2 Prozent.

Die EZB steckt in der Zwickmühle. Im Juni und September hob sie die Zinsen an, der Einlagensatz liegt bei 2,50 Prozent. Am 29. Oktober legte sie einstimmig eine Pause ein. Die Wirtschaft wuchs im 3. Quartal um 0,4 Prozent zum Vorquartal (nach 0,6 Prozent), doch Frankreichs Anleiherenditen über 5 Prozent erhöhen den Druck.

Lagarde: Richtung ist klar – Prognose des ECB-Watch-Tools

Christine Lagarde, die ihr Amt am 7. Februar 2027 vorzeitig abgibt, ließ wenig Zweifel. Der Rat habe bereits im Oktober über eine Anhebung debattiert. Gebe es keine Überraschungen, sei „die Richtung der Reise ziemlich klar“, sagte die EZB-Präsidentin.

Was sagen die Märkte? Laut ECB-Watch-Tool beträgt die Chance für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte bei der nächsten Notenbank-Sitzung am 17. Dezember 88 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für Zinssätze oberhalb des aktuellen Niveaus steigt bei der Sitzung am 4. Februar auf 91 Prozent. (Stand: 4. November, 11.30 Uhr MEZ)

Aktualisiert nach Bekanntgabe der Inflationsdaten am 4. November 2026 um 11.30 Uhr (MEZ).

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