Antizyklische Chance Emerging Markets: Trotz Krisen haben Schwellenländer Potenzial

Schwellenländer-Aktien als Basis für antizyklische Investmententscheidungen. (Foto: Freepik KI Suite)

Jahrelang dominierten US-Technologiekonzerne die Börsen. Doch während die Bewertungen in den Industrieländern steigen, richten viele Strategen ihren Blick wieder auf die Schwellenländer. Höheres Wachstum, günstigere Bewertungen und mögliche Währungseffekte könnten den Emerging Markets in den kommenden Jahren zum Comeback verhelfen. Mit diesen Fonds und ETFs sind Anleger dabei.

Rekordmärkte – aber mit Klumpenrisiken

Trotz geopolitischer Spannungen zeigen sich die globalen Aktienmärkte bemerkenswert robust. Selbst die zunehmend konfrontative Wirtschaftspolitik von Donald Trump und neue Zollkonflikte konnten die Börsen bislang nicht nachhaltig erschüttern. Doch hinter den Rekordständen wächst die Skepsis vieler Strategen.

Schließlich wird die Rallye immer stärker von wenigen Branchen und Regionen getragen. Vor allem die großen US-Technologiekonzerne dominieren längst die globalen Indizes. So besteht der weltweit wichtigste Aktienindex, der MSCI World, heute zu mehr als 70 Prozent aus US-Unternehmen. Dadurch sind viele Anleger deutlich stärker von der Entwicklung der amerikanischen Börse abhängig, als ihnen bewusst ist. Genau deshalb richten viele Strategen ihren Blick wieder auf einen lange vernachlässigten Teil der globalen Börsenlandschaft: die Schwellenländer.

Große Erwartungen – und ein holpriger Start

Zu Beginn des Jahres waren sich Investmentstrategen so einig wie selten zuvor: 2026 sollte ein gutes Jahr für Emerging Markets werden. Entsprechend optimistisch fielen zahlreiche Kapitalmarktausblicke aus. Und tatsächlich begann das Jahr vielversprechend. So legte der MSCI Emerging Markets Index im Januar und Februar um rund 15 Prozent zu. Vor allem Halbleiterwerte aus Taiwan und Südkorea sorgten dabei für Rückenwind. Unternehmen wie Taiwan Semiconductor Manufacturing Company oder Samsung Electronics profitierten von der anhaltend hohen Nachfrage nach Chips für Rechenzentren, künstliche Intelligenz und Elektromobilität. Doch die Euphorie hielt nicht lange an. Mit dem Ausbruch eines Kriegs im Iran gerieten auch die Börsen der aufstrebenden Märkte unter Druck.

Der Grund dafür liegt vor allem in der Energieabhängigkeit vieler Schwellenländer. Steigende Öl- und Gaspreise verteuern die Importe und belasten somit die Volkswirtschaften. Hinzu kam ein weiterer klassischer Belastungsfaktor: der stärkere US-Dollar. In unsicheren Zeiten flüchten internationale Investoren häufig in vermeintlich sichere Anlagen – und dazu zählt traditionell die amerikanische Währung. In der Vergangenheit ging eine solche Dollarstärke häufig mit Kapitalabflüssen aus Aktien und Anleihen der Schwellenländer einher.

Rücksetzer statt Trendbruch

Allerdings sehen viele Experten darin keinen nachhaltigen Trendwechsel. Vielmehr handele es sich um eine gesunde Konsolidierung nach einem sehr starken Jahresauftakt. „Wir werten dies primär als gesunde Positionsanpassung und Rebalancing, nachdem die Kurse den Fundamentaldaten kurzfristig vorausgelaufen waren“, erklärt Karin Kunrath, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management.

Auch andere Marktbeobachter bleiben optimistisch. Abdallah Guezour, Leiter für Emerging-Market-Anleihen und Rohstoffe bei Schroders, verweist auf eine wichtige strukturelle Veränderung der vergangenen Jahre: Viele Schwellenländer haben ihre Volkswirtschaften stabilisiert, ihre Leistungsbilanzen verbessert und ihre Abhängigkeit von kurzfristigem Auslandskapital reduziert. Dadurch seien sie heute deutlich besser in der Lage, externe Schocks zu verkraften als noch vor zwei Jahrzehnten. Tatsächlich profitieren einige Regionen sogar von den aktuellen geopolitischen Entwicklungen. So sind Rohstoffexporteure in Lateinamerika etwa nicht direkt vom Konflikt im Persischen Golf betroffen, profitieren aber von steigenden Preisen für Metalle und Energie.

Dollarstärke – kurzfristiger Gegenwind, langfristige Chance

Im Zuge der jüngsten Dollarstärke sind Schwellenländer zwar unter Druck geraten – doch genau darin könnte auch eine Chance liegen. Die Aufwertung des Dollars dürfte in erster Linie ein temporäres Phänomen sein, das durch die steigende Nachfrage nach Dollar infolge höherer Ölpreise ausgelöst wurde. An den strukturellen Schwächen des Dollars hat sich hingegen wenig geändert. So liegt die Staatsverschuldung der USA inzwischen bei mehr als 120 Prozent der Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig steigen die Zinskosten deutlich, während wichtige ausländische Gläubiger ihre Bestände an amerikanischen Staatsanleihen reduzieren. Sollte die US-Notenbank ihre Zinsen trotz steigender Inflation stabil halten oder sogar senken, könnte der Dollar zusätzlich unter Druck geraten.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Für viele Schwellenländer wäre das ein ausgesprochen positives Szenario. Zahlreiche Staaten und Unternehmen haben ihre Schulden in Dollar aufgenommen. Sinkt der Wert der US-Währung, reduziert sich automatisch ihre reale Schuldenlast. Das verbessert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und macht die Region für internationale Kapitalströme attraktiver. Mit einem Forward-KGV von rund 13,6 sind Schwellenländeraktien im globalen Vergleich zudem moderat bewertet. Wer an eine langfristige Abschwächung des Dollars glaubt, findet hier eine klassische antizyklische Einstiegsgelegenheit.

Wachstumsregion der Weltwirtschaft

Auch abseits kurzfristiger Marktbewegungen spricht vieles für die Emerging Markets. Der wichtigste Faktor ist und bleibt das Wirtschaftswachstum. Während viele Industriestaaten mit alternden Bevölkerungen und strukturellen Wachstumsproblemen kämpfen, expandieren zahlreiche Schwellenländer weiterhin deutlich schneller. Der Internationale Währungsfonds erwartet für die kommenden Jahre ein Wirtschaftswachstum von über vier Prozent für die Schwellenländer – mehr als doppelt so viel wie in vielen Industriestaaten. Zudem stehen viele Länder noch am Anfang einer langen wirtschaftlichen Aufholjagd. Eine junge Bevölkerung, steigender Konsum und massive Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung treiben das Wachstum voran.

Eine Domäne aktiver Fondsmanager

Interessanterweise gehören Schwellenländer zu den wenigen Bereichen des Kapitalmarkts, in denen aktive Fondsmanager häufig bessere Ergebnisse als ETFs erzielen. Der Grund dafür liegt in der Struktur dieser Märkte. Emerging Markets umfassen eine sehr heterogene Mischung aus Ländern, Branchen und Unternehmensgrößen. Während klassische ETFs strikt nach Marktkapitalisierung gewichten, können aktive Manager gezielt Schwerpunkte setzen und ineffiziente Marktstrukturen ausnutzen. Gerade in weniger transparenten Märkten eröffnet das zusätzliche Chancen.

Hier sind 3 Optionen im Porträt:

Fazit: Emerging Markets – die nächste Börsenstory?

Über viele Jahre hinweg standen die Schwellenländer im Schatten der amerikanischen Börsen. Doch die Kombination aus höherem Wirtschaftswachstum, moderaten Bewertungen und möglichen Währungseffekten könnte dafür sorgen, dass sich dieses Bild in den kommenden Jahren verändert. Sollte sich der Dollartrend tatsächlich drehen und Kapital wieder stärker in wachstumsstärkere Regionen fließen, könnten die Emerging Markets zu den großen Gewinnern des nächsten Börsenzyklus zählen. Oder anders formuliert: Die nächste große Börsenstory könnte genau dort entstehen, wo heute noch kaum ein Anleger hinschaut.

 

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