Aufholjagd der Schwellenländer: 3 Fonds zwischen Value, Contrarian und Chipboom

Aus dem Schatten ins Neonlicht: Wenn traditionelle Werte und der Chipboom den Sprint der Schwellenländer befeuern. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

Die Emerging Markets holen auf: Nach Jahren im Schatten der US-Börsen erleben Aktien aus Asien, Lateinamerika und anderen Schwellenländern ein bemerkenswertes Comeback. Was für die Fortsetzung der Rally spricht – und wo die größten Gefahren lauern. Dazu ein Value-ETF und 2 aktive Fonds, die zuletzt besonders stark waren.

Die Aufholjagd hat gerade erst begonnen

Die Schwellenländer sind zurück auf dem Radar der Anleger. Der MSCI Emerging Markets liegt 2026 bereits rund 25 Prozent im Plus, auf Sicht von 1 Jahr sind es etwa 33 Prozent. Noch spektakulärer fällt die Bilanz einzelner Strategien aus: Der ARGA Emerging Market Equity Fund kommt seit Jahresbeginn auf rund 52 Prozent, der Nomura Emerging Markets Fund sogar auf mehr als 56 Prozent. Der iShares Edge MSCI EM Value Factor ETF liegt in Euro ebenfalls rund 47 Prozent vorn.

Zufall? Wohl kaum. Die Bewertungslücke zu den USA ist weiterhin beträchtlich. Der MSCI Emerging Markets kommt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 19,7, während der S&P 500 bei mehr als 30 liegt. Das schafft Spielraum für weitere Neubewertungen – vorausgesetzt, die Gewinne liefern den Treibstoff. Doch billig allein ist kein Kaufargument. Politische Eingriffe, Währungsrisiken, geopolitische Spannungen und geringere Transparenz gehören bei Schwellenländern zum Paket. Vor allem China trägt weiterhin einen Bewertungsabschlag.

Gleichzeitig hat sich die Struktur der Emerging Markets verändert. Taiwan und Südkorea hängen tief in der globalen Halbleiterkette, Indien profitiert von Digitalisierung und wachsender Binnenwirtschaft, Indonesien von Industrialisierung und Rohstoffen, Mexiko von der Neuordnung globaler Lieferketten. Und dann ist da noch China – der Elefant im Raum. Die Mischung aus Wachstum und Bewertung macht die Emerging Markets wieder interessant.

Zinsen steigen, Kurse auch

Bemerkenswert ist dabei, dass die Rally nicht von einer klassischen Liquiditätswelle getragen wird. In den USA und Europa steigen die Zinsen beziehungsweise bleiben sie hoch, weil die Inflation hartnäckiger ist als erhofft. Höhere US-Renditen, ein stärkerer Dollar und steigende Finanzierungskosten sind für Schwellenländer normalerweise keine gute Kombination.

Trotzdem steigen die Kurse. Das spricht dafür, dass Anleger zunehmend auf die Gewinnentwicklung schauen – und nicht nur auf billiges Geld. Genau das macht die aktuelle Bewegung interessant. Denn wenn die Gewinne tatsächlich nachziehen, könnte die Neubewertung der Emerging Markets weitergehen.

Umgekehrt gilt: Bleibt der Dollar stark, steigen die Finanzierungskosten oder kippt die Gewinnentwicklung, wird aus dem Rückenwind schnell Gegenwind. Die Emerging Markets werden damit zunehmend zu einer Stockpicker-Geschichte.

Breit gestreut? Von wegen

Wer bei Emerging Markets an eine breit diversifizierte Wette auf die gesamte zweite Reihe der Weltwirtschaft denkt, sollte genauer hinschauen. Der MSCI Emerging Markets umfasst zwar mehr als 1.600 Unternehmen aus 24 Ländern. Doch Taiwan mit 26,5 Prozent, China mit 19,7 Prozent, Südkorea mit 18,7 Prozent und Indien mit 12,1 Prozent bringen es zusammen auf mehr als 3 Viertel des Index.

Auch auf Branchenebene ist das Bild eindeutig: Technologie kommt auf rund 43 Prozent, Finanzwerte auf etwa 22 Prozent. An der Spitze stehen TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix. Wer einen klassischen EM-ETF kauft, bekommt also weit weniger Welt, als das Etikett vermuten lässt – dafür jede Menge Asien, Technologie und Halbleiter. Im KI-Boom ist das ein Turbo. Dreht der Chipzyklus, wird daraus schnell ein Bremsklotz.

Was zusätzlich für die Rally spricht

Noch wichtiger könnte allerdings sein, dass sich die Rally verbreitert. Die Neuordnung globaler Lieferketten stärkt Länder wie Indien, Mexiko und Teile Südostasiens. Gleichzeitig bieten Emerging Markets nach Jahren der Dominanz von US-Aktien einen anderen Mix aus Regionen, Branchen und Wachstumstreibern.

Der entscheidende Punkt: Aus der Tech-Rally müsste eine breitere EM-Rally werden. Wenn neben Halbleitern auch Banken, Konsum, Industrie und Infrastruktur anspringen, könnte aus der bisherigen Aufholbewegung ein nachhaltigerer Börsenzyklus werden. Genau hier liegt die nächste Bewährungsprobe.

Doch die Party hat ihre Risiken

So überzeugend die Kursgewinne aussehen, so wenig ist die Sache ein Selbstläufer. Politische Eingriffe, Handelskonflikte und Währungsschwankungen können die Rally jederzeit ausbremsen. Dazu kommen geopolitische Risiken. Taiwan und China bleiben ein zentraler Unsicherheitsfaktor, während Chinas Immobilienmarkt, die schwache Binnennachfrage und die Spannungen mit den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt weiter belasten.

Auch die Bewertung ist kein Freifahrtschein. Selbst wenn Emerging Markets im Vergleich zu den USA günstiger erscheinen, müssen die Unternehmensgewinne die gestiegenen Kurse irgendwann rechtfertigen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob die Schwellenländer billig sind. Sondern ob sie ihre Gewinne schnell genug steigern können.

3 Strategien, die jetzt auffallen:

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

Publicité

Bei anderen Depots investieren Sie in Ordergebühren, bei Smartbroker+ in Ihren Vermögensaufbau.

Der eigentliche Test kommt erst noch

Die erste Phase der Rally war beeindruckend. Doch nach kräftigen Kursgewinnen wird die Luft dünner – und die einfachen Argumente reichen nicht mehr. Wer früh auf niedrige Bewertungen gesetzt hat, konnte von der Neubewertung profitieren. Wer heute einsteigt, muss genauer hinschauen, ob die Unternehmensgewinne mit den gestiegenen Aktienkursen Schritt halten.

Für eine Fortsetzung der Rally braucht es deshalb mehr als Momentum: steigende Unternehmensgewinne, stabile Währungen und vor allem eine Ausweitung der Bewegung auf weitere Länder und Branchen. Das entscheidende Signal für einen nachhaltigeren Emerging-Markets-Zyklus wäre erreicht, wenn die Rally nicht mehr vor allem von TSMC, Samsung, SK Hynix und einigen weiteren Technologiewerten getragen wird, sondern auch Banken, Konsumwerte, Industrieunternehmen und Infrastrukturaktien in Ländern wie Indien, Brasilien, Mexiko oder Indonesien stärker nachziehen.

Die Emerging Markets sind zurück. Doch wer jetzt einfach den nächsten Indexanstieg kauft, könnte die eigentlich interessante Geschichte verpassen. Denn die entscheidende Frage ist nicht mehr nur, ob die Schwellenländer steigen – sondern wo innerhalb der Emerging Markets die nächste Gewinn- und Bewertungsstory entsteht. Genau hier unterscheiden sich die 3 Ansätze: Value sucht die günstigsten Aktien, Contrarian die unterschätzten Chancen und Nomura die Gewinner des globalen Technologiebooms.

 

Clause de non-responsabilité:
Pas de conseils en investissement. Aucun appel pour acheter ou vendre des titres.

La contribution Aufholjagd der Schwellenländer: 3 Fonds zwischen Value, Contrarian und Chipboom est apparu en premier ftd.de.