Dieselmarkt unter Druck – hoffen auf Trump-Xi-Gipfel! Der Hellmeyer der Woche KW39

 

Die Treibstoff-Engpässe infolge der Konflikte im Nahen Osten belasten die Weltwirtschaft, in Frankreich wird Diesel knapp, in den USA bewegen sich die Dieselpreise auf Höchstständen. Die Fed hat letzte Woche auf die Inflation reagiert und die Zinsen hochgesetzt.

Geopolitisch liegt Hoffnung auf dem Treffen zwischen Trump und Xi am Donnerstag. Märkte und Anleger schauen in dieser Woche zudem unter anderem auf das Verbrauchervertrauen in der Eurozone, die Einkaufsmanagerindizes in den großen Wirtschaftsnationen und das ifo-Geschäftsklima für Deutschland.

Makroökonomie und Geopolitik: Energieversorgung unter Druck

Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen halten die internationalen Märkte in Atem. Jüngste Berichte verzeichnen beispiellose Drohnen- und Raketenangriffe der Ukraine auf russisches Territorium, bei denen unter anderem eine wichtige Raffinerie nahe Moskau getroffen wurde.

Parallel dazu droht im Nahen Osten eine weitere militärische Eskalation. Den USA und ihren Verbündeten wird nachgesagt, neue Angriffswellen zu planen, woraufhin der Iran mit einer drastischen Ausweitung seiner regionalen Ziele droht.

Diese doppelte geopolitische Krise hat unmittelbare und schwerwiegende Folgen für die Energiemärkte. Bereits über das Wochenende sind die Öltransfers durch die strategisch entscheidende Straße von Hormus massiv eingebrochen.

Besonders kritisch ist dabei nicht primär die Versorgung mit Rohöl, sondern der Mangel an Destillaten wie Diesel. In den USA markierte der Dieselpreis ein Rekordhoch, während in Frankreich erste Tankstellen gänzlich ohne Kraftstoffe auskommen mussten.

Für westliche Volkswirtschaften, die im Gegensatz zu den USA nicht energieautark sind, stellt diese Verknappung eine erhebliche Gefahr dar. Die Deutsche Bundesbank warnt in ihrem jüngsten Monatsbericht ausdrücklich vor den inflationären Zweitrundeneffekten.

Höhere Kosten an den Zapfsäulen fressen sich unweigerlich durch die globalen Lieferketten und zwingen Notenbanken potenziell zu dauerhaft höheren Leitzinsen, was wiederum die Finanzierungskosten für langfristige Investitionen in die Höhe treibt.

Wirtschaft in Europa: Frankreich und Deutschland straucheln

Die Energiekrise offenbart auch die tiefen strukturellen Risse innerhalb Europas. Jüngste Signale aus Norwegen verdeutlichen den Unmut über die deutsche Energiepolitik, da man in Oslo nicht bereit ist, Defizite bedingungslos auszugleichen.

In Frankreich spiegeln sich die wirtschaftlichen Verwerfungen in einer alarmierenden Staatsverschuldung wider. Das Finanzministerium in Paris musste eingestehen, dass die gesetzten Wachstumsziele verfehlt werden.

Für das laufende Jahr wird eine Schuldenquote von über 119 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet – der höchste Wert seit dem Jahr 1978. Ein dringend benötigtes Reformpaket im Umfang von 54 Milliarden Euro für das Jahr 2027 steht auf der Kippe.

Sowohl das linke Lager als auch die politische Rechte knüpfen ihre Zustimmung an harte Bedingungen. Zusammen mit den akuten Engpässen bei der Kraftstoffversorgung droht in Frankreich ein spürbarer Rückgang der gesamten Wirtschaftsleistung.

Auch in Deutschland könnte sich die Lage eintrüben. Die Experten der Bundesbank rechnen mit einer weiteren Abkühlung der Wachstumskräfte von zuvor 0,3 Prozent auf lediglich 0,1 Prozent im Quartalsvergleich.

Dass in Deutschland ein Wachstum erzielt wird, ist vor allem staatlichen Interventionen zu verdanken, die etwa 0,5 bis 0,7 Prozent zur Wirtschaftsleistung beitragen, sowie einem positiven Kalendereffekt von 0,3 Prozent.

Obwohl Institutionen wie das Institut der deutschen Wirtschaft und der Bundesverband der Deutschen Industrie ihre Prognosen auf 1,0 bis 1,2 Prozent leicht angehoben haben, fällt Deutschland im globalen Vergleich weiter zurück.

Der Reformstau führt zu spürbaren Wohlstandsverlusten, die sich in politischer Instabilität entladen können, wie die jüngsten Wahlergebnisse in verschiedenen Bundesländern deutlich machten. Zudem drohen Besserverdienern ab dem Jahr 2027 monatliche Mehrbelastungen bei den Sozialabgaben von mindestens 102 Euro.

Zins-Dilemma an der Börse: Divergenz der Notenbanken

Ein Blick auf die internationalen Zentralbanken zeigt eine gefährliche Zweiteilung der Geldpolitik, die sich auf die Finanzmärkte auswirkt. Die Bank of England pausierte erwartungsgemäß, bietet aber bei einer Inflation von 3,1 Prozent und einem Leitzins von 3,75 Prozent immerhin einen positiven Realzins von plus 0,65 Prozent.

Die US-Notenbank hob die Zinsen zuletzt um 0,25 Prozent auf eine Zielzone von 3,75 bis 4 Prozent an, was ebenfalls einen positiven Realzins von rund plus 0,5 Prozent generiert.

Völlig anders stellt sich die Situation in der Eurozone und in Japan dar. Die Europäische Zentralbank erhöhte den Einlagenzins zwar auf 2,5 Prozent, bei einer Teuerungsrate von 3,2 Prozent resultiert daraus jedoch ein negativer Realzins von minus 0,7 Prozent.

Auch die Bank of Japan hält die Zinsen bei 1,25 Prozent, was bei 1,9 Prozent Inflation einen Kaufkraftverlust von minus 0,65 Prozent bedeutet. Wer in diesen Währungsräumen Kapital bindet, verliert de facto Geld.

Trotz dieser eklatanten Schwäche Europas und der immensen Abhängigkeit von den USA in den Bereichen IT, Energie und Militär – was sich exemplarisch an der US-Dominanz über grönländische Investitionen zeigt – preisen die Devisenmärkte dieses Risiko noch nicht vollumfänglich ein.

Gleichzeitig verharren die Renditen an den Rentenmärkten auf langjährigen Höchstniveaus, was hochverschuldete Staaten wie Italien zunehmend in fundamentale Finanzierungsnöte bringt.

Vergangene Woche: US-Einzelhandel schlägt Immobilienmarkt

Die jüngsten Wirtschaftsdaten zeichnen ein ambivalentes Bild. In den USA überraschte die Industrieproduktion mit einem soliden Plus von 1,42 Prozent im Jahresvergleich. Der Einzelhandel wuchs nominell sogar um 6,01 Prozent.

Bereinigt man diesen Wert um die Inflation, verbleibt ein beachtliches reales Wachstum von 2,6 Prozent. Einzig der Immobilienmarkt erweist sich als massive Schwachstelle: Der entsprechende Branchenindex brach auf 32 Punkte ein und nähert sich damit bedrohlich seinem Allzeittief von 30 Punkten.

In der Eurozone stagnierte die Industrieproduktion bei 0,0 Prozent, während die Erzeugerpreise in Deutschland mit einem Anstieg von 4,6 Prozent negativ überraschten. Einen kleinen Lichtblick lieferte hingegen Großbritannien mit einem starken Einzelhandelsplus von 2,4 Prozent.

Prognose für die Berichtswoche: Wichtige Termine für die Börse

In der aktuellen Kalenderwoche stehen richtungsweisende Indikatoren auf der Agenda. Den Auftakt macht das Verbrauchervertrauen der Eurozone, das mit minus 16,5 weiterhin stark durch die hohen Energiekosten belastet sein dürfte.

Spannend wird es bei den Einkaufsmanagerindizes: Für Deutschland wird ein Wert von rund 51,8 erwartet, für die Eurozone ein leichter Rückgang auf 51,5. Die USA dürften mit Werten zwischen 55 und 55,5 ihre führende Rolle in der westlichen Welt untermauern.

Besondere Aufmerksamkeit verlangen der Ifo-Geschäftsklimaindex und das deutsche Konsumklima, das weiter im negativen Bereich verharrt.

In den USA wird ein Rückgang der Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter um 9,3 Prozent erwartet. Zudem dürfte das Michigan-Verbrauchervertrauen mit mageren 47,5 Punkten die schlechte Stimmung der US-Bürger widerspiegeln, die massiv unter den hohen Kraftstoffpreisen leiden.

Der Hellmeyer der Woche: Kernaussagen auf einen Blick

  • Geopolitik: Die militärischen Eskalationen in Osteuropa und dem Nahen Osten bedrohen die globale Energieversorgung massiv.
  • Energiepreise: Rekordpreise bei Destillaten wie Diesel treiben die Inflation weltweit und gefährden die Lieferketten.
  • Europa: Rekordverschuldung in Frankreich und Reformstau in Deutschland lassen den Kontinent wirtschaftlich zurückfallen.
  • Geldpolitik: Die Eurozone und Japan bestrafen Anleger mit negativen Realzinsen, während die USA und Großbritannien Kaufkraft erhalten.
  • Rentenmärkte: Langfristige Höchstrenditen bringen hochverschuldete Staaten zunehmend in Refinanzierungsschwierigkeiten.

Fazit: Resilienz leicht rückläufig, Hoffen auf Deeskalation

Die Widerstandskraft der internationalen Finanzmärkte könnte angesichts der anhaltenden Krisen langsam bröckeln. Der permanente Druck durch restriktive Rentenmärkte und sich verschärfende geopolitische Konflikte darf von Investoren nicht länger ignoriert werden.

Ein Hoffnungsschimmer für die Börse und die Realwirtschaft ruht nun auf dem anstehenden Treffen in den USA. Sollte der Dialog in Washington konkrete Schritte zur Deeskalation hervorbringen, könnte dies die dringend benötigte Erleichterung für die globalen Märkte bedeuten.

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Clause de non-responsabilité:
Dieser Artikel basiert ausschließlich auf dem Transkript der Sendung Hellmeyer der Woche, Kalenderwoche 18. Die Inhalte dienen der journalistischen Information und stellen keine Anlageberatung dar.

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