Die historisch günstigen Bewertungen indonesischer Aktien bieten mutigen Investoren eine antizyklische Einstiegschance in den südostasiatischen Markt. (Bild: Magnific AI)
Der indonesische Aktienmarkt gehört zu den größten Verlierern der vergangenen Jahre. Während Anleger amerikanische Tech-Aktien feierten, wurden die Aktien des rohstoffreichen Inselstaates regelrecht aus den Depots geworfen. Jetzt sind die Bewertungen so günstig wie selten zuvor. Ist Indonesien damit die spannendste Turnaround-Wette unter den Schwellenländern?
Wer in den vergangenen Jahren ausschließlich auf die großen Gewinner der Börse gesetzt hat, kam an den USA kaum vorbei. Nvidia, Microsoft oder Meta sorgten für immer neue Rekorde. Ganz anders Indonesien: Der Aktienmarkt des viertbevölkerungsreichsten Landes der Welt entwickelte sich zum ungeliebten Stiefkind der Schwellenländer.
Der Leitindex IDX Composite verlor allein in diesem Jahr zeitweise mehr als 30 Prozent. Auf Sicht von drei Jahren summieren sich die Verluste auf nahezu 50 Prozent. Internationale Investoren zogen Milliarden ab, ETFs reduzierten ihre Bestände und der Markt verschwand zunehmend vom Radar globaler Anleger. Genau dort entstehen jedoch häufig die interessantesten Chancen.
Wenn niemand mehr hinschaut
An den Börsen gilt eine einfache Regel: Die besten Gelegenheiten entstehen selten dort, wo alle investieren wollen, sondern dort, wo die Mehrheit längst aufgegeben hat.
Indonesien erfüllt derzeit viele Kriterien einer klassischen antizyklischen Anlageidee. Die Bewertungen sind eingebrochen, die Stimmung ist miserabel und ausländische Investoren ziehen sich zurück. Gleichzeitig wächst die Wirtschaft weiterhin mit mehr als fünf Prozent pro Jahr.
Besonders bemerkenswert: Der Markt wird mittlerweile mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 10 gehandelt. Das liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Schwellenländer und weit unter den Bewertungen amerikanischer Aktien. Anleger erhalten also ein Land mit robustem Wirtschaftswachstum zum Preis eines Krisenmarktes.
Die unterschätzte Wachstumsmaschine Asiens
Mit rund 285 Millionen Einwohnern ist Indonesien das bevölkerungsreichste Land Südostasiens. Das Durchschnittsalter liegt bei knapp 30 Jahren. Jedes Jahr drängen Millionen Menschen neu in die konsumierende Mittelschicht.
Während Europa altert und China mit demografischen Problemen kämpft, profitiert Indonesien von einem seltenen Wachstumsmotor: einer jungen Bevölkerung mit steigenden Einkommen.
Der private Konsum macht mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus. Hinzu kommen massive Infrastrukturprogramme sowie steigende Investitionen internationaler Unternehmen.
Viele Analysten sehen Indonesien deshalb als einen der langfristigen Gewinner der wirtschaftlichen Verlagerung nach Südostasien.
Nickel: Der Rohstoff, ohne den die Energiewende nicht funktioniert
Der vielleicht größte strategische Vorteil Indonesiens liegt jedoch unter der Erde.
Das Land verfügt über die weltweit größten Nickelreserven und ist mittlerweile der mit Abstand wichtigste Produzent des Metalls. Nickel ist ein zentraler Bestandteil moderner Batterien für Elektrofahrzeuge.
Präsident Prabowo Subianto setzt den Kurs seines Vorgängers Joko Widodo fort und verfolgt das Ziel, Indonesien von einem reinen Rohstoffexporteur zu einem wichtigen Standort der globalen Batterieindustrie zu entwickeln.
Bereits heute investieren chinesische, koreanische und westliche Konzerne Milliarden in die Weiterverarbeitung von Nickel vor Ort.
Die Idee dahinter: Nicht mehr nur Rohstoffe exportieren, sondern die gesamte Wertschöpfungskette ins Land holen.
Warum die Kurse trotzdem fallen
Wenn die Geschichte so überzeugend klingt, stellt sich die Frage: Warum verkaufen Anleger überhaupt? Die Antwort liegt in einer Kombination aus mehreren Belastungsfaktoren.
Der starke US-Dollar und hohe amerikanische Zinsen führten dazu, dass Kapital aus Schwellenländern abgezogen wurde. Gleichzeitig litt Indonesien unter der wirtschaftlichen Schwäche Chinas, einem wichtigen Handelspartner.
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Hinzu kommt ein weiteres Problem: Indonesien importiert mehr Öl als es exportiert. Steigende Energiepreise belasten daher sowohl die Inflation als auch den Staatshaushalt. Besonders schwer wiegen zudem regulatorische Unsicherheiten.
Der MSCI-Schock
Für internationale Anleger wurde Indonesien zuletzt vor allem wegen der Diskussion um den MSCI Emerging Markets Index zum Problemfall.
Der Indexanbieter MSCI äußerte Bedenken hinsichtlich der Transparenz einiger Aktionärsstrukturen und des tatsächlich frei handelbaren Streubesitzes einzelner Unternehmen. Als Folge verhängte MSCI einen sogenannten „Freeze“ für bestimmte indonesische Aktien. Das klingt technisch, kann aber erhebliche Folgen haben.
Indonesien besitzt derzeit rund ein Prozent Gewicht im MSCI Emerging Markets Index. Sollte MSCI die Gewichtung reduzieren oder das Land im Extremfall Richtung Frontier Markets verschieben, müssten zahlreiche ETFs und institutionelle Investoren Bestände verkaufen.
Solche erzwungenen Verkäufe können in einem vergleichsweise kleinen Markt erheblichen Preisdruck erzeugen.
Die Fundamentaldaten eines Landes ändern sich dadurch zwar nicht. Die Kapitalströme jedoch sehr wohl.
Genau deshalb könnte jetzt die Chance entstehen
Paradoxerweise könnte gerade dieser technische Verkaufsdruck die Grundlage für eine spätere Erholung schaffen.
Denn viele der aktuellen Probleme sind zyklischer Natur. Sinkende US-Zinsen würden Kapital wieder in Schwellenländer lenken. Eine Entspannung am Ölmarkt würde Indonesien als Nettoimporteur helfen. Und eine Stabilisierung Chinas könnte den Exportsektor stützen.
Gleichzeitig sind die Bewertungen bereits auf einem Niveau angekommen, das viele Risiken eingepreist hat. Wer antizyklisch investieren möchte, findet genau solche Situationen nur selten.
Der einfachste Weg: ETFs auf Indonesien
Für Anleger, die gezielt auf Indonesien setzen möchten, existieren nur wenige Produkte.
HSBC MSCI Indonesia UCITS ETF (ISIN: IE00B46G8275)
Le HSBC MSCI Indonesia ETF ist der größte und bekannteste Indonesien-ETF in Europa. Er bildet den MSCI Indonesia physisch nach und investiert in die größten börsennotierten Unternehmen des Landes. Der Fonds wurde bereits 2011 aufgelegt und verfügt über ein Volumen von rund 160 Millionen Euro. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,50 Prozent jährlich. Besonders attraktiv erscheint die Dividendenrendite von über fünf Prozent.
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Xtrackers MSCI Indonesia Swap UCITS ETF (ISIN: LU0476289623)
Le Xtrackers MSCI Indonesia Swap ETF verfolgt denselben Index, nutzt jedoch eine synthetische Replikation mittels Swap-Konstruktion. Die Kosten liegen bei 0,65 Prozent pro Jahr. Für Anleger spielt die Replikationsmethode langfristig meist eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist vielmehr, dass auch dieser ETF den indonesischen Markt sehr konzentriert abbildet.
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Amundi MSCI Indonesia UCITS ETF (ISIN: LU1900065811)
Le Amundi MSCI Indonesia ETF ist mit einer Gesamtkostenquote von lediglich 0,45 Prozent die günstigste Lösung. Zudem wird das Produkt in Euro gehandelt. Anleger vermeiden damit zusätzliche Fremdwährungsgebühren, die manche Fondsbanken bei Dollar-Transaktionen erheben.
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Das Problem aller Indonesien-ETFs
Wer einen Indonesien-ETF kauft, sollte wissen: Diversifikation sieht anders aus. Der MSCI Indonesia umfasst lediglich 17 Unternehmen. Die zehn größten Titel machen rund 90 Prozent des Index aus. Noch auffälliger ist die Branchenstruktur. Mehr als 60 Prozent entfallen auf Banken und Finanzdienstleister. Die größten Positionen sind:
- Bank Central Asia
- Bank Rakyat Indonesia
- Bank Mandiri
- Telkom Indonesia
- Astra International
Anleger kaufen daher nicht nur Indonesien, sondern vor allem den indonesischen Finanzsektor.
Die aktive Alternative: Fidelity Indonesia Fund (ISIN: LU0055114457)
Wer genau dieses Klumpenrisiko reduzieren möchte, findet praktisch nur eine ernstzunehmende aktive Alternative. Der Fidelity Indonesia Fund zählt zu den ältesten Indonesien-Fonds überhaupt und wurde bereits 1994 aufgelegt.
Fondsmanager Ajinkya Dhavale verfolgt einen klassischen Bottom-up-Ansatz. Er versucht nicht, Indonesien als Ganzes abzubilden, sondern gezielt die attraktivsten Unternehmen des Landes auszuwählen. Der Fonds investiert in rund 40 Unternehmen und ist deutlich breiter diversifiziert als der MSCI Indonesia. Bemerkenswert ist vor allem die historische Entwicklung gegenüber dem Index.
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Während der MSCI Indonesia in den vergangenen 3 Jahren fast 50 Prozent verlor, lag das Minus des Fidelity-Fonds bei rund 33 Prozent. Auch im vergangenen Jahr fiel der Rückgang mit etwa 15 Prozent deutlich geringer aus als beim Markt. Gerade in einem wenig analysierten Markt wie Indonesien kann aktives Management einen Vorteil besitzen, weil Informationsineffizienzen stärker ausgeprägt sind als in den USA oder Europa.
Wer Indonesien spielen will, muss Indonesien nicht kaufen
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Indonesien über ASEAN-Fonds abzudecken. Produkte wie der JPMorgan ASEAN Equity Fund (ISIN: LU0441852612) oder der Barings ASEAN Frontiers Fund (ISIN: IE0004868828) investieren in die wirtschaftlich stärksten Länder Südostasiens. Indonesische Aktien machen dort typischerweise zwischen 15 und 20 Prozent des Portfolios aus.
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Der Vorteil: Anleger erhalten zusätzlich Zugang zu Singapur, Malaysia, Thailand und den Philippinen und reduzieren das Länder-Risiko erheblich.
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Die langfristigen Ergebnisse sprechen bislang klar für diesen Ansatz. Beide Fonds konnten über 5, 10 und 15 Jahre deutlich bessere Renditen erzielen als reine Indonesien-Produkte.
Fazit: Die Börse liebt heute Amerika – morgen vielleicht Indonesien
Indonesien ist derzeit alles andere als ein Konsens-Investment. Der Markt leidet unter Kapitalabflüssen, regulatorischen Unsicherheiten und einer miserablen Stimmung. Doch genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick.
Eine junge Bevölkerung, ein Wirtschaftswachstum von über 5 Prozent, strategisch wichtige Nickelvorkommen und Bewertungen auf Krisenniveau bilden eine seltene Kombination. Natürlich bleiben die Risiken hoch. Währungsverluste, politische Eingriffe oder weitere ETF-Abflüsse können den Markt kurzfristig weiter belasten.
Für antizyklische Anleger gilt jedoch: Die größten Chancen entstehen selten auf Rekordständen. Sie entstehen dort, wo kaum noch jemand investieren will. Und genau dort befindet sich Indonesien derzeit.
Clause de non-responsabilité:
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