Eurozone im Kreuzfeuer – Energie, Zinsen, Investitionen! Der Hellmeyer der Woche KW41

 

Seit Mitte September verliert der Euro im Verhältnis zum Dollar an Stärke, die wirtschaftliche Schwäche der Eurozone wird an den Märkten eingepreist. Parallel dazu bewegen sich die Renditen der Staatsanleihen etwa von Frankreich auf langjährigen Höchstständen, Europa steht unter Druck. Auch negative Realzinsen nach dem Inflationsanstieg belasten den Euroraum. In der laufenden Woche richten sich die Blicke der Märkte und Anleger unter anderem auf Industriezahlen aus Deutschland, Einzelhandelsdaten aus dem Euroraum und die Handelsbilanz der USA.

Geopolitik und Makroökonomie: Keine nachhaltige Entspannung

Sowohl in der Ukraine-Krise als auch bei den Konflikten im Nahen Osten zeichnet sich derzeit keine diplomatische Lösung ab. Die jüngsten politischen Initiativen und finanziellen Zusagen aus Europa tragen faktisch eher zu einer Verlängerung der Auseinandersetzungen bei, anstatt tragfähige Friedensperspektiven zu schaffen.

Auch im Zuge der Gespräche der US-Regierung mit Anrainerstaaten des Iran-Kriegs ist eine Eskalation nicht vom Tisch. Für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte bedeutet dieser kritische Status quo anhaltend negative Vorzeichen und eine anhaltend hohe Unsicherheit.

Wirtschaftslage in Europa: Die Schlinge zieht sich weiter zu

Die ökonomischen Probleme der Eurozone nehmen latent weiter zu. Mangelnde Reformfähigkeit, hohe Energiepreise und tiefgreifende strukturelle Defizite führen zu einer verhängnisvollen Dysfunktionalität innerhalb der Europäischen Union und der Währungsunion.

Diese Schwächen spiegeln sich zunehmend am Devisenmarkt wider. Der Euro ist auf Tiefstände seit Frühjahr 2025 gefallen. Angesichts einer Verbraucherpreisinflation von 3,8 Prozent und eines Anlagezinses von 2,5 Prozent ergibt sich für Sparer in der Eurozone ein negativer Realzins von minus 1,3 Prozent. Das entspricht einer schleichenden Entwertung des Vermögens.

Standortvergleich mit den USA: Dramatischer Rückstand Europas

Im Gegensatz zur Eurozone bieten die USA Investoren eine deutlich attraktivere Zins- und Wachstumsumgebung. Bei einer US-Teuerung von 3,4 Prozent und einem mittleren Leitzins von etwa 3,875 Prozent liegt der US-Realzins bei plus 0,47 Prozent. Dieser Zinsvorteil von knapp 1,8 Prozent zugunsten des US-Dollars führt zu entsprechenden Kapitalabflüssen aus dem Euroraum.

Zudem zeigte die finale Berechnung des US-Bruttoinlandsprodukts für das 2. Quartal mit aufs Jahr hochgerechneten 2,2 Prozent ein stärkeres Wachstum als prognostiziert. Die USA behaupten damit unangefochten die Spitzenposition unter den westlichen Wirtschaftsnationen.

Unterstützt wird die US-Wirtschaft durch massive Rahmenbedingungen für Investitionen. Ex-Präsident Donald Trump konnte ein historisches Investitionsvolumen von etwa 5.000 Milliarden US-Dollar akquirieren, wodurch der Standort Europa im relativen Vergleich dramatisch zurückfällt.

Besonders drastisch zeigt sich die Diskrepanz auf den Energiemärkten. Im 3. Quartal stiegen die europäischen Gaspreise am niederländischen Handelsplatz TTF um mehr als 66 Prozent. In den USA fielen die Gaspreise im selben Zeitraum hingegen um 7,6 Prozent, womit Europa energetisch kaum konkurrenzfähig bleibt.

Börse und Finanzmärkte: Systemkritische Signale am Rentenmarkt

Die Verwerfungen betreffen auch die europäischen Rentenmärkte. Die Lage spitzt sich dort in einer Weise zu, die für die Währungsunion als systemkritisch eingestuft werden muss, da Europa keinen homogenen politischen Raum darstellt.

Besonders besorgniserregend ist die Situation in Frankreich. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen kletterte auf 4,88 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit den Jahren 2007/2008 – allerdings bei heute erheblich höherer Staatsverschuldung und einer politisch gelähmten Minderheitsregierung.

Gleichzeitig leidet Deutschland als größte Volkswirtschaft des Währungsraums unter der schwersten ökonomischen Strukturkrise seit Jahrzehnten. Damit offenbart die Eurozone schwerwiegende Stabilitätsrisiken, die im Euro-Dollar-Wechselkurs noch nicht im erforderlichen Maße diskontiert sind.

Rückblick: Konjunkturdaten aus den USA, Europa und China in der Analyse

Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht fiel mit plus 29.000 neu geschaffenen Stellen zwar positiv, aber deutlich schwächer als prognostiziert aus. Zudem wurde der Vormonatswert von 162.000 auf 133.000 Jobs nach unten revidiert.

Die Stimmungsindikatoren im verarbeitenden Gewerbe der USA bleiben trotz leichter Rückgänge robust. Der Einkaufsmanagerindex von S&P lag bei 55,9 Punkten, während der ISM-Index für das produzierende Gewerbe mit 54,5 Punkten weiterhin klares Wachstum signalisiert.

In der Eurozone verharrte die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent, während der S&P-Einkaufsmanagerindex auf 52,9 Punkte stieg. Dieser Anstieg beruht jedoch vor allem auf Impulsen bei künstlicher Intelligenz und Robotik und weniger auf Binnenstärke. Der Economic Sentiment Index sank hingegen von 98,4 auf 97,9 Punkte.

In Deutschland stieg der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe zwar leicht auf 53,9 Punkte, steht jedoch im Widerspruch zur schwachen Industrieproduktion, die im Jahresvergleich um 1,63 Prozent schrumpfte. Die Verbraucherpreise stiegen laut Erstschätzung auf 3,3 Prozent nach zuvor 2,9 Prozent.

Einen Lichtblick lieferte China. Der Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft erholte sich auf 50,7 Punkte. Zudem senkte die chinesische Regierung gezielt die Zinsen für den Immobiliensektor, wofür angesichts eines positiven Realzinses von rund 2,0 Prozent ausreichend Spielraum vorhanden ist. Global markierte der verarbeitende Einkaufsmanagerindex von JP Morgan mit 53,0 Punkten einen neuen Rekordwert.

Prognose: Ausblick auf die Berichtswoche

Für den morgigen Dienstag stehen die deutschen Auftragseingänge der Industrie im Fokus. Nach den zuletzt sehr starken Zuwächsen im Jahresvergleich wird für den Berichtsmonat August ein rückläufiger Monatswert erwartet, wobei positive Überraschungen durch den Elektroniksektor möglich bleiben.

Zudem werden am Dienstag die Einzelhandelsumsätze für die Eurozone erwartet. Analysten rechnen im Monatsvergleich mit einem Zuwachs von 0,2 Prozent nach zuvor minus 0,6 Prozent. Aus den USA wird zeitgleich ein hohes Handelsbilanzdefizit von voraussichtlich 102 Milliarden US-Dollar gemeldet.

Am Mittwoch richtet sich das Interesse auf die deutsche Industrieproduktion im August. Nach dem enttäuschenden Vormonatsrückgang von 1,1 Prozent wird nun ein Plus von 0,5 Prozent prognostiziert, was durch hohe Auftragsbestände gestützt werden könnte.

Zum Wochenabschluss am Freitag veröffentlich die Universität Michigan den vorläufigen Index zum US-Verbrauchervertrauen. Erwartet wird ein verhaltener Wert von 47,8 Punkten, belastet durch hohe Dieselpreise und das anhaltend hohe Zinsniveau im Bausektor.

Der Hellmeyer der Woche: Kernaussagen auf einen Blick

  • Geopolitische Lage: Unveränderte Eskalationsgefahr in der Ukraine und im Nahen Osten belastet die globale Wirtschaft nachhaltig.
  • Währungs- und Realzinsgefälle: Negativer Realzins von minus 1,3 Prozent vernichtet Kaufkraft im Euroraum, während der US-Dollar von plus 0,47 Prozent profitiert.
  • Standortnachteil Energie: Starke Erhöhung der Gaspreise in Europa um über 66 Prozent im 3. Quartal verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA.
  • Rentenmarkt unter Druck: Französische Staatsanleihen auf Rekordniveau bei 4,88 Prozent signalisieren zunehmende Systemrisiken in der Währungsunion.
  • Resilienz in Asien: China nutzt seinen hohen positiven Realzins für gezielte Zinssenkungen und zeigt eine spürbare Konjunkturerholung.

Fazit: Relevanz für Anleger an den Börsen

Die makroökonomischen und geopolitischen Rahmenbedingungen für europäische Anleger verschlechtern sich zusehends. Zwar zeigen sich die internationalen Aktienmärkte weiterhin bemerkenswert widerstandsfähig, doch das Fundament wird dünner.

Ohne umfassende Reformen in der europäischen Wirtschaftspolitik und eine Befriedung der globalen Brennpunkte bleibt die Ausrichtung für den Euroraum zurückhaltend. Investoren sollten den Fokus auf sichere Regionen und widerstandsfähige Branchen legen.

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Clause de non-responsabilité:
Dieser Artikel basiert ausschließlich auf dem Transkript der Sendung Hellmeyer der Woche, Kalenderwoche 18. Die Inhalte dienen der journalistischen Information und stellen keine Anlageberatung dar.

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