Wie stark werden Ölengpässe die Verbraucherpreise hochtreiben? (Foto: Freepik, muhamadrifqiaziz054)
Frankfurt am Main – Preisspirale durch den Irankrieg: Im Euroraum steigen die Sorgen vor einem Inflationsschock wie 2022 nach dem russischen Überfall. Damals reagierte die Europäische Zentralbank zu zögerlich. Heute haben die Notenbanker die Zinsen abermals nicht angetastet. Es ist die sechste Zinspause in Folge.
Die Rhetorik hat sich aber verändert. „Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge“, schreibt der EZB-Rat in seinem Statement zur Zinsentscheidung. „Die in nächster Zeit eingehenden Daten werden den EZB-Rat dabei unterstützen, die Auswirkungen des Krieges auf die Inflationsaussichten und die damit verbundenen Risiken zu beurteilen.“
Die EZB hat auch ihre Wirtschaftsaussichten aktualisiert. Für 2026 prognostiziert die Notenbank eine Inflation von 2,6 Prozent – bei der letzten Projektion im Dezember waren es noch 1,9 Prozent. Den Ausblick auf das Wirtschaftswachstum 2026 hat die EZB auf 0,9 Prozent abgesenkt, nach zuvor 1,2 Prozent.
Prognose: Zinserhöhung bis Juli – Lage in den USA
1 bis 2 Zinserhöhungen bis Ende 2026 haben die Terminmärkte eingepreist, wobei der erste Schritt bis Ende Juli erwartet wird. Auch die Anleiherenditen zeigen, dass die Märkte steigende Zinsen antizipieren. Sie sind bei 2-jährigen Bundesanleihen um 40 Basispunkte gestiegen.
Etwas anders ist die Lage in den USA: Nach der gestrigen Zinspause scheint weiterhin eine Zinssenkung 2026 möglich. Die US-Notenbank hat den Auftrag, neben der Inflation auch die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten – während die EZB primär auf die Preise schaut. Gehen Fed und EZB bald entgegengesetzte Wege?
Kerninflation im Februar gestiegen – Konjunktur wird ausgebremst
Seit Juni 2025 kam es zu keiner Zinsanpassung im Euroraum mehr. Zuvor hatten die Eurobanker 8-mal die Zinsen herabgesetzt. Seitdem steht der für Sparer wichtige Einlagenzinssatz bei 2 Prozent, der Hauptrefinanzierungszinssatz beträgt 2,15 und der Spitzenrefinanzierungssatz 2,4 Prozent.
Le Euro-Inflation war bis zur Attacke von Israel und den USA auf Iran unauffällig: Um 1,9 Prozent aufs Jahr gerechnet stiegen die Preise im Februar. Die Kernrate ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel ließ allerdings aufmerken, sie kletterte um 0,2 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent nach oben.
Europa droht nun durch gestiegene Energiepreise nicht nur eine höhere Inflation, sondern auch Abstriche beim BIP. Die Analysten der Deutschen Bank haben bereits reagiert und für 2026 ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft von 1,5 auf 1 Prozent herabgesetzt.
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EZB-Rhetorik im Fokus – Nagel: werden entschlossen handeln
„Die Diskussion über weitere Zinssenkungen ist weitgehend beendet“, sagte ING-Chefökonom Carsten Brzeski im Vorfeld der heutigen Sitzung. EZB-Granden hatten schon Handlungsbereitschaft signalisiert. Sollten die steigenden Energiepreise zu breiter Inflation führen, “wird der EZB-Rat rechtzeitig und entschlossen handeln“, sagte etwa EZB-Ratsmitglied und Bundesbankchef Joachim Nagel, der für eine restriktive Auffassung bekannt ist.
Aktualisiert nach Bekanntgabe der Zinsentscheidung am 19. März 2026 um 14.35 Uhr (MEZ).
La contribution EZB Leitzins heute: Zinsentscheid für die Eurozone nach Ölschock – Prognose 2026 est apparu en premier ftd.de.