Griechischer Aktienmarkt im Fokus – welchen Trumpf hat der Fonds? (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)
Griechenland erlebt sein Börsen-Comeback. Der ehemalige Krisenstaat wächst schneller als die Eurozone, die Schuldenquote sinkt und die Indexanbieter öffnen die Tür zur Industrieliga. Zum 21. September 2026 ziehen neun griechische Unternehmen in den STOXX Europe 600 ein, im Mai 2027 soll der Aufstieg vom Schwellen- zum Industriemarkt bei MSCI folgen. Anleger können das Comeback auf 2 sehr unterschiedliche Arten spielen: mit einem günstigen ETF – oder mit einem aktiven Fonds, der sich seine Griechen selbst aussucht.
Griechenland ist zurück
Noch vor gut einem Jahrzehnt stand Griechenland für Eurokrise, Staatspleite und Rettungspakete. Heute ist von diesem Image wenig übrig. Die Wirtschaft wuchs 2025 um 2,1 Prozent und damit schneller als die Eurozone. Gleichzeitig sank die Schuldenquote von rund 209 Prozent des BIP im Jahr 2020 auf etwa 146 Prozent im Jahr 2025.
Dazu kommen rund 36 Milliarden Euro aus dem europäischen Wiederaufbaufonds. Das Geld fließt unter anderem in Infrastruktur, Energie, Digitalisierung und Bau. Tourismus und Investitionen geben der Wirtschaft zusätzlichen Schub.
Die Börse hat den Turnaround längst vorweggenommen. Griechische Aktien sind kräftig gestiegen. Das Land ist deshalb kein Geheimtipp mehr – aber vielleicht noch immer eine interessante Wette auf Europas nächsten Aufsteiger.
Jetzt kommt der Ritterschlag
Der nächste Schub könnte von den Indexanbietern kommen. STOXX stuft Griechenland zum 21. September 2026 als Developed Market ein. Gleichzeitig schaffen neun Unternehmen den Sprung in den STOXX Europe 600: National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus Bank, Alpha Bank, Public Power Corporation, Metlen Energy & Metals, GEK Terna, Motor Oil Hellas und Jumbo.
MSCI folgt im Mai 2027. Dann soll Griechenland in einem Schritt vom Emerging zum Developed Market hochgestuft werden. Für institutionelle Anleger ist das mehr als ein neues Etikett: Wo sich die Indexzugehörigkeit ändert, müssen sich auch viele Portfolios neu sortieren. Doch die Indexfantasie hat einen Haken.
Börse mit eingebautem Klumpenrisiko
Der MSCI Greece besteht gerade einmal aus neun Titeln. Rund 71 Prozent des Index entfallen auf vier Banken: National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus Bank und Alpha Bank. Wer den Markt über einen ETF kauft, bekommt deshalb zwar Griechenland pur – aber auch eine ziemlich große Portion Banken. Das muss kein Nachteil sein. Gerade die Banken profitieren von der wirtschaftlichen Gesundung und der Normalisierung des griechischen Finanzsystems. Aber es ist eine Wette. Wer Griechenland kauft, setzt in hohem Maß darauf, dass die Erholung weitergeht. Und genau an diesem Punkt beginnt das Duell.
2 Wege nach Hellas
Le Amundi MSCI Greece UCITS ETF (ISIN: FR0010405431) kauft den Markt. Der HELLAS Opportunities Fund P (ISIN: LU0920841326) versucht dagegen, die interessanteren Unternehmen herauszufiltern. Die Frage lautet also nicht nur: ETF oder aktiver Fonds? Sondern: Ist der griechische Markt inzwischen gut genug, dass ein Manager aus dem kleinen Aktienuniversum einen Mehrwert herausholen kann?
Kandidat 1: Amundi MSCI Greece – einfach alles kaufen
Der Amundi ETF ist die geradlinige Lösung. Er bildet den griechischen Aktienmarkt passiv ab und ermöglicht Anlegern, mit einem einzigen Wertpapier in die wichtigsten Unternehmen des Landes zu investieren.
Die Vorteile liegen auf der Hand: transparent, liquide und vergleichsweise günstig. Die laufenden Kosten liegen bei rund 0,55 Prozent. Seit Mai 2026 setzt Amundi zudem auf direkte statt synthetische Replikation. Das Fondsvolumen liegt inzwischen bei rund 470 Millionen Euro.
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Der ETF nimmt dem Anleger aber auch jede Entscheidung ab. Steigt eine Bank im Index stark auf, wird sie automatisch wichtiger. Läuft ein anderer Titel schlecht, bleibt er trotzdem im Portfolio. Das ist die Stärke eines Indexfonds – und gleichzeitig seine Schwäche. Wer glaubt, dass Griechenland als Ganzes weiter aufholt, braucht keinen Fondsmanager.
Kandidat 2: HELLAS Opportunities – die bessere Griechenland-Wette?
Der HELLAS Opportunities Fund P geht einen anderen Weg. Er wird von Alpha Trust Mutual Fund Management in Athen gemanagt und setzt auf fundamentales Stockpicking. Verantwortlich ist Nota Zagari, die den griechischen Aktienmarkt seit Jahrzehnten kennt. Und der Fonds ist nicht auf das enge Korsett des griechischen Index beschränkt.
Zum 31. Juli 2026 entfielen 68,6 Prozent des Portfolios auf Griechenland. Dazu kamen 13,4 Prozent aus der Eurozone, 9,7 Prozent aus Belgien, 6,0 Prozent aus der Schweiz, 1,4 Prozent aus Großbritannien und 0,9 Prozent aus Irland.
Das klingt zunächst nach einem Nachteil für Anleger, die eine reine Griechenland-Wette suchen. Es kann aber auch ein Trumpf sein. Denn der Fondsmanager kann dort investieren, wo er die besseren Chancen sieht – und muss nicht jede Indexbewegung mitmachen.
Auch bei den Einzeltiteln gibt es Spielraum. Neben den großen griechischen Banken finden sich etwa Coca-Cola HBC, Metlen, Public Power, OTE und GEK Terna im Portfolio. Der ETF kauft Griechenland. Der HELLAS-Fonds kauft das Griechenland, das der Manager für attraktiv hält.
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Performance: Vorteil ETF
Jetzt wird es unangenehm für den aktiven Fonds. Denn auf den von dir zugrunde gelegten Vergleichszeiträumen liegt der ETF vorn – und zwar nicht nur knapp.
| Performance | Amundi MSCI Greece ETF | HELLAS Opportunities P |
|---|---|---|
| 1 Jahr | +38,88 Prozent | +38,79 Prozent |
| 3 Jahre | +145,35 Prozent | +110,15 Prozent |
| 5 Jahre | +245,19 Prozent | +182,12 Prozent |
| 10 ans | +418,54 Prozent | +393,92 Prozent |
Auf Jahressicht ist das Duell praktisch unentschieden. Über 3 und 5 Jahre wird der Abstand allerdings erheblich. Und selbst über 10 Jahre hat der aktive Fonds den ETF nicht eingeholt. Das ist der stärkste Punkt gegen den HELLAS-Fonds. Denn aktives Management kostet Geld. Wenn ein Fonds deutlich teurer ist, muss der Manager nicht nur gute Aktien finden – er muss bessere Aktien finden als der Markt. Genau das ist ihm über längere Zeiträume bislang nicht gelungen.
Aber dann kommt der zweite Blick
Und hier wird das Duell interessanter. Denn der HELLAS-Fonds hat für seinen Rückstand nicht einfach ein deutlich höheres Risiko eingekauft. Die Volatilität liegt erstaunlich nah am ETF.
| Risikokennzahl | Amundi MSCI Greece ETF | HELLAS Opportunities P |
|---|---|---|
| Volatilität 1 Jahr | 18,83 Prozent | 18,81 Prozent |
| Volatilität 3 Jahre | 16,17 Prozent | 16,14 Prozent |
| Volatilität 5 Jahre | 18,43 Prozent | 17,55 Prozent |
| Volatilität 10 Jahre | 23,29 Prozent | 20,90 Prozent |
| Sharpe Ratio 1 Jahr | 1,88 | 1,77 |
| Sharpe Ratio 3 Jahre | 1,84 | 1,40 |
| Sharpe Ratio 5 Jahre | 1,36 | 1,15 |
| Sharpe Ratio 10 Jahre | 0,72 | 0,79 |
Auf Sicht von 1, 3 und 5 Jahren liefert der ETF die bessere risikoadjustierte Rendite. Erst über zehn Jahre liegt die Sharpe Ratio des HELLAS-Fonds mit 0,79 knapp vor dem ETF mit 0,72. Beim Risiko ist der aktive Fonds sogar leicht im Vorteil. Über zehn Jahre beträgt die Volatilität 20,90 Prozent gegenüber 23,29 Prozent beim ETF. Das ist wichtig: Der aktive Fonds hat den ETF zwar renditeseitig nicht geschlagen. Er hat aber auch nicht einfach nur für mehr Risiko weniger Rendite geliefert.
Der eigentliche Trumpf des aktiven Fonds
Noch interessanter wird es, wenn man auf die Zukunft schaut. Der ETF ist an seinen Index gebunden. Und der ist extrem konzentriert. Vier Banken dominieren den Markt. Wenn die nächste Phase der griechischen Börsengeschichte nicht mehr von der großen Aufholbewegung des gesamten Marktes, sondern von einer stärkeren Spreizung zwischen Gewinnern und Verlierern geprägt wird, könnte Stockpicking wieder wertvoller werden.
Der HELLAS-Fonds kann eine Bank untergewichten, wenn sie dem Management zu teuer erscheint. Er kann auf Unternehmen setzen, die im Index weniger Gewicht haben. Und er kann über andere europäische Märkte ausweichen, wenn sich dort attraktivere Chancen ergeben. Das ist gerade nach einem starken Börsenanstieg nicht unwichtig.
Der ETF ist die bessere Wette auf Griechenland. Der HELLAS-Fonds ist die Wette darauf, dass sich innerhalb Griechenlands die Spreu vom Weizen trennt.
Kosten: Klarer Punkt für den ETF
Beim Preis ist die Sache dagegen eindeutig. Der Amundi ETF kostet rund 0,55 Prozent. Beim HELLAS Opportunities Fund P sind es 2,25 Prozent laufende Kosten. Das ist ein erheblicher Unterschied. Der aktive Fonds muss also jedes Jahr eine beträchtliche Hürde überwinden, bevor er für den Anleger einen Mehrwert schafft. Andererseits sollte man die Kosten nicht isoliert betrachten. Wer einen Fonds kauft, der Risiken besser steuert, geografisch flexibel agiert oder die richtigen Einzeltitel stärker gewichtet, kann die höhere Gebühr rechtfertigen.
Bislang lautet die Bilanz allerdings: Der ETF hat die niedrigeren Kosten – und trotzdem die höhere Rendite erzielt.
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ETF oder Fonds?
Damit wird aus dem Duell kein eindeutiger K.-o.-Sieg. Der Amundi ETF ist die überzeugendere Wahl für Anleger, die möglichst günstig und transparent auf die gesamte griechische Erholung setzen wollen. Er profitiert automatisch davon, wenn die großen Banken und die übrigen Indexschwergewichte weiter steigen. Der HELLAS Opportunities Fund ist dagegen die interessantere Variante für Anleger, die dem engen griechischen Index nicht blind folgen wollen. Die geografische Flexibilität, aktives Stockpicking und die Möglichkeit, Positionen anders zu gewichten, sind echte Vorteile – gerade wenn der Markt nach der großen Aufholjagd schwieriger wird. Sein Problem ist die Messlatte: Der ETF hat sie in den vergangenen Jahren ziemlich hoch gelegt.
Das Urteil
- Performance: Amundi ETF
- Kosten: Amundi ETF
- Sharpe Ratio 1 bis 5 Jahre: Amundi ETF
- Risikosteuerung: HELLAS Opportunities
- Flexibilität: HELLAS Opportunities
- Reine Griechenland-Wette: Amundi ETF
- Stockpicking: HELLAS Opportunities
Der ETF gewinnt damit die vergangene Runde. Aber das muss nicht automatisch die nächste sein. Wer heute Griechenland kaufen möchte und vor allem an den weiteren Aufstieg des Landes glaubt, fährt mit dem Amundi ETF einfacher und günstiger. Wer dagegen davon ausgeht, dass nach dem großen Comeback nicht mehr der ganze Markt steigt, sondern die Auswahl der richtigen Unternehmen entscheidend wird, kann mit dem HELLAS Opportunities Fund bewusst auf den aktiven Hebel setzen. Der ETF ist der Favorit. Der HELLAS-Fonds ist der Herausforderer. Und genau deshalb bleibt das Duell interessant.
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