Lagercrantz Group Aktie: 120 Jahre Industriegeschichte mit Wachstumstempo

Eine Hand pickt Perlen mit einer Pinzette auf (Foto: Magnific.com, elements) Lagercrantz Group Aktie: 120 Jahre Industriegeschichte mit Wachstumstempo

Die Lagercrantz Group als Serial Acquirer hat ein Händchen für Unternehmensperlen. (Foto: Magnific.com, elements)

Die Lagercrantz Group AB zählt zu den bedeutendsten „Serial Acquirern“ (Serieneinkäufern) und Kapitalverzinsungsmaschinen am skandinavischen Aktienmarkt. Lagercrantz entstand aus einer Abspaltung des im Jahr 1906 gegründeten Handelskonzerns Bergman & Beving. Seit der Ausgliederung im Jahr 2001 hat sich Lagercrantz als ein Serial Acquirer von Nischen-Technologieunternehmen positioniert, der durch disziplinierten Kapitaleinsatz Anlegern über 25 Jahre hinweg eine jährliche Rendite von 21 Prozent beschert hat. Doch die Zukunft ist nicht die Vergangenheit. Daher stellt sich die Frage, ob Lagercrantz auch künftig für Anleger eine profitable Investition sein könnte.

Das Lagercrantz-Prinzip

Lagercrantz ist ein Serial Acquirer und kauft pro Jahr 8 bis 12 kleine bis mittelgroße Technologiefirmen, die in einer Nische agieren und meist einen Jahresumsatz von 20 bis 100 Millionen schwedischen Kronen erzielen. Entscheidend sind neben einer klaren Marktnische auch ein hoher Anteil eigener Produkte (aktuell 80 Prozent) sowie eine hohe Profitabilität bei geringer Kapitalbindung. Das Lagercrantz-Prinzip schließt daher Sanierungsfälle aus. Die gekauften Firmen agieren operativ weitgehend unabhängig, können ihre Kultur bewahren und treffen operative Entscheidungen dezentral, während Lagercrantz die rund 80 Gesellschaften über klare Zielvereinbarungen steuert.

Diese Methodik ist typisch für erfolgreiche Serial Acquirer. Konzernweit liegt das Verhältnis des Betriebsgewinns zum Betriebskapital (Profit/Working Capital) bei 60 Prozent. Somit soll jeder gebundene Euro im Umlaufvermögen 60 Cent Gewinn erwirtschaften. Ein so hoher Wert ist nur möglich, wenn die Geschäftsmodelle eine geringe Kapitalbindung aufweisen. Die geringe Kapitalbindung ermöglicht es, Gewinne rasch in freien Cashflow umzuwandeln. Ein hoher freier Cashflow gibt Spielraum für weitere Zukäufe, ohne dafür in hohem Umfang zusätzliche Schulden aufzunehmen oder neue Aktien auszugeben und damit Aktionäre zu verwässern.

5 zukunftsträchtige Divisionen

Die heute rund 80 operativen Einheiten gliedern sich in 5 Divisionen:

  • Electrify (Elektrifizierung und Infrastruktur) ist mit 25 Prozent Umsatzanteil die größte Division. Im Fokus stehen Schaltanlagen, Kabel, Netzkomponenten und Verkehrssicherheit. Das Segment generiert heute bereits 20 Prozent operative Marge und verzeichnet das stärkste organische Wachstum mit zuletzt 10 Prozent. Wichtige Zukunftstreiber sind der europäische Netzausbau und die Elektrifizierung der Industrie.
  • Control (Mess- und Steuerungstechnik) ist mit 12 Prozent Umsatzanteil die kleinste Division und erzielt auch die geringsten Margen. Control umfasst ein breites Portfolio aus Sensorik, Prozessmesstechnik und Hydraulik. Die Chancen liegen hier in der Automatisierung und der wachsenden Verteidigungsnachfrage.
  • TecSec (Sicherheits- und Schutztechnik) umfasst Zutrittskontrollen, Brandschutz, Überwachung sowie auch Medizintechnik. Zuletzt erzielte die Division durch die Übernahme des britischen Waagenherstellers Marsden mit 28 Prozent das höchste Umsatzwachstum innerhalb der Gruppe. Organisch wuchs das Segment um 9 Prozent.
  • Niche Products (B2B-Spezialprodukte) umfasst 19 Firmen und ist damit die meisten Firmen innerhalb der Gruppe. Die Division umfasst Marktführer in Spezialmärkten, wie beispielsweise die Asept Group für Flüssig-Lebensmittel-Dispensersysteme.
  • International (exportstarke Nischenfirmen) stellt die Wachstumsplattform für die Internationalisierung des gesamten Konzerns dar. Der Großteil der Umsätze kommt aus Dänemark und Deutschland.

 


Starkes Quartal mit vollen Auftragsbüchern

Im letzten Quartal konnte Lagercrantz ein Umsatzwachstum von 18 Prozent erzielen. Davon waren 6 Prozent organischer Natur. Die Kosteninflation konnte weitgehend durch Preisweitergaben abgefedert werden. Die EBITA-Marge sank nur um 40 Basispunkte auf 17,1 Prozent. Der Quartalsgewinn konnte um 20 Prozent gesteigert werden. Haupttreiber dafür war die Division Electrify, die ihre operative Marge von 18,3 auf 20,1 Prozent ausweiten konnte. Die Auftragsbücher liegen 10 Prozent über dem Umsatz und liefern damit ein starkes Signal für die nächsten 12 bis 18 Monate. Auch die 6 Zukäufe aus dem jüngsten Quartal sind vollständig abgeschlossen und wirken sich direkt auf das Ergebnis aus.

Strategische Ziele bis 2030

Das Management hält an seinem Ziel fest, die operative Marge bis Ende 2030 auf 20 Prozent zu steigern. Während sie 2022 noch bei 16,6 Prozent lag, steht Lagercrantz heute bei 18 Prozent auf TTM-Basis. Die Eigenkapitalrendite soll dauerhaft über 25 Prozent liegen. Aktuell liegt sie mit 28 Prozent darüber. Beim Gewinnwachstum lautet die Vorgabe 15 Prozent, mindestens 5 Prozent sollen organisch generiert werden.

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Fokus auf proprietäre Produkte und Nischen

Lagercrantz setzt verstärkt auf proprietäre Produkte in Nischenmärkten, die nicht auf Distribution angewiesen sind. Diese Ausrichtung geht mit steigenden Margen einher. Akquisitionen liefern zusätzliche Umsätze und Gewinne, wobei der Trend künftig zu größeren Deals in den Bereichen MedTech, Elektrifizierung, Sicherheit und Infrastruktur tendiert. Diese Endmärkte sind weniger konjunkturabhängig. Daneben schreitet auch die Internationalisierung in UK, DACH, Benelux und den USA voran und erlaubt eine bessere Skalierung ohne die zentralen Kosten zu erhöhen.

Kursabschlag auf hohem Bewertungsniveau

Lagercrantz befindet sich derzeit in einer leichten Korrekturphase. Der Kursrückgang wirkt auf den ersten Blick wie eine Kaufgelegenheit. Die historische Bewertung relativiert diesen Eindruck jedoch: Bis 2020 lag das Ratio cours-bénéfice bei rund 20, heute beträgt es bei vergleichbaren Margen etwa 30. Börsenkurse können dem fairen Wert über längere Zeit deutlich vorauslaufen oder darunter liegen.

Trotz der Erfahrung von Lagercrantz als nordischer Serieneinkäufer in attraktiven Endmärkten sind die Risiken die mit der höheren Bewertung einhergehen zu benennen. Bereits geringe Zielverfehlungen, Integrationsfehler oder eine schwache Marktstimmung können den Aktienkurs unter Druck setzen. Ob der aktuelle Preis bereits attraktiv ist, muss letztlich jeder Anleger für sich selbst beurteilen.

 

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