Märkte mit Momentum: Japan gibt Gas – 4 Wege, mit Fonds und ETFs dabei zu sein

Klar strukturiert: 4  Wege, um das japanische Markt-Momentum ins Portfolio zu holen. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

Der Nikkei 225 hat sich binnen 5 Jahren mehr als verdoppelt. Doch hinter der Rally steckt nicht nur ein schwacher Yen, sondern ein Land, das seine Unternehmen zwingt, endlich etwas mit ihren Geldbergen anzufangen. 4 Fonds und ETFs für den Einstieg in Japans Wandel.

Japan kann sich selbst widersprechen wie kaum ein anderer Markt. Die Gesellschaft altert, die Unternehmen bauen an der automatisierten Zukunft. Die Wirtschaft wächst im Schneckentempo, an der Börse werden Fantasiepreise gehandelt. Und während steigende Zinsen die Finanzierung verteuern, entdecken Anleger ausgerechnet jetzt den Wert jener Milliarden, die seit Jahrzehnten ungenutzt in japanischen Bilanzen vor sich hin schlummern.

Ein Blick in den Rückspiegel zeigt, wie weit diese Wiederentdeckung schon getragen hat: Am 15. Oktober 2021 stand der Nikkei 225 bei 29.069 Punkten. 2 Jahre später, am 16. Oktober 2023, waren es 31.659 Punkte. Am 16. Oktober 2026 schloss der Index bei 65.324 Punkten – ein Plus von 106 Prozent in 3 Jahren und rund 125 Prozent über 5 Jahre, jeweils in Yen und ohne Dividenden. Die vermeintlich eingeschlafene Tokioter Börse hat eine Strecke zurückgelegt, die viele westliche Indizes alt aussehen lässt.

Takaichi gibt Gas – und muss die Rechnung erklären

Um weitere Kursgewinne zu erzielen, müssen die Unternehmen jetzt liefern: höhere Gewinne, bessere Kapitalrenditen und Ausschüttungen, die mehr als nur ein Versprechen sind. Rückenwind kommt von der Politik. Premierministerin Sanae Takaichi will Japan mit massiven Investitionen auf Wachstum trimmen. Den politischen Spielraum dafür hat sie sich eindrucksvoll gesichert. Bei der Unterhauswahl am 8. Februar 2026 holte ihre Liberaldemokratische Partei 316 von 465 Sitzen und damit eine Zweidrittelmehrheit.

Ihre Wachstumsstrategie zielt auf öffentliche und private Investitionen in Höhe von mehr als 370 Billionen Yen bis zum Fiskaljahr 2040 ab. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Halbleitern, künstlicher Intelligenz und Quantentechnologie. Aus Sicht der Börse ist die Logik dahinter einfach: Für neue Fabriken werden Maschinen benötigt, für Rechenzentren Ausrüstung und für anspruchsvollere Chips spezialisierte Fertigungstechnik – und japanische Zulieferer können daran verdienen, ohne selbst zu den bekanntesten Namen des KI-Booms zu zählen.

Doch staatlicher Ehrgeiz schafft noch keine rentable Fabrik und neue Ausgaben müssen finanziert werden. Am 5. Oktober versprach Takaichi, die Ausgabe neuer Staatsanleihen im Griff zu behalten und trotz höherer Investitionen die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen zu wahren. Zuvor hatte eine geplante zweijährige Steuersenkung auf Lebensmittel ab April 2027 wegen offener Finanzierungsfragen bereits für Unruhe am Anleihemarkt gesorgt. Für Anleger hat diese Politik somit 2 Seiten: Einerseits kann sie Aufträge und Gewinne anschieben. Treibt sie jedoch Finanzierungskosten und Inflationserwartungen nach oben, wird ein Teil des eigenen Vorteils wieder aufgefressen.

Das Ende des billigen Geldes sortiert die Gewinner neu

Während die Regierung investieren will, zieht die Bank of Japan die Zügel an. Im September erhöhte sie ihren Leitzins auf 1,25 Prozent. Mehrere Investmentbanken erwarten den nächsten Schritt im Dezember. Bereits am 30. Oktober steht die nächste geldpolitische Entscheidung an. Das sortiert die Gewinner neu: Während Banken von höheren Zinserträgen profitieren, müssen hoch verschuldete Firmen mehr für ihre Finanzierung aufbringen. Zudem wird bei Wachstumsaktien genauer geprüft, was ferne Zukunftsgewinne heute eigentlich wert sind.

Konjunkturellen Schutz vor Enttäuschungen bietet das Land kaum. Der Internationale Währungsfonds erwartet für Japan für die Jahre 2026 und 2027 jeweils nur ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent. Hohe Energiekosten belasten die Wirtschaft zusätzlich. Japans Börsenchancen hängen deshalb weniger von der Gesamtkonjunktur als von einzelnen Unternehmen ab: Ein weltweit gefragter Halbleiterausrüster ist nicht auf einen boomenden heimischen Konsum angewiesen, eine Bank verdient unter anderen Bedingungen als ein Automatisierer und ein Industriebetrieb kann auch bei schwacher Konjunktur wertvoller werden, wenn er endlich mehr aus seinem Kapital macht.

Die eigentliche Reform steckt in den Bilanzen

Lange Zeit konnten sich japanische Unternehmen mit hohen Kassenbeständen, verschachtelten Beteiligungen und mäßigen Kapitalrenditen arrangieren. Für Aktionäre war das ein schlechter Tausch: viel Substanz, wenig Bewegung. Damit macht die Tokioter Börse jetzt ernst. Seit 2023 fordert sie Unternehmen der Marktsegmente Prime und Standard auf, ihre Kapitalkosten, Rentabilität und Bewertung systematisch zu analysieren und Verbesserungen offenzulegen. Im April 2026 wurde die Initiative noch einmal verschärft und der Fokus stärker auf den sinnvollen Einsatz unternehmerischer Ressourcen gelegt.

Das klingt nach Bürokratie, kann aber Rendite freisetzen. Wer entbehrliche Beteiligungen verkauft, unrentable Geschäfte aufgibt oder überschüssiges Kapital ausschüttet, erhöht den Wert je Aktie. Auch Aktienrückkäufe können hilfreich sein, solange die Unternehmen ihre eigenen Anteile nicht zu Mondpreisen zurückkaufen. Eine volle Kasse allein ist jedoch noch keine Investmentthese – das Geld muss rentabel investiert werden oder den Eigentümern zugutekommen. Wenn es dauerhaft ungenutzt bleibt, kann eine Aktie jahrelang billig erscheinen, ohne ihren Anlegern Freude zu bereiten. Genau hier beginnt die eigentliche Arbeit aktiver Fondsmanager: Sie müssen herausfinden, bei welchen Unternehmen sich tatsächlich etwas verändert und wie viel davon nach der kräftigen Rally bereits im Kurs steckt.


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Der Yen schreibt an der Rendite mit

Für Euro-Anleger hat die Japan-Rally einen Wechselkurs-Haken. Fällt der Yen gegenüber dem Euro, kommen von den Kursgewinnen weniger im Depot an: 20 Prozent Aktiengewinn minus 10 Prozent Währungsverlust ergeben am Ende nur 8 Prozent Plus. Die beeindruckenden Nikkei-Zahlen in Yen entsprechen deshalb nicht automatisch dem, was deutsche Anleger tatsächlich verdienen.

Ein schwacher Yen hilft zugleich japanischen Exporteuren, da sich ihre Auslandsgewinne bei der Umrechnung vergrößern, während importierte Energie und Rohstoffe teurer werden. Dieselbe Währungsbewegung verteilt Gewinne und Belastungen also höchst unterschiedlich. Währungsgesicherte Fonds begrenzen den direkten Wechselkurseinfluss auf den Euro-Ertrag. Sie beseitigen jedoch weder das Aktienrisiko noch die wirtschaftlichen Währungsabhängigkeiten der Unternehmen selbst. Bei einer Yen-Aufwertung verzichten Anleger weitgehend auf den zusätzlichen Gewinn.

4 unterschiedliche Wege, auf Japans Wandel zu setzen

iShares Core MSCI Japan IMI: Das breite Fundament

Le iShares Core MSCI Japan IMI UCITS ETF (ISIN: IE00B4L5YX21) bietet viel Markt für wenig Geld. Die jährliche Gesamtkostenquote beträgt 0,12 Prozent, Erträge werden wiederangelegt. Am 14. Oktober 2026 hielt der ETF 929 Positionen. Der zugrunde liegende Index umfasst große, mittelgroße und kleine Unternehmen; die physische Nachbildung erfolgt mittels Optimierung. Industrieunternehmen stellten rund 24,5 Prozent, Technologie knapp 18 Prozent und Finanzwerte rund 17 Prozent. Das ausgewiesene Kurs-Gewinn-Verhältnis lag bei 18,92.

 

Damit erfasst der Fonds unterschiedliche mögliche Gewinner: Industrieunternehmen mit neuen Aufträgen, Banken im veränderten Zinsumfeld und kleinere Gesellschaften, die in engeren Standardwerteindizes fehlen. Wegen der Gewichtung nach Börsenwert dominieren dennoch die großen Konzerne. Die betrachtete Anteilsklasse sichert den Yen nicht ab. Auch eine Fondswährung in Dollar oder der Handel in Euro ändern daran nichts. Wer den direkten Wechselkurseinfluss begrenzen möchte, kann zur Euro-abgesicherten Anteilsklasse (ISIN: IE00BKT6FV49) greifen. Deren jährliche Gesamtkostenquote beträgt 0,17 Prozent. Die Absicherung reduziert allerdings auch die Chance auf zusätzliche Gewinne durch einen stärkeren Yen.

Fazit: Ein günstiger Basisbaustein für ein breites Japan-Engagement einschließlich Nebenwerten. Ob der Yen die Rendite mitbestimmen soll, lässt sich über die Wahl der Anteilsklasse steuern.

Xtrackers Nikkei 225: Günstig, aber mit deutlichen Schwerpunkten

Le Xtrackers Nikkei 225 UCITS ETF 1D (ISIN: LU0839027447) bietet Zugang zu Japans bekanntestem Börsenbarometer für 0,09 Prozent jährlich. Er bildet den Index physisch vollständig nach und schüttet Erträge aus.

Die Besonderheit steckt in der Gewichtung: Beim Nikkei entscheidet der Aktienpreis unter Berücksichtigung von Anpassungsfaktoren über das Gewicht eines Unternehmens, nicht dessen Börsenwert. Das führt zu einer erheblichen Konzentration: Advantest, Fast Retailing, Tokyo Electron und SoftBank Group vereinten am 16. Oktober 2026 rund 35 Prozent des Indexgewichts. 225 Aktien bedeuten hier keineswegs 225 gleich starke Renditequellen.

Diese Schwerpunkte haben sich zuletzt ausgezahlt: Der Nikkei ließ den breiter aufgestellten MSCI Japan hinter sich. Seine höhere Gewichtung von Halbleiter- und Technologiewerten half ihm, besonders stark vom KI-Boom zu profitieren. Der Vorsprung belegt allerdings keine grundsätzliche Überlegenheit seiner Indexkonstruktion. Dreht die Branchenführung zugunsten von Banken oder anderen geringer gewichteten Unternehmen, kann sich das Verhältnis umkehren. Auch enttäuschte Gewinnerwartungen bei wenigen Schwergewichten reichen aus, um den bisherigen Rückenwind zum Gegenwind zu machen.

 

Wer bereits stark in den globalen KI-Boom investiert ist, sollte deshalb die gemeinsamen wirtschaftlichen Abhängigkeiten prüfen. Japanische Aktien bringen nicht automatisch andere Renditetreiber ins Depot.

Wer den direkten Yen-Einfluss begrenzen möchte, kann zum Xtrackers Nikkei 225 UCITS ETF 2D EUR Hedged (ISIN: LU1875395870) greifen. Die jährliche Pauschalgebühr beträgt 0,19 Prozent. Die Euro-Absicherung reduziert den direkten Wechselkurseinfluss, lässt die Konzentration auf einzelne Aktien jedoch bestehen.

Fazit: Ein sehr günstiger Japan-Zugang, dessen Schwergewichte zuletzt einen Renditevorteil brachten. Wer nach der starken Entwicklung einsteigt, kauft dieselben Schwerpunkte samt Rückschlagrisiko. Für eine breitere Abdeckung des japanischen Aktienmarktes sind MSCI Japan oder MSCI Japan IMI die naheliegenderen Alternativen.

Aspoma Japan Opportunities: Auf der Suche nach unterschätzter Substanz

Die Manager des Aspoma Japan Opportunities Fund A (ISIN: LI0393642439) beginnen ihre Suche in der Bilanz. Verantwortlich ist der Österreicher Harald Staudinger, unterstützt vom Researchteam in Japan um Koya Tabata. Gesucht werden ertragsstarke Unternehmen mit überschüssigem Finanzvermögen. Die Überlegung: Decken liquide Mittel und anderes ausschüttbares Nettofinanzvermögen bereits einen erheblichen Teil des Börsenwerts ab, bezahlt der Anleger möglicherweise wenig für das operative Geschäft.

Höhere Ausschüttungen, eine produktivere Kapitalverwendung oder der Druck aktivistischer Investoren können eine Neubewertung auslösen. Damit setzt der Fonds auf einen Kern der japanischen Unternehmensreformen: Vorhandenes Vermögen soll den Aktionären mehr bringen. Das Portfolio ist breiter aufgestellt, als das Etikett eines Nebenwertespezialisten vermuten lässt. Ende August 2026 hielt der Fonds 94 Positionen, die 10 größten machten 19,2 Prozent aus. Die A-Klasse kann den Yen teilweise oder vollständig gegenüber dem Euro absichern.

 

Zum 31. August 2026 betrug das Fondsplus über 5 Jahre rund 188 Prozent, entsprechend 23,5 Prozent jährlich. Ein direkter Vergleich mit dem Nikkei-Anstieg wäre allerdings unsauber: Währung, Absicherung, Dividendenbehandlung und Stichtage unterscheiden sich. Neben 0,80 Prozent Management- und 0,20 Prozent Verwaltungsgebühr nennt der Anbieter eine zehnprozentige Erfolgsgebühr mit High-Water-Mark.

Fazit: Ein eigenständiger Zugang zur japanischen Reformgeschichte. Der Ansatz überzeugt, wenn aus unterschätzter Substanz tatsächlich Aktionärswert entsteht. Das verlangt mitunter Geduld: Auch ein gut gefüllter Unternehmenstresor öffnet sich nicht von selbst.

Alma Eikoh: Rund 30 Ideen müssen den Unterschied machen

Die Manager des Alma Eikoh Japan Large Cap Equity Fund I EUR Hedged C (ISIN: LU1013116782) setzen auf Konzentration. James Pulsford und Tom Grew wählen rund 30 Unternehmen aus. Gesucht werden profitable, gut geführte Gesellschaften mit langfristigen Perspektiven. Entscheidend ist, wie rentabel sie ihr Kapital einsetzen und wie viel Wachstum der Aktienkurs bereits vorwegnimmt.

Während Aspoma besonders auf freisetzbare Bilanzwerte schaut, setzt Alma stärker auf die Entwicklung ausgewählter Geschäftsmodelle. Im September verkaufte das Team beispielsweise den Chip-Substrathersteller Ibiden und kaufte den Halbleiterausrüster Disco. Dort sehen die Manager Chancen durch anspruchsvollere Fertigungsverfahren und die Nachfrage aus dem KI-Geschäft.

Das Portfolio reicht jedoch deutlich über Technologie hinaus. Zu den größten Positionen zählen Mitsubishi UFJ Financial Group mit 6,73 Prozent, Japan Post Bank mit 5,66 Prozent und Fujifilm Holdings mit 4,36 Prozent. Die beiden Banken eröffnen Chancen durch Japans Zinsnormalisierung und ergänzen die technologischen Wachstumsthemen. Insgesamt besitzt der Fonds nach Einschätzung des Managements eine Wachstumsneigung gegenüber dem Gesamtmarkt. Enttäuschen die Unternehmen die eingepreisten Erwartungen, bekommt ein konzentriertes Portfolio das entsprechend deutlich zu spüren.

 

Die betrachtete Euro-Klasse ist währungsgesichert. Die jährlichen Verwaltungs- und sonstigen laufenden Betriebskosten betragen 1,06 Prozent, hinzu kommen geschätzte 0,14 Prozent Transaktionskosten. Eine Erfolgsgebühr fällt nicht an.

Fazit: Eine aktive Alternative für Anleger, die gezielte Unternehmensauswahl suchen – mit Technologiechancen und Banken als Profiteuren einer möglichen Zinsnormalisierung. Rund 30 Positionen geben guten Entscheidungen Gewicht – und Fehlgriffen ebenfalls. Die Euro-Absicherung begrenzt den direkten Währungseinfluss, schützt aber nicht vor enttäuschenden Gewinnen oder überhöhten Bewertungen.

Nach der Verdopplung zählt der Kaufpreis

Die Regierung will Investitionen anschieben, die Börse mehr Ertrag aus vorhandenem Kapital sehen. Beides kann Unternehmen verändern, die lange unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Nach 125 Prozent Nikkei-Zuwachs in 5 Jahren ist diese Hoffnung allerdings längst im Markt angekommen. Anleger müssen unterscheiden, welche Verbesserungen noch bevorstehen und welche bereits im Kurs stecken.

Der MSCI Japan IMI bietet breite Marktabdeckung, der Nikkei setzt kräftige Schwerpunkte bei wenigen Unternehmen. ASPOMA sucht unterschätzte Bilanzsubstanz, Alma ausgewählte Geschäftsmodelle mit Wachstumspotenzial. Welche Strategie passt, hängt auch davon ab, welche Risiken bereits im Depot liegen und ob der Yen mitentscheiden soll.

Takaichi kann Investitionen fördern, die Börse kann Druck machen. Die nächste Rendite müssen am Ende aber die Unternehmen selbst verdienen – und Anleger sollten sie beim Einstieg nicht schon im Voraus bezahlen.

 

Clause de non-responsabilité:
Pas de conseils en investissement. Aucun appel pour acheter ou vendre des titres.

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