Regal Rexnord Aktie: Neuausrichtung bedient Robotik- und Rechenzentren-Nachfrage

Die strategische Neuausrichtung von Regal Rexnord fokussiert sich auf lukrative Wachstumsmärkte wie Rechenzentren und Robotik. (Symbolbild, Foto: Magnific.com, maria69)

Wer über die Gewinner der Digitalisierung nachdenkt, hat Industrieunternehmen meist nicht sofort im Blick. Wenn doch, fallen typischerweise Namen wie Siemens, ABB, Eaton et Schneider Electrics. Doch im Hintergrund existieren viele weitere Unternehmen, die das physische Fundament für Digitalisierung, Robotik und künstliche Intelligenz legen. Ein Beispiel ist der US-Konzern Regal Rexnord. Gegründet 1955 als Regal Beloit, hat das Unternehmen sein Portfolio in den vergangenen Jahren grundlegend neu ausgerichtet.

Die fundamentale Verwandlung des Portfolios

Noch vor wenigen Jahren lag der Fokus von Regal Rexnord auf klassischen Elektromotoren und Luftbewegungssystemen. Durch eine gezielte Expansionsstrategie wurde das Portfolio jedoch grundlegend neu ausgerichtet, mit dem Ziel, in margenstarke Märkte mit hohen Eintrittsbarrieren vorzudringen.

Der entscheidende Schritt war die Übernahme von Altra Industrial Motion im März 2023. Zwar führte der Zukauf zu Verwässerung und einer erhöhten Verschuldung, gleichzeitig stieg Regal Rexnord damit in eine neue Ära der Fabrikautomatisierung auf. Mit Marken wie Kollmorgen wurde jahrzehntelange Expertise in hochpräziser Antriebstechnik für Industrieautomation und Robotik erworben. Der Umsatzanteil liegt bereits bei fast einem Drittel.

Die 3 Segmente von Regal Rexnord im Überblick

Um den Umfang von Regal Rexnord einordnen zu können, wird ein Blick auf die einzelnen 3 Segmente benötigt, die unterschiedliche Dynamiken aufweisen. Das Segment Industrial Powertrain Solutions (IPS) macht rund 44 Prozent des Gesamtumsatzes aus und liefert mit 42 Prozent die höchste Bruttomarge (operative Marge 12,2 Prozent). Das Segment konzentriert sich auf mechanische Kraftübertragung wie Lager, Kupplungen und Bremsen. Diese Produkte werden in der Schwerindustrie, dem Energiesektor und dem Bergbau benötigt. Das Wachstum erreichte trotz geopolitischer Herausforderungen zuletzt 5,8 Prozent.

Die zweite Säule bildet das Segment Automation und Motion Control (AMC), zu welchem auch Altra zählt. Der Umsatzanteil liegt bei 31 Prozent. Das Segment ist das Herzstück für Stromverteilung, Infrastrukturlösungen, Rechenzentren (Switchgear, ePODs), Robotik-Gelenksysteme, Steuerungssysteme, Servos und Bremsen. Die Bruttomarge liegt in diesem Segment bei 35 Prozent und die operative Marge bei 6,9 Prozent.

Das dritte Segment umfasst die Power Efficiency Solutions (PES) mit rund 25 Prozent des Umsatzes. Diese Einheit stellt kleinere Motoren, elektronische Antriebe und Gebläse für Heizungs- und Lüftungsanlagen her. Diese Sparte war zuletzt das Sorgenkind. Ein schwacher US-Wohnungsmarkt und eine weltweite schwache Nachfrage nach Klimasystemen belasteten die Umsätze mit einem Rückgang von 8 Prozent.

Die verborgenen Wachstumstreiber im AMC-Segment

Obwohl das traditionelle Geschäft in einigen Bereichen stagniert, verzeichnet die Aktie eine bemerkenswerte Stärke. Der Grund für den Optimismus liegt in einem extrem zukunftsträchtigen Nischenmarkt. Regal Rexnord liefert vorkonfigurierte, schlüsselfertige Stromverteilungs-Systeme für Rechenzentren, sogenannte ePOD-Systeme (Segment AMC). Aktuell machen die direkten Umsätze in diesem Bereich nur 2  bis 3 Prozent der Gesamterlöse aus. Die Auftragseingänge sprechen jedoch für eine erhebliche Dynamik. Die Bestellungen sind zuletzt um über 30 Prozent angestiegen.

 


Die ePOD Nachfrage ist bisher in den Ergebnissen noch nicht sichtbar. Die Nachfrage ist so gewaltig, dass dieser Bereich von 120 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 auf voraussichtlich über 900 Millionen US-Dollar im Jahr 2027 anwachsen soll. Weitere Bestellungen werden erwartet. Um die Nachfrage erfüllen zu können, werden die ePOD-Kapazitäten in Kanada und Texas massiv ausgebaut. Dieses isolierte Wachstumsfeld könnte an der Börse bald mit mehreren Milliarden US-Dollar bewertet werden. Hinzu kommt eine zunehmende Nachfrage für humanoide Robotik im zweistelligen Millionenbereich.

Finanzielle Risiken und das Erreichen des Wendepunkts

Die Übernahme von Altra Industrial Motion hat Spuren in der Bilanz hinterlassen. Die Nettoverschuldung beläuft sich auf rund 4,3 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht dem 3,5-fachen des EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation). Dank des massiven Auftragsbooms dürften die Verschuldungsquoten jedoch zügig in den niedrigen Dreierbereich fallen. Das Management betont jedoch, dass bewusst Geld in Wachstum investiert wird, um die Position in den wichtigen Zukunftsmärkten zu sichern.

Aufgrund der starken Entwicklung konnte der Schuldenabbau zuletzt jedoch fortgeführt werden. Zudem erwartet die Konzernführung bis zum Jahr 2027 signifikante Cross-Selling-Synergien, welche Kostensenkungspotential bieten. Für das Jahr 2027 stellt Renold Rexnord einen Gesamtumsatz von bis zu 7 Milliarden US-Dollar bei einer operativen EBITDA-Marge von rund 25 Prozent (aktuell 21 Prozent) in Aussicht. Dies würde ein Gewinnwachstum von über 30 Prozent bedeuten.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Fazit Regal Rexnord: Bewertung des Zukunftspotenzials

Das Management erkennt erstmals seit längerer Zeit in allen Segmenten einen positiven Trend. Damit könnte auch das bislang zyklische PES-Segment, zusätzlich zu den gut gefüllten Auftragsbüchern im AMC-Segment, für positive Überraschungen sorgen. Trotz gestiegener Bewertung, welche aus höheren Margen und der strategischen Neuausrichtung begründet ist, bleibt Regal Rexnord mit einem Ratio cours-bénéfice von 18 im Vergleich zu Wettbewerbern (KGVs über 30) moderat bewertet. Der Abschlag gegenüber ABB, Siemens und Co. dürfte dabei nicht nur auf die verkannten Katalysatoren, sondern auch die höhere Verschuldung zurückzuführen sein.

Dennoch sprechen eine Cash-Conversion von deutlich über 100 Prozent, eine Capex-Quote von lediglich 1 Prozent, eine über Jahre aufgebaute freie Cashflow-Marge von rund 15 Prozent und einer doppelt so hohen FCF-Rendite zum Wettbewerb für eine starke Basis, um die Schuldenlast zu relativieren. Unterstützt wird all das durch volle Auftragsbücher und 2 starke Wachstumstreiber: Robotik und Rechenzentren. Damit könnte das Unternehmen besser positioniert sein, als es die aktuelle Bewertung widerspiegelt.

 

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