Rheinmetall Aktie nach Quartalszahlen: Prognose gekappt – Kurs bricht ein

Die erneute Kappung der Umsatzziele drückt schwer auf die Stimmung der Investoren. (KI-Symbolbild: Magnific.com, stocksbuddy)

Düsseldorf – Rheinmetall wächst kräftig und verdient gut. Trotzdem kassiert der Rüstungskonzern seine Jahresziele zum zweiten Mal in diesem Jahr. Der Grund: Die Bundeswehr verschiebt Aufträge, und bei der Munition hakt die Abnahme. Für Anleger zählt heute nicht das starke Quartal, sondern die erneut gekürzte Prognose.

  • Umsatz: 3,15 Milliarden Euro (unter der Analystenprognose)
  • Gewinn pro Aktie (EPS): 5,99 Euro (unter der Analystenprognose)

Die wichtigste Kennzahl der Branche ist der Auftragsbestand. Er zeigt, wie viel Geschäft schon vertraglich gesichert ist. Bei Rheinmetall, die dabei auch Rahmenverträge mitzählt, schwoll dieser „Backlog“ bis Ende September auf 78 Milliarden Euro an, ein Jahr zuvor waren es 56,7 Milliarden Euro. Ende Juni lag er allerdings schon bei 80,4 Milliarden Euro. Neue Aufträge und Rahmenverträge summierten sich in 9 Monaten auf 19,1 Milliarden Euro, ein Plus von 19 Prozent. Der Free Cashflow, also das frei verfügbare Geld, rutschte dagegen auf minus 1,7 Milliarden Euro. Rheinmetall füllt seine Lager für das geplante Wachstum.

 

Für 2026 peilt der Vorstand nur noch rund 13,2 Milliarden Euro Umsatz an. Bisher lag die Spanne bei 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Die operative Marge soll rund 18,5 Prozent erreichen statt 19 Prozent. Analysten hatten im Schnitt mit 13,87 Milliarden Euro Umsatz gerechnet. Das Boxer-Modernisierungsprojekt Arminius der Bundeswehr wandert ins kommende Jahr, die Abnahme von Artilleriemunition verzögert sich. Schon im August hatte der Stopp des Fregattenprojekts F126 die Ziele gedrückt.

„Wir haben ein sehr gutes Wachstum bei hoher Profitabilität und sind damit im Branchenvergleich auch international führend“, betonte Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, bei Veröffentlichung des Berichts. Die gute Auftrags­lage gebe Rheinmetall die Möglichkeit, die Kapazitäten nachhaltig auszubauen.

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Die Börse straft die Gewinnwarnung allerdings gnadenlos ab. Schon vorbörslich sackte die Aktie auf Tradegate um bis zu 9 Prozent ab. Um 9.50 Uhr notierte sie bei rund 830 Euro, rund 17 Prozent unter dem Xetra-Schluss vom Vortag. Laut JPMorgan-Analyst David Perry handelt es sich um die fünfte Umsatz- oder Gewinnwarnung binnen etwa 11 Monaten. JPMorgan senkte das Kursziel auf 1.150 Euro, die Citigroup auf 1.374 Euro.

Operativ liefert Rheinmetall: Das operative Ergebnis sprang im Quartal um 62 Prozent auf 553 Millionen Euro, die Marge kletterte von 14,8 auf 17,5 Prozent. Doch Investoren zweifeln zunehmend an der Planbarkeit. Die Aktie hat sich seit ihrem Rekord von rund 2.008 Euro mehr als halbiert. Die Citigroup wertet die Enttäuschung als bloße Verschiebung. Den Beweis muss Rheinmetall am Kapitalmarkttag am 27. November liefern – dann stehen die Ziele für 2030 auf dem Prüfstand.

 

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