Die geopolitischen Spannungen nehmen in mehreren Krisenherden gleichzeitig zu – und die Finanzmärkte reagieren zunehmend nervös. Nach einer Rekordserie an den Aktienmärkten in der Vorwoche ist die Stimmung gekippt. In der laufenden Woche richten Anleger ihren Blick unter anderem auf Einkaufsmanagerindizes, auf die finale Berechnung der Euro-Inflation und die BIP-Daten aus Japan und Deutschland.
Das Trump-Xi-Treffen und die multilaterale Weltordnung
Das Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping dominierte die geopolitische Agenda der Vorwoche. Folker Hellmeyer wertet das Treffen als weiteres Signal einer sich herausbildenden multilateraleren Weltordnung. Der Ton zwischen den beiden Staatsmännern war konziliant – auch mit Blick auf Taiwan. Konkrete Ergebnisse umfassen Bestellungen von rund 200 Flugzeugen bei Boeing sowie zusätzliche Agrargeschäfte im Umfang von rund 17 Milliarden US-Dollar zugunsten der amerikanischen Landwirtschaft.
Bei den drängenden Konfliktherden – Ukraine und Iran – blieben belastbare Ergebnisse aus. Hellmeyer weist darauf hin, dass intensive Diplomatie oft abseits der Öffentlichkeit stattfindet, und lässt die Möglichkeit offen, dass hinter den Kulissen mehr besprochen wurde, als nach außen drang.
Geopolitische Hotspots: Ukraine, Iran und ein neuer Konfliktherd
Der Ukraine-Krieg nimmt an Dynamik zu. Der Drohnenkrieg eskaliert auf beiden Seiten, die Zerstörung der Energieinfrastruktur belastet nicht nur die beiden unmittelbar beteiligten Länder, sondern hat Rückwirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. Eine diplomatische Lösung erscheint derzeit, insbesondere angesichts der europäischen Positionierungen, nicht in Sicht.
Beim Irankonflikt ist die Lage nach Hellmeyers Einschätzung angespannter als je zuvor. Die Annäherungsversuche sind abgekühlt, die Rhetorik hat sich verschärft. Washington hat Teheran mit faktischer Vernichtung gedroht, sollte der Iran sich den US-Maximalforderungen nicht unterwerfen.
Hellmeyer betont, dass Maximalforderungen dieser Art erfahrungsgemäß keine tragfähige Grundlage für Verhandlungen bilden. Die wirtschaftlichen Folgen einer weiteren Eskalation – von der Energieversorgung über Düngemittel bis hin zur Heliumversorgung für die Mikrochip-Produktion – wären für die Weltgemeinschaft nach seiner Einschätzung gravierender als die des Ukraine-Kriegs.
Neu auf der geopolitischen Agenda ist die Lage rund um Kuba. Die USA werfen Kuba vor, Drohnenangriffe auf amerikanischem Boden zu planen, und konstruieren damit nach Hellmeyers Analyse einen Vorwand für eine mögliche weitere militärische Intervention. Hybride Wirtschafts- und Finanzkriege belasten die Insel ohnehin massiv; die Versorgungslage ist prekär.
Rückblick: Wirtschaftsdaten der Vorwoche
Die makroökonomischen Daten der Vorwoche zeigten ein klares Auseinanderdriften zwischen den USA und der Eurozone. Die amerikanische Industrieproduktion legte im Jahresvergleich um 1,35 Prozent zu, während sie in der Eurozone um 2,1 Prozent schrumpfte. Die US-Einzelhandelsumsätze wuchsen nominell um 4,87 Prozent, bereinigt um die Verbraucherpreisinflation von 3,8 Prozent verbleibt ein reales Plus von rund 1 Prozent. Der New Yorker Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe überraschte positiv. Der NFIB-Geschäftsoptimismus-Index verbesserte sich leicht.
Die Erzeugerpreise in den USA stiegen im Jahresvergleich um 6 Prozent – ein Niveau, das die Auswirkungen der Iran-Krise auf die Energiemärkte widerspiegelt. Im April verzeichneten die USA einen Haushaltsüberschuss von 215 Milliarden US-Dollar, was saisonal auf den Steuereingang zurückzuführen ist.
In der Eurozone wuchs das Bruttoinlandsprodukt im Quartalsvergleich um lediglich 0,1 Prozent, im Jahresvergleich um 0,8 Prozent. Der ZEW-Index für Deutschland verbesserte sich von minus 17,2 auf minus 10,2 Punkte – ein Wert, der die zuletzt freundlichere Börsenlage in der Befragungsphase widerspiegelte, die sich seitdem jedoch wieder eingetrübt hat.
Aus China kamen enttäuschende Zahlen: Die Industrieproduktion verlangsamte sich auf 4,1 Prozent nach zuvor 5,7 Prozent, der Einzelhandel wuchs nur noch um 0,2 Prozent nach 1,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote fiel jedoch auf 5,2 Prozent.
Börsenlage und Rentenmärkte: Warnsignal auf gelb
Nach einer Serie neuer Rekordhochs an den Aktienmärkten in der Vorwoche ist die Stimmung in der laufenden Woche spürbar gedreht. Folker Hellmeyer hat die DAX-Börsen-Ampel außer der Reihe auf Gelb gesetzt – ein Signal erhöhter Wachsamkeit. Hellmeyer richtet den Blick dabei weniger auf die Aktienmärkte als auf die Rentenmärkte, die er als den eigentlichen Risikoherd identifiziert.
Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen im Vereinigten Königreich sind auf 5,18 Prozent gestiegen – das höchste Niveau seit 2008. In Frankreich notieren sie bei 3,98 Prozent, nach 3,35 Prozent vor einem Jahr. In den USA liegen sie bei 4,63 Prozent, nach einem Tiefpunkt von rund 4,20 Prozent. Die entscheidende Frage ist nicht das Renditeniveau an sich, sondern seine Wechselwirkung mit der gestiegenen Staatsverschuldung. Frankreich hat seine Schuldenquote von 58,9 Prozent im Jahr 2000 auf 118,4 Prozent erhöht. Das Vereinigte Königreich kam von 29,5 Prozent und liegt heute bei 103,4 Prozent. Damit entfalten selbst moderat steigende Renditen eine ungleich größere Wirkung auf die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen als in früheren Zyklen.
Hellmeyer bezeichnet die Situation Frankreichs als kritischer als die Griechenlands zur Zeit der Eurokrise – und mahnt, dass eine weitere Versteifung des Zinsniveaus in den kommenden Wochen und Monaten das Thema Systemkrise auf die Agenda heben könnte. Demgegenüber stehen China mit einer Rendite von 1,76 Prozent und Russland mit einer geringen Staatsverschuldung von 19,1 Prozent deutlich besser da.
Kernaussagen aus dem Video
Geopolitik:
- Das Trump-Xi-Treffen signalisiert eine zunehmend multilaterale Weltordnung
- Der Iran-Konflikt eskaliert rhetorisch; die Folgen wären für die Weltwirtschaft gravierender als die des Ukraine-Kriegs
- Kuba rückt als neuer potenzieller Konfliktherd in den Blick
Finanzmärkte:
- DAX-Börsen-Ampel außer der Reihe auf Gelb gesetzt
- Anleiherenditen in Europa auf Mehrjahreshöchstständen
- Systemkrisenpotenzial aufgrund hoher Staatsverschuldung und steigender Zinslast
- US-Wirtschaft deutlich robuster als die Eurozone
Konjunktur:
- Industrieproduktion Eurozone minus 2,1 Prozent im Jahresvergleich
- China enttäuscht mit nachlassendem Wachstum
- USA outperformen mit soliden Industrie- und Einzelhandelsdaten
Hellmeyers Ausblick auf die Berichtswoche
Am Martedì stehen die Bruttoinlandsprodukt-Daten aus Japan im Mittelpunkt: Erwartet wird ein Quartalswachstum von 0,4 Prozent, annualisiert entspricht das rund 1,7 Prozent – deutlich mehr als in der Eurozone. Ebenfalls publiziert wird die Handelsbilanz der Eurozone für März; zuletzt belief sich der Überschuss nur noch auf 7 Milliarden Euro, nach früheren Werten zwischen 15 und 20 Milliarden Euro.
Am Mercoledì folgen Lohndaten aus Japan sowie die finale Berechnung der Verbraucherpreise der Eurozone für April, die bei 3 Prozent bestätigt werden dürfte. Am Donnerstag werden die Einkaufsmanagerindizes (Erstschätzungen) veröffentlicht: Für Deutschland wird ein Wert von 48,4 Punkten für die Gesamtwirtschaft erwartet, für die Eurozone 48,8 Punkte – beide im kontraktiven Bereich. In den USA lag der entsprechende Index zuletzt bei 51,7 Punkten, weiteres leichtes Wachstum wird erwartet. Das Verbrauchervertrauen der Eurozone dürfte sich auf minus 21 Punkte verschlechtern.
Am Venerdì komplettiert unter anderem die detaillierte Berechnung des deutschen Bruttoinlandsprodukts den Datenkranz; die Erstschätzung von plus 0,3 Prozent im Quartalsvergleich soll bestätigt werden. Der GfK-Konsumklimaindex wird auf minus 34 erwartet, nach minus 33,3 – ein dramatisch niedriger Wert. Der ifo-Geschäftsklimaindex soll leicht auf 84,2 Punkte nachgeben. Aus den USA folgen die Frühindikatoren des Conference Board (erwartet: minus 0,3 Prozent) sowie der finale Wert des Verbrauchervertrauen-Index der Universität Michigan, der mit 48,2 Punkten einen historischen Tiefstand markieren würde.
Fazit: Hellmeyer der Woche – Einschätzung für Anleger
Die Analyse von Hellmeyer der Woche KW21 mahnt zur Vorsicht. Die Kombination aus geopolitischer Eskalation, steigenden Anleiherenditen und strukturell schwachen Konjunkturdaten in Europa bildet ein Umfeld, das nicht unterschätzt werden darf. Frankreichs Fiskalposition und die strukturelle Reformunfähigkeit in Teilen Europas sind nach Hellmeyers Einschätzung ein systemisches Risiko – kein konjunkturelles.
Anleger sollten die Rentenmärkte als Frühindikator im Blick behalten. Eine weitere Versteifung der Rendite in Frankreich oder anderen hoch verschuldeten Eurostaaten könnte Verwerfungen auslösen, die weit über die Finanzmärkte hinauswirken. Wer global diversifiziert aufgestellt ist – mit Gewichtung auf konjunkturell robustere Räume wie die USA oder Teile Asiens – ist für dieses Szenario besser gerüstet. Das Fenster für dringend notwendige strukturelle Reformen in Deutschland und Frankreich wird enger.
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Disclaimer:
Dieser Artikel basiert ausschließlich auf dem Transkript der Sendung Hellmeyer der Woche, Kalenderwoche 18. Die Inhalte dienen der journalistischen Information und stellen keine Anlageberatung dar.
Il contributo Globale Krisen – Stress für Staatsschulden! Der Hellmeyer der Woche KW21 è apparso per primo ftd.de.