Durch gezieltes ETF Rebalancing stellen Investoren sicher, dass ihre anfängliche Risikostrategie intakt bleibt. (Foto: Magnific.com, olanod)
Über gut laufende ETFs im eigenen Portfolio freut sich wohl jeder. Immerhin kann man ihnen quasi dabei zusehen, wie sie das investierte Vermögen ohne aktives Zutun mehren. Doch auch wenn es zunächst kontraintuitiv klingen mag, macht es gelegentlich Sinn, einen Teil von ihnen zu veräußern, sofern es durch ihre Entwicklung zu einer Übergewichtung im Portfolio gekommen ist und sie damit nicht mehr der ursprünglichen Allokationsidee entsprechen.
Ein solches Vorgehen, also der Abbau von Positionen mit zuletzt erfreulichen Renditen und der parallele Zukauf von ETFs, die hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben sind, ist bekannt als Rebalancing. Obwohl dieser Praxis nicht selten ein ausschließlich positiver Effekt zugeschrieben wird, lohnt ein etwas differenzierterer Blick.
Wann Rebalancing dem Anleger nutzt
In erster Linie ist Rebalancing als ein Instrument zum Managen von Risiken zu verstehen. Um diese Aussage nachvollziehbarer zu machen, betrachten wir ein kurzes Beispiel:
Ihr Portfolio besteht – der Einfachheit halber – aus nur 2 Wertpapieren, in die Sie zu Beginn der Betrachtungsperiode jeweils 100 Euro anlegen. Dabei handelt es sich um einen konzentrierten Nischen-ETF auf der einen und einen breit gestreuten MSCI World auf der anderen Seite. Beide zusammen repräsentieren in dieser Gewichtung Ihre individuellen Präferenzen. Annahmegemäß sollte der Nischen-ETF als Kompensation für das höhere eingegangene Risiko eine höhere Rendite als der MSCI World erwirtschaften.
Das Wichtigste zu ETF Rebalancing
- Regelmäßiges Rebalancing ist ein zentrales Werkzeug, um das Risikoprofil eines ETF-Portfolios langfristig zu steuern.
- Die sogenannte Diversifikationsrendite kann durch antizyklisches Handeln bei Rückkehr zum Mittelwert die Performance steigern.
- Verkäufe beim Rebalancing können Steuern (Abgeltungsteuer) auslösen, die den Zinseszinseffekt mindern.
Und tatsächlich kommt es so. Zu Ihrer Freude legt der Nischen-ETF innerhalb des ersten Jahres um satte 20 Prozent zu. Auch der MSCI World klettert, allerdings nur um moderate 5 Prozent. Ihr Portfoliowert ist damit von 200 Euro auf 225 Euro angestiegen. Kein Handlungsbedarf. Oder?
Natürlich steht es Ihnen frei, nichts zu tun und die Dinge einfach weiterlaufen zu lassen. Sofern es Ihnen jedoch darauf ankommt, die Risiken mit Ihren Präferenzen im Einklang zu halten, müssten Sie nun aktiv werden.
Denn: Die einstige 50:50 Aufteilung gilt aufgrund der unterschiedlichen Renditen nicht mehr. Stattdessen besteht Ihr Portfolio jetzt aus rund 53,3 Prozent Nischen-ETF (höheres Risiko) und circa 46,7 Prozent MSCI World (niedrigeres Risiko). Sie sollten demnach Anteile von ersterem verkaufen und im Gegenzug Anteile von letzterem zukaufen.
Dieses – zugegebenermaßen – sehr simpel gehaltene Beispiel verdeutlicht, wie Rebalancing dabei hilft, ein Portfolio zu steuern und konsequent auf die eigenen Risikovorlieben zurück zu manövrieren.
Kleiner Bonus obendrauf
Weniger bekannt ist die Diversifikationsrendite, die zwar nur bei Assets mit annähernd gleichen erwarteten Renditen (und ungefähr denselben Risiken) zum Tragen kommt, die aber über einige Jahrzehnte summiert den Vermögensendwert dennoch ordentlich nach oben verschieben kann (etwa 15 Prozent bei 35 Jahren).
Dieser aus dem Rebalancing hervorgehende Bonus lässt sich mit der Regression zum Mittelwert (was stark gestiegen ist, fällt tendenziell wieder etwas zurück und umgekehrt) erklären. Seine Bedeutung wird gerade während eines Crash-Szenarios deutlich. Stürzt also der Wert eines ETFs ab, so wird seine Gewichtung im Portfolio ebenfalls sinken. Gemäß Rebalancing ist diese Position sodann aufzustocken. Wer dies diszipliniert umsetzt, sichert sich damit die Chance auf einen günstigen Einstiegspreis und darauf, die anschließende (typischerweise besonders renditebringende) Erholung von Anfang an mitzunehmen.
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Das große Aber
Rebalancing wird deshalb so häufig empfohlen, weil es – wie eben dargelegt – für den Anleger durchaus echte Vorteile generieren kann. Trotzdem wäre es wenig professionell, über die ebenfalls bestehenden „Schattenseiten“ hinwegzusehen.
Selbstverständlich ist es (im Einzelfall) möglich, dass die Outperformer von gestern auch die Outperformer von morgen sein werden und die Underperformer derweil die Underperformer bleiben. Durch das Rebalancing würde man in diesem Fall die „Portfoliobremser“ aufstocken und die „Stars“ reduzieren. Ein Nichtstun wäre hier (jedenfalls bei ausschließlichem Fokus auf die Rendite) die bessere Wahl gewesen.
Subtiler gestaltet sich der Steuernachteil. Auch an dieser Stelle ein fiktives Szenario zum besseren Verständnis:
Nehmen Sie an, im Zuge des Rebalancing stoßen Sie eine Position mit einem Wert von 2.000 Euro ab, die Hälfte davon verbuchen Sie als Gewinn. Unter Vernachlässigung von Freibeträgen, Verlusttöpfen und dergleichen werden dafür inklusive Solidaritätszuschlag (und exklusive Kirchensteuer) unmittelbar rund 26,375 Prozent, also 264 Euro Steuern fällig. Dieser Betrag fließt ab und steht Ihnen nicht länger zur Verfügung.
Hätten Sie dagegen kein Rebalancing betrieben, wäre es auch nicht zu diesem Verkauf sowie der Steuerbelastung gekommen und Sie könnten weiterhin mit den 264 Euro wirtschaften. Würde es Ihnen gelingen, jährlich eine Rendite von 7 Prozent zu generieren, so entstünden aus den einstigen 264 Euro nach 20 Jahren gut 1.021 Euro.
Solange nichts veräußert wird, kann der gesamte Betrag arbeiten, also vom Zinseszinseffekt profitieren, auch jene Teilsumme, die Sie eines Tages ohnehin als Steuer zu entrichten haben.
Rebalancing als das betrachten, was es vorrangig ist
Mit einem reinen ETF-Portfolio halten Anleger den Aufwand ihrer Geldanlage in aller Regel sehr gering. Da erscheint es zumutbar, ein wenig Zeit für das Rebalancing aufzuwenden, um die damit verbundenen Vorteile, insbesondere den Aspekt des Risikomanagements, auszunutzen.
Zwar existieren verschiedene Varianten des Rebalancing, wovon einige sogar ziemlich komplex sind. Aus Investorensicht stellt sich dann aber die Frage, ob der daraus (eventuell) resultierende Zusatznutzen den Mehraufwand tatsächlich rechtfertigt. Schließlich ist Rebalancing hauptsächlich als Instrument dafür gedacht, Risiken überschaubar zu halten und kein Mittel, um die Rendite um jeden Preis zu maximieren.
Disclaimer:
Non consigli sugli investimenti. Nessuna chiamata per acquistare o vendere titoli.
Il contributo ETF Rebalancing 2026: Risiken steuern und Rendite optimieren è apparso per primo ftd.de.