Während die TER lediglich laufende Verwaltungskosten umfasst, fließen verdeckte Handelskosten und Spreads erst über die Tracking Differenz in die Gesamtrechnung ein. (Bild: Magnific AI)
Beim Vergleich von ETFs fällt der erste Blick bei vielen Anlegern fast automatisch auf eine Kennzahl – die Total Expense Ratio, oder kurz TER. Sie gilt als wichtiges Entscheidungskriterium, vor allem bei 2 ansonsten weitgehend identischen Produkten. Trotzdem steckt in ihr immer nur ein Ausschnitt der Wahrheit.
So erfasst die TER vornehmlich die Verwaltungsvergütung und einen Großteil der administrativen Kosten. Andere Gebühren werden von ihr wiederum aber nicht abgedeckt. Das isolierte Betrachten dieser einzelnen Kennzahl kann deshalb dazu führen, dass die Wahl am Ende zugunsten eines eigentlich teureren ETFs fällt.
Die Total Expense Ratio (TER): Diese versteckten Kosten fehle
Im Grunde ist die TER eine Momentaufnahme der laufenden Betriebskosten, spiegelt also beispielsweise die Aufwendungen für das Management, die Depotbank oder Lizenzgebühren für den Index wider. Dagegen sind in ihr keine Kosten enthalten, die entstehen, wenn der Fonds sein Portfolio verändern muss.
Hinsichtlich physisch replizierender ETFs kann das heißen, dass diese bestimmte Aktien kaufen oder verkaufen, weil die Zusammensetzung ihres zugrundeliegenden Index nicht mehr dieselbe ist. Das wiederum passiert etwa dann, wenn ein Unternehmen herausfällt und ein anderes im Gegenzug nachrückt.
Doch jede dieser Transaktionen kostet Geld in Form von Maklergebühren, aber auch Spreads am Markt und verursacht mitunter Steuerzahlungen in einzelnen Ländern. All diese Handelskosten des Fonds stecken nicht in der TER, sondern schlagen sich erst in der tatsächlichen Wertentwicklung nieder.
Warum die Tracking Differenz die bessere Wahl ist
Aus diesem Grund lohnt sich immer ein zweiter Blick auf eine weniger prominente, dafür aber aussagekräftigere Kennzahl: die sogenannte Tracking Differenz. Sie vergleicht, wie stark die Jahresrendite eines ETFs von der Rendite seines Referenzindex abweicht. Liefert zum Beispiel der MSCI World 10 Prozent, ein entsprechender Fonds aber lediglich 9,8 Prozent, beläuft sich die Tracking Differenz auf 0,2 Prozent.
Besonders vorteilhaft an der Tracking Differenz ist, dass in sie sämtliche Kosten eingehen, selbst die unsichtbaren. Das erklärt, weshalb ein ETF mit einer an sich niedrigen TER, aber einem schwachen Portfoliomanagement letztlich schwächer performen kann als ein vermeintlich teurerer Konkurrent. Gleichzeitig gibt es solche ETFs, deren Tracking Differenz sogar negativ ausfällt, deren Rendite somit also den Index übertrifft. Warum das so ist, erklärt ein in der Praxis häufig anzutreffender Mechanismus.
Zusatzertrag durch Wertpapierleihe bei physischen ETFs
Viele physisch replizierende ETFs verleihen ihre Aktien gegen eine Gebühr an andere Marktteilnehmer wie Leerverkäufer. Diese Einnahmen aus der Wertpapierleihe fließen zumindest teilweise in den Fonds zurück und können die laufenden Kosten auf diese Weise senken oder sie gar ausgleichen.
Hierin ist sodann der Grund dafür zu sehen, warum es manche ETFs schaffen, den Markt zu schlagen, obwohl sie eine TER von 0,10 oder 0,20 Prozent ausweisen. Allerdings gibt es bei derartigen Geschäften auch einen Haken, da die Wertpapierleihe ein zusätzliches Kontrahentenrisiko schafft, falls der Leihnehmer ausfällt.
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Auch wenn dieses Risiko regulatorisch stark begrenzt ist, lässt es sich nicht vollends eliminieren. Anleger können unter anderem im Factsheet nachsehen, wie hoch der verliehene Anteil des Portfolios ist und wie die Sicherheiten gemanagt werden.
Versteckte Swap-Gebühren bei synthetisch replizierenden ETFs
Im Falle synthetisch replizierender ETFs, die den Index nicht über den Kauf der Originalaktien, sondern über ein Tauschgeschäft mit der Bank abbilden, kommt mit den Swap-Gebühren ein weiterer, in der TER nicht ausgewiesener, Posten hinzu.
Zwar verpflichtet sich der Swap-Partner dazu, dem Fonds die Indexrendite zu liefern. Dafür verlangt er aber eine Vergütung, die separat verhandelt wird und in der offiziellen Kostenquote nicht zu finden ist. Daher gilt auch an dieser Stelle: Nur die Tracking Differenz macht wirklich deutlich, ob eine solche Konstruktion für den Anleger am Ende günstiger oder teurer ausfällt als eine physische Nachbildung.
Ordergebühren und Spread: Handelskosten nicht außer Acht lassen
Selbst wenn ein ETF intern auf Effizienz getrimmt ist, entstehen für Investoren abseits der TER zusätzliche Aufwendungen. Gemeint sind damit vor allem die Geld-Brief-Spanne beim Kauf und dem Verkauf an der Börse sowie die möglichen Ordergebühren des Brokers. Bei stark gehandelten ETFs auf große Indizes ist der Spread oftmals vernachlässigbar, kann aber bei Nischenprodukten mit geringer Liquidität teuer zu Buche schlagen. Das gilt gerade bei häufigem Handeln oder kleinen Sparraten.
Weil sie schnell verfügbar und leicht vergleichbar ist, bleibt die TER für zahlreiche Anleger ein vernünftiger erster Filter. Wer aber genauer hinschauen will, sollte darüber hinaus unbedingt die Tracking Differenz der vergangenen 3 bis 5 Jahre prüfen, sei es über passende ETF-Datenbanken oder darauf spezialisierte Anbieterseiten.
Erst dieser Blick offenbart, ob ein ETF sein Versprechen – die Indexrendite möglichst genau abzubilden – tatsächlich einhält, oder ob zwischen dem Wertpapierprospekt und der Realität vielmehr eine Lücke klafft, die sich über die Jahre zu einem echten Renditeunterschied summiert.
Disclaimer:
Non consigli sugli investimenti. Nessuna chiamata per acquistare o vendere titoli.
Il contributo ETF-Kosten im Check: Warum die TER oft nicht ausreicht è apparso per primo ftd.de.