Samuel Beckett Bridge in Dublin: Irland ist ein bevorzugtes Domizil für ETFs mit US-Aktien (Foto: Magnific.com, wirestock_creators)
Bei der Auswahl ihrer ETFs fokussieren sich viele Anleger auf Aspekte wie die Kostenquote oder die Fondsgröße, gegebenenfalls wird noch die Replikationsmethode in die Betrachtung miteinbezogen. Dagegen spielt der Sitz der Verwaltungsgesellschaft im Regelfall keine Rolle. Immerhin unterliegen die innerhalb der EU aufgelegten Fonds derselben Richtlinie, der sogenannten UCITS-Regulierung.
Doch eine nähere Auseinandersetzung mit der Thematik lässt erkennen, dass zwischen den Fondsstandorten mitunter doch Unterschiede bestehen, die sich letzten Endes sogar in der Performance niederschlagen.
Das Wichtigste zum ETF-Domizil
- Fonds mit Domizil in Irland profitieren von einem Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA und zahlen nur 15 Prozent Quellensteuer auf US-Dividenden.
- ETFs aus Luxemburg werden von den US-Behörden mit den vollen 30 Prozent Quellensteuer belastet, was die Rendite langfristig drückt.
- Das ETF-Domizil lässt sich in Sekundenschnelle an den ersten beiden Buchstaben der ISIN (IE für Irland, LU für Luxemburg) ablesen.
Ursache für Rendite-Unterschiede: US-amerikanische Dividenden
Um nachvollziehen zu können, weshalb das Domizil eines ETFs nicht gänzlich bedeutungslos ist, bedarf es eines Blicks in Richtung Vereinigte Staaten. Schüttet ein US-Unternehmen eine Dividende aus, behält die dortige Steuerbehörde IRS grundsätzlich 30 Prozent davon ein, noch bevor das Geld den Fonds überhaupt erreicht.
Allerdings gibt es einen Weg, diesen Satz zu unterschreiten. Möglich ist das aber nur für Länder, die ein Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA abgeschlossen haben. Zusätzlich muss es die jeweilige Fondsstruktur erlauben, das entsprechende Abkommen auch zu nutzen. An dieser Stelle wird es nun interessant.
Irland versus Luxemburg: Der Vorteil bei der Quellensteuer
Betrachtet man einmal Irland und Luxemburg – die in der Fondslandschaft beide ein großes Gewicht einnehmen – so ist festzustellen, dass irische ETFs rechtlich als Kapitalgesellschaften (sogenannte PLCs) organisiert sind, was ihnen gegenüber den USA eine Abkommensberechtigung einräumt. In der Folge zahlen sie lediglich 15 Prozent Quellensteuer auf US-amerikanische Dividenden.
Demgegenüber sind luxemburgische Fonds häufig als FCP, ein vertragliches Sondervermögen ohne eigene Rechtspersönlichkeit, strukturiert. Eine solche Form kann das amerikanisch-luxemburgische Steuerabkommen in aller Regel nicht in Anspruch nehmen, sodass es unverändert bei den vollen 30 Prozent bleibt.
Tatsächlich wirkt sich dieses vermeintliche Theoriekonstrukt direkt auf die Renditen aus. Unterstellt man etwa für einen ETF auf den S&P 500 eine Dividendenrendite in Höhe von 1,3 Prozent, gehen von der Bruttoausschüttung in Irland lediglich 0,2 Prozentpunkte an den Fiskus, in Luxemburg hingegen wäre es fast das Doppelte.
Der Zinseszinseffekt macht den Unterschied erst über die Jahre sichtba
Zunächst mag das nicht besonders viel zu sein scheinen. Aber: Über lange Zeiträume wie 2 oder 3 Jahrzehnte und unter Berücksichtigung des Zinseszinseffekts summiert sich auch diese Differenz zu beträchtlichen Performance-Unterschieden – gerade bei Sparplänen mit monatlicher Wiederanlage.
Wichtig zu bedenken ist, dass die Steuer nicht dem Anleger, sondern dem Fonds auferlegt wird. Darin ist auch der Grund zu sehen, weshalb sie nicht als gesonderte Position im Depotauszug auftaucht und ebenso wenig in der Steuerbescheinigung der Bank einsehbar ist. Stattdessen fließt sie mehr oder weniger unbemerkt in den Nettoinventarwert ein, bevor überhaupt die Kursentwicklung des ETFs berechnet wird.
So können 2 ETFs mit identischem Index, identischer Kostenquote und identischer Replikationsmethode über die Jahre hinweg unterschiedliche Renditen aufweisen, allein deshalb, weil der eine von ihnen in Irland, der andere dagegen in Luxemburg ansässig ist.
Übrigens erklärt das auch, warum inzwischen fast alle großen Anbieter von iShares über Vanguard bis hin zu Xtrackers oder SPDR ihre wichtigsten Aktien-ETFs in Irland ansiedeln. Ungefähr 3 Viertel des europäischen Marktvolumens für börsengehandelte Indexfonds liegen dort.
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Welche Vorteile der Fondsstandort Luxemburg hat
Trotz der abweichenden steuerlichen Handhabung wäre es falsch zu folgern, dass Luxemburg als Fondsstandort generell im Nachteil ist. Das Großherzogtum bleibt weltweit der größte Fondsplatz nach den USA und dominiert beispielsweise bei Rentenfonds, Geldmarktfonds oder alternativen Anlagevehikeln wie Spezialfonds sowie Private-Equity-Strukturen.
Auch das hat einen Grund: Anstelle einer komplexen Ertragsbesteuerung fällt in Luxemburg nur eine taxe d’abonnement an, die oftmals bei 0,05 Prozent des Nettovermögens pro Jahr liegt, bei institutionellen Anlageklassen mitunter sogar noch darunter. Zudem verliert die Quellensteuer ohnehin an Relevanz, sobald ein ETF gar keine oder nur wenige US-Aktien hält. Die Frage, ob Irland oder Luxemburg, ist dann vernachlässigbar.
So überprüfen Sie das Domizil Ihres ETFs in wenigen Sekunden
Wollen Sie überprüfen, wo ein ETF tatsächlich aufgelegt wurde, ist das ohne Weiteres möglich. Die ISIN verrät es Ihnen sofort. Beginnt sie mit „IE“, handelt es sich um einen irischen, startet sie dagegen mit „LU“, um einen luxemburgischen Fonds. Alternativ liefert Ihnen auch jedes Factsheet die entsprechenden Informationen.
Für ETFs mit einem hohen US-Aktienanteil lohnt sich der Blick auf die ISIN durchaus. Allerdings erübrigt sich die Prüfung bei fast allen aktuellen Produkten namhafter Anbieter, da der Markt die Konsolidierung längst vollzogen hat.
Interessant wird die Frage vor allem bei älteren Fondsgenerationen oder bei Nischenprodukten, die gelegentlich noch in Luxemburg beheimatet sind. Eine nochmalige Kontrolle der ISIN kostet in diesem Fall nichts, kann über die Jahre aber den Unterschied zwischen einer durchschnittlichen und einer wirklich effizienten Anlage ausmachen.
Disclaimer:
Non consigli sugli investimenti. Nessuna chiamata per acquistare o vendere titoli.
Il contributo ETF Domizil: Warum Irland für US-Aktien besser ist als Luxemburg è apparso per primo ftd.de.