Die Energiepreise halten die Inflation weiter hoch und setzen die EZB bei der kommenden Zinssitzung unter Druck. (Bild: Magnific.com, vadish)
Wiesbaden – Die Inflation in Deutschland bleibt hartnäckig. 2,9 Prozent im Jahresvergleich meldet das Statistische Bundesamt für August – wie von Ökonomen erwartet. Die Verbraucherpreise in Europa werden auch die nächste Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank beeinflussen.
Ein zentraler Treiber der Inflation in Deutschland bleibt die Energie, die sich im August um 10,5 Prozent auf Jahresfrist verteuerte. Die Kerninflation, die volatile Preise für Energie und Nahrungsmittel ausklammert, stagnierte bei 2,4 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen stiegen um 2,8 Prozent, für Lebensmittel lediglich um 0,1 Prozent.
Energiepreis-Schock durch ausgelaufenen Tankrabatt im Sommer
Dass Ende des staatlichen Tankrabatts am 30. Juni trieb die Kraftstoffpreise im Juli binnen Jahresfrist sprunghaft um 23 Prozent nach oben. Dieser Energiepreis-Schock verhindert eine schnelle Rückkehr zur Preisstabilität. Die Konsumenten spüren diesen Druck, auch wenn sich die Einkommenserwartungen im August laut nim.org deutlich aufhellten.
Ein Blick auf die Erzeugerpreise liefert einen wichtigen Vorläufer-Indikator für die künftige Verbraucherinflation. Im Juli kletterten die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders Vorleistungsgüter verteuerten sich deutlich um 5,4 Prozent, während die Energiepreise auf Herstellerebene um 3,8 Prozent anzogen.
Zinspolitik der EZB: Erneute Zinswende als Antwort auf Teuerung
Die Aufwärtsrisiken für die Inflation bleiben akut. Der Krieg im Iran und die latente Bedrohung der Straße von Hormus könnten die Ölpreise jederzeit wieder in die Höhe treiben. Die Europäische Zentralbank agiert in einem fragilen Umfeld.
Nach einer Serie von Zinssenkungen vollzogen die Währungshüter im Juni 2026 eine Kehrtwende. Aktuell liegt der Einlagenzinssatz bei 2,25 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz notiert bei 2,40 Prozent. Die Notenbanker müssen abwägen, wie sie auf den Energiepreis-Schock reagieren, ohne die zarte Konjunktur abzuwürgen.
Schnabel: Straffung erforderlich – Prognose der Terminmärkte
EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält eine weitere Straffung der Leitzinsen für „erforderlich“. Angesichts der Energiepreise und der Konjunktur im Euroraum sei es beim aktuellen Leitzins unwahrscheinlich, „dass die Inflation mittelfristig auf das Zielniveau zurückkehrt“.
„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die EZB die Zinsen bei ihrer nächsten Sitzung im September auf 2,50 Prozent anheben wird“, meint Michael Field, Chef-Marktstratege bei Morningstar. Die Möglichkeit einer weiteren Zinserhöhung im Dezember 2026 beziffert er auf fast 50 zu 50.
Was sagen die Märkte? Laut ecb-watch.eu beträgt die Chance für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte bei der nächsten Notenbank-Sitzung am 10. September 98 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach der Sitzung am 17. Dezember die Zinsen ein weiteres Mal um 0,25 Prozentpunkte angehoben wurden, liegt bei 54,7 Prozent. (Stand: 31. August, 14.10 Uhr MESZ)
Aktualisiert nach Bekanntgabe der Inflationsraten am 31. August 2026 um 14.15 Uhr (MESZ).
Il contributo Inflation Deutschland aktuell: Entwicklung der Preise im August 2026 vor EZB-Zinsentscheid è apparso per primo ftd.de.