StoneX Aktie: Ein Fortune-100-Unternehmen, das von Unsicherheit profitiert

Die StoneX Group mit Sitz in New York generiert ihre Erträge primär aus den Geschäftsfeldern Commercial und Institutional, die zusammen rund 80 Prozent der Nettoerlöse ausmachen. (Foto: Magnific.com, overburn)

StoneX Group ist in klassischen Börsennachrichten ein unbeschriebenes Blatt, obwohl der Finanzdienstleister seit der Gründung im Jahr 1924 durch zahlreiche Zukäufe zu einem der 100 umsatzstärksten Unternehmen der USA herangewachsen ist. StoneX ist für seine Kunden eine Art „One-Stop-Shop“, der weltweit Zugang zu beispielsweise Prime-Brokerage, physischer Rohstofflogistik sowie Clearing- und Ausführungsdiensten bietet.

Volatilität als Geschäftsmodell

Zu den Kunden zählen Landwirte, mittelständische Unternehmen, Vermögensverwalter, Hedgefonds und Privatpersonen, die von Großbanken kaum betreut werden. StoneX bietet ein umfassendes Portfolio, bestehend aus 4 Geschäftsbereichen: Commercial (40 bis 45 Prozent der Nettoerlöse) deckt die Rohstoff- und Risikoabsicherung ab, Institutional umfasst den Wertpapierhandel und die Prime-Brokerage-Dienste (ebenfalls 40 bis 45 Prozent der Nettoerlöse inklusive RJO-Übernahme), Self-Directed Retail mit rund 10 Prozent der Nettoerlöse umfasst den Devisenhandel (Fokus auf Forex und CFDs), und Payments umfasst den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in mehr als 180 Ländern (7 Prozent der Nettoerlöse).

Der hohe Beratungsbedarf, die Verzahnung der einzelnen Geschäftsfelder und die geringe Marktdichte führen zu langfristigen Kundenbeziehungen. Ein aktuelles Wachstumsfeld sind digitale Verwahrungslösungen. Dieser Markt bietet ein geschätztes Potenzial von 1,5 Billionen US-Dollar.

StoneX positioniert sich darin als vertrauenswürdiger Berater in einem stark fragmentierten und regulierten Umfeld. StoneX erzielt seine Einnahmen im Übrigen aus Handelsspanne, Gebühren und Zinsen auf Kundeneinlagen (Float). In Zeiten steigender Marktvolatilität steigen die Umsätze besonders stark an, da sich die Handelsspannen ausweiten und Kunden ihre Positionen häufiger absichern. Seit den Corona-Jahren, der Invasion in der Ukraine und den aggressiven Zinserhöhungen der US-Notenbank kletterten die Gewinne – mit einem kurzen Einbruch 2021 – stetig weiter nach oben.

Eine langjährige Erfolgsbilanz

Über die letzten 20 Jahre legte der Kurs von StoneX um jährlich rund 15 Prozent zu, während der Gewinn eine Wachstumsrate von jährlich 23 Prozent erreichte. Auch das selbst definierte Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent wurde fast immer erreicht, woran auch der variable Teil der Managementvergütung gekoppelt ist. Im jüngsten Quartal wurde eine Eigenkapitalrendite von 18,4 Prozent erzielt. Der Netto-Betriebsertrag stieg im Vergleich zum Vorjahr um 47 Prozent auf 719,7 Millionen US-Dollar, und der Nettogewinn konnte aufgrund von Synergieeffekten um 102 Prozent auf 127,9 Millionen US-Dollar anwachsen (ohne Synergien um 41 Prozent).

Im Vergleich zum 1. Quartal gingen Nettoerträge und Gewinn jedoch etwas zurück, da das 1. Quartal aufgrund des Ausbruchs des Iran-Konflikts zu extremen Handelsspannen geführt hatte. Für Anleger ergibt sich dennoch ein sehr erfreuliches Bild. Für das Gesamtjahr ist mit einem Gewinn je Aktie von mindestens 4,20 US-Dollar auszugehen, was einem Rapporto prezzo-utili von 15 und damit einem leichten Abschlag zum historischen Bewertungsdurchschnitt entspricht.

RJO-Integration schafft bereits Kostensynergien

2025 hat StoneX die Firma R.J. O’Brien gekauft. Mit dieser Übernahme wurde StoneX zum größten Nichtbank-Terminmakler in den USA. Durch die Übernahme ergeben sich erhebliche Kostensynergien, die bereits in den Zahlen sichtbar werden. Allein im letzten Quartal konnten damit 38 Millionen US-Dollar eingespart werden, weshalb sich das Gewinnwachstum stark beschleunigte.

 


Bis zum Ende des Geschäftsjahres sollen die Einsparungen auf 45 bis 46 Millionen US-Dollar steigen und bis Ende des ersten Quartals 2027 die angekündigten 50 Millionen US-Dollar erreichen. Konkrete Umsatzsynergien werden vom Management nicht genannt, um sich nicht an feste Zeitpläne zu binden. Erste Cross-Selling-Erfolge werden ebenfalls bereits sichtbar, etwa wenn frühere RJO-Kunden nun auch OTC-Absicherungen oder physische Rohstoffkontrakte von StoneX nutzen.

Die Aktie und die Abhängigkeit vom Marktumfeld

Im Grunde hat jedes Unternehmen seinen eigenen Zyklus. StoneX profitiert in Phasen erhöhter Unsicherheit und steigender Zinsen. Geopolitische Spannungen und die bevorstehende US-Zwischenwahl im November 2026 stützen die Volatilität im Markt und damit die Erträge aufgrund der steigenden Handelsspannen.

Es gibt allerdings bereits ein leises Warnsignal: Der Devisenhandel für Privatkunden schrumpft auf Zwölfmonatssicht bei den Erträgen bereits um rund 20 Prozent. Private Trader scheinen ihre Handelsaktivitäten zu reduzieren. Wenn sich dieses Sentiment ausweitet und die Notenbank zugleich die Zinsen senkt, droht StoneX, wie auch 2021, ein deutlicher Gewinnrückgang.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Damals brach der Gewinn um 32 Prozent ein, doch die Aktie zeigte sich davon wenig beeindruckt, da der Kursrückgang nur von kurzer Dauer war. Der Markt scheint zu berücksichtigen, dass StoneX Jahre mit außergewöhnlich hohen, aber ebenso Jahre mit niedrigeren Gewinnen durchläuft. Es zählt ein längerer Betrachtungszeitraum, und über 2, 3 oder 5 Jahre lag das Wachstum stets im hohen mittleren zweistelligen Bereich.

Ein versteckter Compounder

StoneX eignet sich für Anleger, die gerne abseits des Mainstreams investieren. Auch wenn StoneX mit seinem Geschäftsmodell im Kern volatil erscheint, zeigen die historischen Trends der Aktie, dass die zu erwartenden harten Kurseinbrüche bislang zeitlich begrenzt waren und die Aktie in wiederkehrenden Abständen neue Höchststände erreicht.

Der jüngste Kursrückgang könnte sich bereits als erste Einstiegschance anbieten, auch wenn mögliche weitere Rückschläge bei Zinssenkungen und einer ruhigeren Geopolitik drohen. Langfristig stehen die Zeichen auf Wachstum, denn die nächste Phase der erhöhten Markt-, Zins-, Rohstoff- oder geopolitischer Unsicherheit kommt bestimmt.

 

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