Carsten Spohr, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Lufthansa AG (Foto: Deutsche Lufthansa AG, Flo Huber)
Frankfurt – Carsten Spohr will die Lufthansa Group um eine weitere Fluggesellschaft erweitern. Der Konzern mit seiner Zentrale am Frankfurter Flughafen erhält am 14. Oktober den Zuschlag für den Einstieg bei TAP Air Portugal. Für den Kauf von bis zu 49,9 Prozent bietet Lufthansa 1,2 Milliarden Euro. Spohr setzt auf das Geschäft über den Südatlantik.
Der Zukauf provoziert Widerspruch im eigenen Haus. Bei einer Mitarbeiterversammlung beklagen Beschäftigte laut handelsblatt.com, dass Geld für TAP verfügbar sei, während Lufthansa intern spare. Spohr hält dagegen: Investitionen müssten dort erfolgen, wo sie den höchsten Ertrag versprechen. Er verweist auf die schwache Profitabilität der Kernmarke und stellt ihr das Potenzial in Portugal gegenüber.
Die Laufbahn führt Spohr vom Cockpit über Partnerschaften an die Spitze
Der 1966 in Wanne-Eickel geborene Manager kennt das Unternehmen aus vielen Rollen. Nach dem Wirtschaftsingenieurstudium in Karlsruhe absolviert er die Pilotenausbildung in Bremen und Phoenix. Laut offizieller Biografie kehrt er 1994 nach einem Trainee-Programm bei der Deutschen Aerospace zur Lufthansa zurück. Später betreut er europäische Partnerschaften und das Allianz-Management. 2007 übernimmt er Lufthansa Cargo, 2011 die Passage. Seit Mai 2014 führt er den Konzern. Er besitzt die Kapitänslizenz für den Airbus A320.
Die Pandemie bringt seine Lufthansa an die Grenze. Der Bund steigt 2020 mit 20 Prozent ein. Im November 2021 zahlt das Unternehmen alle Kredite und Einlagen des Bundes zurück; im September 2022 verkauft der Staat die letzten Aktien. Die Lufthansa-Mitteilung zum Abschluss der Stabilisierung hält beide Schritte getrennt fest. Spohr bedankt sich bei den Steuerzahlern für die Hilfe in der schwersten finanziellen Krise des Unternehmens.
Hohe Treibstoffkosten belasten den Gewinn, Spohr fordert höhere Erträge
Auch heute sichert Wachstum allein die Erträge nicht. Im 2. Quartal 2026 steigt der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn fällt zugleich von 870 auf 383 Millionen Euro. Lufthansa nennt rund 750 Millionen Euro zusätzliche Treibstoffkosten und mindestens 150 Millionen Euro Streikbelastungen. Spohr verweist auf bessere Auslastung und höhere Durchschnittserlöse, räumt aber ein, dass sie den Kostenanstieg nicht ausgleichen.
Der Ton gegenüber den Beschäftigten ist entsprechend fordernd. Bei der vom Handelsblatt beobachteten Versammlung erklärt Spohr, Lufthansa müsse wachsen, um gegenüber größeren Konkurrenten nicht zurückzufallen. Niedrigere Strukturkosten in Portugal will er ausdrücklich nutzen. Den Einwand, weitere Zukäufe überforderten die Organisation, weist er zurück: Ein Konzern mit diesen Ressourcen müsse das bewältigen können.
Nach dem Zuschlag für TAP beginnt die Arbeit an Genehmigung und Integration
Wie aufwendig die Umsetzung wird, beschreibt Vorstandskollege Dieter Vranckx am 22. Oktober gegenüber aviationweek.com. Nach der noch ausstehenden Genehmigung peilt er für die Integration von TAP weitere 12 bis 18 Monate an. Gemeinsame Systeme für Preise und Netzplanung sollen helfen. Als Vorlage dient ITA Airways, die 2025 zur Gruppe kam. TAP gehört bereits zur Star Alliance; anders als bei ITA wäre deshalb kein Wechsel des Airline-Bündnisses nötig.
Spohr verspricht den Anlegern dennoch früh einen Nutzen. Im Investoren-Gespräch vom 15. Oktober erwartet er laut Reuters Vorteile vom ersten Tag an. Finanzchef Till Streichert beziffert die mittelfristig angestrebten Synergien auf bis zu 450 Millionen Euro jährlich. Gemeint sind zusätzliche Erträge und Einsparungen aus dem Zusammenschluss. Der volle Betrag soll erst einige Jahre nach dem Abschluss erreicht werden. Den Vollzug erwartet das Management im 1. Halbjahr 2028. Spohrs Expansionsplan bindet den Konzern damit weit über die aktuelle Sparrunde hinaus.
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Il contributo Carsten Spohr: Der Lufthansa-Chef setzt auf TAP Portugal und fordert Wachstum è apparso per primo ftd.de.
