Rheinmetall Quartalszahlen: Boxer-Zweifel drücken die Aktie – Prognose und Überblick

Radschützenpanzer Schakal aus der Boxer-Familie (Foto: Rheinmetall AG)

Düsseldorf – Rheinmetall-Chef Armin Papperger verspricht mehr als 100 Milliarden Euro Auftragsbestand, doch ausgerechnet der dickste Brocken wackelt: Die Boxer-Bestellung der Bundeswehr könnte ins Jahr 2027 rutschen. Liefern die Zahlen am Donnerstag neue Argumente?

Ein Absturz in Zeitlupe: Am 3. Oktober 2025 erreichte die Aktie im Frankfurter Handel mit 2.007 Euro ihr Allzeithoch. Am Mittwoch, 4. November, um 14.05 Uhr (MEZ) kostete sie laut tradingview.com nur noch 981,90 Euro – weniger als die Hälfte. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 37,56 Prozent.

Rekordquartal mit Rekordmarge – doch die Börse ist ungnädig

Operativ glänzte das 2. Quartal: Der Umsatz sprang um rund 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro. Analysten hatten nur rund 470 Millionen Euro erwartet. Der Gewinn je Aktie aus fortgeführten Aktivitäten kletterte im Halbjahr von 4,69 auf 8,43 Euro. Dennoch knickte die Aktie nach dem Bericht zeitweise um knapp 6 Prozent ein.

Der Grund: Nach dem Aus für die Fregatte F126 kappte Rheinmetall die Umsatzprognose 2026 um bis zu 300 Millionen Euro. Nun peilt der Konzern 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro an – bei unverändert 28 bis 31 Prozent organischem Wachstum und rund 19 Prozent operativer Marge. Dazu drückt der operative Free Cashflow: minus 1,616 Milliarden Euro im Halbjahr.

Ziel: 100 Milliarden Euro Auftragsbestand – doch ein Großauftrag wackelt

Der Vorstandschef zeigt sich unbeirrt. „Wir haben ein Rekordwachstum und sind auf bestem Wege, unsere nach wie vor sehr ehrgeizigen Jahresziele zu erreichen“, sagte Armin Papperger am 6. August. Zugleich legte er die Latte höher: Der Auftragsbestand soll 2026 die Marke von 100 Milliarden Euro knacken – nach 80,5 Milliarden Euro Ende Juni.

Genau dieses Versprechen steht nun auf dem Prüfstand. Laut dem Fachportal hartpunkt kommt die Festbestellung von Boxer-Radfahrzeugen im Projekt Arminius im Wert von gut 20 Milliarden Euro inklusive Mehrwertsteuer – davon rund die Hälfte für Rheinmetall und weniger als von Papperger angekündigt – wohl erst im Februar 2027 statt Anfang Dezember. Die Aktie verlor am Montag 3,6 Prozent. Zusätzlich lasten Friedenshoffnungen für die Ukraine auf dem ganzen Rüstungssektor.

 

Neue Werke, negativer Cashflow – Aufträge müssen zu Geld werden

Hinter den Kulissen läuft der Ausbau auf Hochtouren: eine neue Fertigungslinie im spanischen Albacete, eine Geschützhalle im britischen Telford, Serienproduktion von Radarsatelliten. Die Kernfrage bleibt: Wie schnell verwandelt Rheinmetall volle Auftragsbücher in Umsatz und Cash? Antworten zu den Zielen bis 2030 soll der Kapitalmarkttag Ende November in Hamburg liefern.

Rückenwind verspricht die Munition. Jefferies-Analystin Chloe Lemarie rechnet mit 39 Prozent Umsatzplus und einem um 51 Prozent höheren bereinigten operativen Ergebnis. Citi warnt dagegen vor Risiken bei Ausführung und Lieferketten. Die UBS senkte ihr Kursziel von 1.600 auf 1.360 Euro, rät aber weiter zum Kauf.

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Analysten-Prognose: Umsatz und Gewinn je Aktie

Der Gewinn pro Aktie soll nach der mittleren Schätzung von 4 Analysten auf finanzen.net im 3. Quartal von Juli bis September 2026 bei rund 7,00 Euro liegen. Das ist ein kräftiger Sprung gegenüber dem Vorquartal, für das Rheinmetall rund 2,66 Euro meldete. Rund 3,34 Euro betrug der Gewinn pro Aktie im Vorjahresquartal von Juli bis September 2025.

Beim Umsatz erwarten die Experten Tempo auf hohem Niveau, aber kein neues Rekordquartal – rund 3,23 Milliarden Euro schätzen 8 Analysten im Mittel für das 3. Quartal. Das ist mehr als im Vorjahresquartal (rund 2,78 Milliarden Euro, damals noch inklusive des inzwischen abgespaltenen Zivilgeschäfts), aber etwas weniger als im 2. Quartal (rund 3,29 Milliarden). Das Geschäftsjahr endet am 31. Dezember.

 

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