AerCap Aktie: Stiller Gigant über den Wolken

AerCap: Portfolio aus knapp 3.500 Flugzeugen (Foto: Freepik, rekammoment)

Wer ein Flugzeug betritt, denkt wohl selten darüber nach, wem dieses Verkehrsmittel eigentlich gehört. Die jeweiligen Airlines wären zwar die naheliegendste, oftmals aber auch falsche Antwort. In erstaunlich vielen Fällen entpuppt sich stattdessen AerCap als Eigentümer. Das in Dublin ansässige Unternehmen ist der mit Abstand größte Flugzeugleaser der Welt und damit ein Riese, der nahezu unsichtbar das Rückgrat der globalen Luftfahrt bildet.

Unspektakuläres, aber durchdachtes Geschäftsmodell

Schon lange verzichten die meisten Airlines auf den Kauf eigener Flugzeuge. Weltweit ist heute rund die Hälfte aller sich im Einsatz befindlichen Maschinen geleast. Dass der Vertragspartner dabei den Namen AerCap trägt, ist keineswegs auszuschließen, sondern sogar recht wahrscheinlich.

Immerhin bringt es der Konzern mittlerweile auf ein Portfolio aus knapp 3.500 Flugzeugen, Helikoptern und Triebwerken, die an über 300 Kunden in aller Welt geliefert werden. Nicht selten gehen letztere dabei Leasingverträge von mehr als einem Jahrzehnt Laufzeit ein, die AerCap wiederum langfristig planbare Einnahmen bescheren. Wie aber genau läuft das Geschäft des Unternehmens ab?

Grundsätzlich ist das Modell einfach und trotzdem robust. So erwirbt AerCap Flugzeuge bei Herstellern wie Airbus und Boeing, teils direkt vom Band, teils im Rahmen von Sale-and-Lease-Back-Transaktionen mit Airlines. Anschließend werden die auf diesem Weg gekauften Maschinen an die Abnehmer vermietet.

Die darüber erzielten Erlöse stiegen 2025 auf 6,68 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zusammen mit Wartungseinnahmen und Gewinnen aus Verkäufen generierte AerCap einen Gesamtumsatz von 8,52 Milliarden US-Dollar.

Größe als Vorteil im Wettbewerb

Was AerCap von seinen Konkurrenten unterscheidet, ist neben dem Flottenumfang vor allem die Kombination aus Kapitalkraft, Beziehungen und operativem Know-how, die über Jahrzehnte aufgebaut wurde. In seiner heutigen Form entstand AerCap erst 2014 mit der Übernahme von ILFC, einem der Gründungsväter des Flugzeugleasings. Dieses Erbe, ergänzt durch weitere strategische Akquisitionen, hat ein Portfolio mit einem Vermögen von 72 Milliarden US-Dollar geschaffen, das keiner der Wettbewerber auch nur annähernd replizieren kann.

Aktuell profitiert AerCap zudem davon, dass Airbus und Boeing mit massiven Lieferverzögerungen zu kämpfen haben. Neue Maschinen sind Mangelware geworden, was die Nachfrage nach Leasingflugzeugen, und damit die Leasingpreise, nach oben treibt. Auch CEO Aengus Kelly wies zuletzt auf die anhaltenden Angebotsengpässe im Markt hin.

 


AerCap-Zahlen sprechen für sich

2025 markierte das bislang erfolgreichste Geschäftsjahr in der Unternehmensgeschichte von AerCap. Der Nettogewinn kletterte auf 3,75 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 21,30 US-Dollar je Aktie, ist allerdings teilweise auf Versicherungsrückzahlungen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt zurückzuführen. Bereinigt um diese Sondereffekte lag der adjustierte Nettogewinn bei 2,7 Milliarden US-Dollar respektive 15,37 US-Dollar je Aktie.

Welche Ertragskraft das Kerngeschäft mit sich bringt, unterstreicht auch der operative Cashflow von zuletzt 5,4 Milliarden US-Dollar. In genau derselben Höhe reinvestierte das Unternehmen in seine Assets. Besonders bemerkenswert ist jedoch die Qualität der Kapitalallokation: Allein 2025 veräußerte AerCap Vermögenswerte für 3,9 Milliarden US-Dollar und fuhr damit einen Gewinn von 819 Millionen US-Dollar ein.

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Anteilseigner im Fokus – Dividende angehoben

Dass AerCap bei all seinen operativen Tätigkeiten auch seine Aktionäre im Blick behält, beweist nicht zuletzt das im vergangenen Dezember angekündigte, neue Rückkaufprogramm im Wert von über einer Milliarde US-Dollar sowie die Anhebung der Quartalsdividende auf 0,40 US-Dollar.

Für das laufende Jahr erwartet das Management derweil einen Gewinn je Aktie zwischen 12 und 13 US-Dollar – exklusive etwaiger Verkaufserlöse. Verglichen mit dem EPS 2025 erscheint dieser Ausblick mindestens konservativ. Andererseits lässt er die Möglichkeit zu, dass die Prognosen am Ende, und das wiederum dürfte den Aktionären zugutekommen, übertroffen werden.

Angemessener Preis für gute Qualität

Beim aktuellen Kurs von rund 138 US-Dollar wird die AerCap Aktie mit einem KGV von etwa 6,5 und einem KBV von rund 1,2 gehandelt. Angesichts der strukturellen Marktdominanz, der Rekordgewinne und des starken Cashflows erscheint diese Bewertung für ein Unternehmen dieser Qualität auffallend moderat.

Dennoch dürfen die Risiken des traditionell zyklischen Luftfahrtsektors nicht übersehen werden. Eine schwere Rezession oder ein globaler Schock wie die Covid-Pandemie könnten Leasingeinnahmen und Flugzeugwerte unter Druck setzen. Auch die Konzentration auf wenige Großkunden sollten Anleger im Blick behalten. Wer sich dieser Faktoren bewusst ist und auf den langfristigen Wachstumstrend im globalen Luftverkehr setzt, findet in AerCap allerdings einen der spannendsten und stärksten Werte im Industriesektor.

 

Disclaimer:
Non consigli sugli investimenti. Nessuna chiamata per acquistare o vendere titoli.

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