Alphabet Aktie: Buffetts letzte Wette auf hohe Kapitalrenditen

Das dynamische Wachstum der Cloud-Sparte und traditionell hohe operative Margen bilden das wirtschaftliche Fundament für das anspruchsvolle technologische Wettrüsten. (Foto: Magnific.com, alicephoto)

Warren Buffett ist bekannt für den Spruch „Investiere niemals in ein Unternehmen, das du nicht verstehst.“ Aus diesem Grund mied er lange Zeit den Technologiesektor. Doch nun bedauert er, nicht früher in Alphabet eingestiegen zu sein. Im 2. Quartal baute Berkshire Hathaway die Beteiligung um 83 Prozent aus. Laut dem letzten Meldebericht ist Alphabet nun die drittgrößte Position im Portfolio mit einem Gesamtwert von 37,8 Milliarden US-Dollar (106 Millionen Aktien).

Der Einstieg in Alphabet fällt in eine Phase, in der operative Stärke erstmals auf einen negativen freien Cashflow trifft. Für Anleger stellt sich die Frage, ob die massiven Ausgaben für Künstliche Intelligenz den Wettbewerbsvorteil des Konzerns weiter ausbauen oder ob die exorbitanten Kosten ein reines Wettrüsten unter den Tech-Giganten sind.

Berkshires ungewöhnlicher Schritt

Technologieaktien sind bei Berkshire die Ausnahme. Manche verstehen zwar Apple als Technologieunternehmen, doch Alphabet weist einen deutlich höheren Technologiegrad und einen deutlich geringeren Anteil an Hardware-Komponenten auf. Für Buffett gilt die Regel, dass ein Investment deutlich attraktiver sein muss als die sichere Alternative kurzfristiger US-Staatsanleihen, die ihm über lange Zeit Milliarden an Zinserträgen bringen.

Genau diese langfristige Wette ist der entscheidende Filter. Er kehrt zum Charlie-Munger-Prinzip zurück, in ein Unternehmen zu investieren, das einen Teil der Gewinne zu ähnlich attraktiven Konditionen reinvestieren kann. Der Einstieg ist kein klassischer Value-Kauf, sondern eher ein Abwägen von Opportunitätskosten.

Alphabet ist ein Unternehmen, das reinvestieren kann, keine Hebelwirkung benötigt und eine starke wirtschaftliche Basis im Rücken hat. Nun habe er den Kauf initiiert, und Greg Abel habe den Kauf als Nachfolger letztlich freigegeben.

Die Position wurde zuletzt zum größten Einzelkauf Berkshires mit einer Wette von nun 38 Milliarden US-Dollar. Seit dem Erstkauf im 3. Quartal 2025 entwickelte sich die Beteiligung entsprechend positiv. Inzwischen macht die Alphabet-Aktie rund 12 Prozent des Aktienportfolios aus.

Starkes Wachstum trifft auf negativen Cashflow

Die jüngsten Umsatz- und Gewinnzahlen bestätigen zunächst das Investment. Alphabet steigerte den Umsatz im 2. Quartal um 24 Prozent, und der operative Gewinn legte um 30 Prozent zu. Jedoch ist ein Teil der ausgewiesenen Gewinne auf Bewertungsgewinne aus Beteiligungen zurückzuführen, die jederzeit einbrechen können. Im Kerngeschäft profitieren alle Sparten.

Das Suchgeschäft beschleunigt sich, die Cloud-Sparte entwickelte sich zu einem Gewinntreiber, und Google Services liefert die hohen Margen. Doch die Ertragskennzahlen sind nur die eine Seite der Medaille. Die Kapitalflussrechnung zeigt die andere Seite. Der freie Cashflow war erstmals seit Jahren mit minus 5,9 Milliarden US-Dollar negativ. Die massiven Investitionsausgaben in Datenzentren und Künstliche Intelligenz hinterlassen Spuren.

 


Hinzu kommt, dass Alphabet die Investitionsprognose für 2026 von 180 bis 190 Milliarden US-Dollar auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar angehoben hat. All das belastet zunehmend den freien Cashflow. Positiv ist jedoch, dass die Bilanz mit reichlich Cash und Wertpapieren ausgestattet ist.

Buffett-Burggraben oder Wettrüsten?

Genau hier setzt die Analyse hinter Buffetts Kauf an. In seinem Aktionärsbrief von 2007 beschrieb er Google als nahezu perfektes Geschäftsmodell mit hohen Gewinnen bei geringem Kapitalbedarf. Heute gibt Alphabet fast 200 Milliarden US-Dollar jährlich für Rechenzentren, Chips und Netzwerkinfrastruktur aus. Entscheidend ist, ob diese Ausgaben den Wettbewerbsvorteil stärken und hohe Kapitalrenditen erzielen oder lediglich die Marktposition verteidigen und zu einer Investitionsfalle werden.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Die massiven Ausgaben von Alphabet müssen sich erst rechnen, so wie es bei seinem bekanntesten Investment Geico der Fall war. Dort sorgten die Ausgaben für mehr Kunden, mehr Skalierung, höhere Kosteneffizienz, niedrigere Kosten und bessere Preise. Die Investitionen machten Geico stärker, und die Kapitalrenditen rechneten sich erheblich. Sollten die Investitionen von Alphabet hingegen zu einem reinen Wettrüsten werden, könnte die Aktie selbst bei steigenden Umsätzen enttäuschen.

Fazit: Alphabet Aktie

Alphabet zählt operativ weiterhin zu den stärksten Unternehmen im Technologiesektor. Das Kerngeschäft mit der Suche bleibt hochprofitabel, das Cloud-Geschäft wächst dynamisch, und die Bilanz ist auch ohne Beteiligungen an SpaceX und Anthropic solide. Aber der Einstieg von Berkshire ist kein Freibrief für Kursgewinne. Zudem ist ein aktuelles Rapporto prezzo-utili von 24 für Alphabet historisch betrachtet nicht günstig. Entscheidend wird daher sein, ob sich die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz und Infrastruktur in den kommenden Quartalen und Jahren tatsächlich in nachhaltige Wettbewerbsvorteile und attraktive Renditen verwandeln.

 

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