Altersvorsorge-Depot: Umfrage zeigt Interesse, aber auch Wissenslücken

Um das Altersvorsorge-Depot ab 2027 ranken sich Mythen: Viele Sparer unterschätzen die Rendite-Chancen von ETFs. (Foto: Magnific.com, poppet07)

Der Startschuss fällt Anfang 2027: Das neue, staatlich geförderte Altersvorsorge-Depot soll den Einstieg in den wertpapierbasierten Vermögensaufbau erleichtern. Eine aktuelle Umfrage zeigt jedoch eine deutliche Differenz in der Bevölkerung: Wird das Projekt am fehlenden Finanzwissen vieler Verbraucher scheitern?

Die private Altersvorsorge steht vor einer tiefgreifenden Restrukturierung. Der Staat will über Zulagen und steuerliche Anreize stärkere Anreize für das langfristige Investieren in Wertpapiere schaffen. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Postbank belegt das Interesse: Mehr als jeder dritte Erwerbstätige (38 Prozent) kann sich vorstellen, ein Altersvorsorge-Depot zu nutzen.

Umfrage: Potenzial auch bei risikoaversen Sparern

Bei Personen, die bereits im Rahmen ihrer Altersvorsorge in Wertpapiere investieren, liegt die Zustimmung bei rund 60 Prozent. Auch bei jüngeren Befragten ist das Interesse laut den Daten überdurchschnittlich hoch. Zudem zeigt sich Potenzial bei eher risikoaversen Sparern: Jeder Fünfte (20 Prozent), der privat vorsorgt, aber Aktien, ETFs oder Fonds bislang meidet, würde ein solches Depot voraussichtlich abschließen.

Skepsis am Kapitalmarkt: Fehlendes Basiswissen als Hürde

Demgegenüber steht eine ausgeprägte Skepsis: Für 46 Prozent der Erwerbstätige kommt der Abschluss eines Altersvorsorge-Depots nicht infrage. Ursache ist eine verbreitete Unsicherheit im Umgang mit Wertpapieren. Michael Koschatzki von der Postbank weist darauf hin, dass es vielen Verbrauchern schwerfällt, Chancen und Risiken realistisch einzuschätzen; dies betrifft insbesondere Wertschwankungen und potenzielle Verluste.

Notwendiger Baustein der Altersvorsorge

Die Daten spiegeln diese Unsicherheit wider: Knapp jeder Dritte (32 Prozent) kann das Verlustrisiko von Wertpapieren bezogen auf die eigenen Finanzen laut der Postbank-Umfrage nicht beurteilen. Die Funktionsweise des Altersvorsorge-Depots setzt auf Kontinuität durch regelmäßige Investitionen in breit gestreute Fonds oder ETFs. Staatliche Zulagen und steuerliche Vorteile sollen den Vermögensaufbau aktiv unterstützen.

Im Gegensatz zu klassischen Vorsorgeprodukten mit Beitragsgarantie unterliegt die Wertentwicklung jedoch den Schwankungen der Kapitalmärkte. Verluste sind möglich. Wertpapiere seien langfristig ein notwendiger Baustein der Altersvorsorge, betont Postbank-Experte Koschatzki, sie erforderten jedoch einen langen Anlagehorizont sowie eine breite Risikostreuung und müssten zur individuellen Risikobereitschaft passen.

Aufklärung für Akzeptanz dringend nötig

Deutsche Sparer präferieren mehrheitlich weiterhin Absicherung: 34 Prozent der Erwerbstätigen bevorzugen eine Anlage mit festem Auszahlungsbetrag, während sich rund 23 Prozent für eine chancenorientierte Lösung entscheiden würden. Das Fazit des Postbank-Experten: Der Erfolg des Modells wird auch von der Aufklärung der Verbraucher abhängen. Nur mit fundierter Entscheidungsgrundlage ist eine breite Akzeptanz möglich.

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