Euro-Dollar korrigiert – Investoren meiden Europa! Der Hellmeyer der Woche KW26

 

Die globalen Krisenschauplätze bestimmen weiter die Lage an den Märkten. Während im Konflikt im Nahen Osten zarte Hoffnung keimt angesichts erster Annäherungen zwischen den USA und Iran, stehen die Zeichen in der Ukraine auf Eskalation. Wirtschaftspolitisch hat Japan ein starkes Zeichen gesetzt mit einem Investitionsprogramm für Zukunftstechnologien. Neben der Geopolitik schauen Investoren diese Woche unter anderem auf die Erstschätzung der Einkaufsmanager-Indizes, die Auftragseingänge in den USA sowie das ifo-Geschäftsklima für Deutschland.

Geopolitik und Weltwirtschaft: Analyse der Risiken

Die jüngsten Gespräche zwischen den USA und dem Iran in der Schweiz sorgen für eine leichte Entspannung an der Börse. In einem 18 Stunden andauernden Dialog konnten sich die Parteien auf eine Fortsetzung der Verhandlungen einigen, was die Finanzmärkte zum Wochenstart positiv einpreisen. Dennoch bleiben erhebliche Risiken für die globale Wirtschaft bestehen. Diese sind weniger im direkten Verhältnis zwischen den USA und dem Iran zu verorten, sondern betreffen vor allem die Rolle Israels und die Situation im Libanon.

Sowohl die USA als auch der Iran stellen Forderungen an Israel, die von israelischer Seite bislang nicht erfüllt werden. Dies führt auch zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und Israel, was bisher nicht absehbare geopolitische Konstellationen nach sich ziehen könnte. Parallel dazu verzeichnet der Konflikt in der Ukraine eine zunehmende Eskalation, die derzeit oft außerhalb der breiten Wahrnehmung der Finanzmärkte stattfindet.

Japans Zukunftsstrategie im Kontrast zur europäischen Makroökonomie

Einen positiven Impuls für die globale Makroökonomie liefert derzeit Japan. Das Land plant bis zum Jahr 2040 massive öffentlich-private Investitionen in Höhe von 2,3 Billionen US-Dollar in Bereichen wie Künstliche Intelligenz. Dies entspricht einem jährlichen Investitionsvolumen von etwa 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ähnliche zukunftsorientierte Investitionsprogramme werden auch in den USA und in Großbritannien forciert.

Kontinentaleuropa hingegen fokussiert sich stark auf konsumtive Ausgaben im Militärbereich und droht den Anschluss an die 4. industrielle Revolution zu verpassen. Wenn der europäische Kapitalstock schmilzt, um staatliche Konsumausgaben zu decken, droht ein Verarmungsprozess für den Staat und die privaten Haushalte. Eine falsche Energiepolitik verhindert zudem die angemessene Teilhabe an entscheidenden Zukunftstechnologien.

Die Wachstumsdaten der vergangenen 4 Jahre verdeutlichen diese strukturelle Schwäche. Während die Weltwirtschaft um 13,4 Prozent und der globale Süden sogar um 17,3 Prozent wuchsen, erreichte die Eurozone lediglich ein Plus von 3,9 Prozent. Die USA legten um 9,7 Prozent zu, und auch Japan wuchs mit 4,3 Prozent stärker als Europa. Deutschland verzeichnete im selben Zeitraum hingegen einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die Wirtschaft in Russland wuchs in dieser Spanne um 12,7 Prozent.

Letzte Woche: US-Stärke und ein Kurswechsel der Notenbank

In den USA hat der Offenmarktausschuss die Leitzinsen unangetastet gelassen. Unter der Leitung von Kevin Warsh wurde jedoch die sogenannte Forward Guidance eingestellt. Der Verzicht auf diese geldpolitische Vollkaskoversicherung zwingt die Marktteilnehmer zu einer natürlicheren Risikobewertung, was von Hellmeyer als wichtiger Schritt für eine solide Stabilitätspolitik gewertet wird. Dieser konservativere Ansatz erinnert an die Geldpolitik der 1980er-Jahre.

Die amerikanischen Konjunkturdaten fallen weiterhin stark aus. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Monatsvergleich um 0,9 Prozent und im Jahresvergleich um 6,88 Prozent. Auch die US-Industrieproduktion legte im Jahresvergleich um 1,67 Prozent zu. Verschiedene regionale Wirtschaftsindikatoren wie der Philadelphia Business Index mit 10,3 Punkten und ein positiver Index der Frühindikatoren unterstreichen diese Dynamik.

In der Eurozone hingegen wurde die Inflationsrate bei 3,2 Prozent bestätigt, während die Industrieproduktion im Jahresvergleich lediglich um 0,3 Prozent wuchs. Die deutschen Erzeugerpreise stiegen zuletzt um 2,2 Prozent. Ein Lichtblick ist das ZEW-Geschäftsklima, das sich auf 10,5 Punkte verbesserte. In Asien hob die Bank of Japan ihren Leitzins von 0,75 auf 1,0 Prozent an. Bei einer Inflation von 1,5 Prozent ergibt sich dort ein realer Zins von minus 0,5 Prozent, was deutlich stabiler ist als die minus 1,2 Prozent in der Eurozone. Chinas Industrieproduktion wuchs um 4,5 Prozent, während der dortige Einzelhandel um 0,6 Prozent schrumpfte.

Prognose und Finanzmärkte: Diese Termine sind diese Woche wichtig

In der aktuellen Berichtswoche stehen bedeutende Finanztermine an. Am Dienstag werden die ersten Schätzungen für die Einkaufsmanagerindizes erwartet. Für die Gesamtwirtschaft in Deutschland wird ein Anstieg auf 49,9 Punkte prognostiziert, während für die Eurozone ein Wert von 49,1 Punkten erwartet wird. In den USA deuten die Vorabschätzungen auf ein anhaltendes Wachstum hin, gestützt durch einen starken Dienstleistungssektor.

Am Mittwoch rückt der Ifo-Geschäftsklimaindex in den Fokus der Anleger. Erwartet wird eine leichte Aufhellung auf 85,6 Punkte. Diese positive Zuckung überdeckt jedoch laut der aktuellen Analyse nicht die tiefer liegenden strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft, sondern ist eher auf geopolitische Rahmenbedingungen zurückzuführen.

Der Donnerstag bringt den GfK-Konsumklimaindex für Deutschland, der sich voraussichtlich leicht auf minus 27,5 Punkte verbessern wird. Zudem werden aus den USA Daten zu den Aufträgen für langlebige Wirtschaftsgüter erwartet. Nach einem starken Vormonat wird hier mit einem Rückgang von 4,3 Prozent gerechnet. Am Freitag schließt die Woche mit dem Konsumklimaindex der Universität Michigan ab.

Der Hellmeyer der Woche: Kernaussagen auf einen Blick

  • Geopolitische Lage: Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran stabilisieren die Märkte kurzfristig, doch die unklare Rolle Israels birgt weiterhin Eskalationspotenzial.
  • Globale Investitionen: Japan, die USA und Großbritannien investieren massiv in Zukunftstechnologien, während Europa durch mangelnde Investitionen stark zurückfällt.
  • Wirtschaftliche Schwäche: Mit einem Rückgang von 0,7 Prozent über 4 Jahre verzeichnet Deutschland im globalen Vergleich eine strukturelle Schwächephase.
  • Geldpolitik: Die US-Notenbank beendet ihre bisherigen Vorankündigungen, was eine bessere Risikobewertung an der Börse nach sich ziehen könnte.

Fazit für Anleger: Währungen und Wirtschaft im Fokus

Für die Finanzmärkte und die zukünftige Entwicklung der Währungen ergeben sich klare Signale. Der Euro hat bereits eine Korrektur von 1,19 auf 1,14 US-Dollar durchlaufen. Wenn Kontinentaleuropa seinen konsumtiven Kurs beibehält und Zukunftsinvestitionen vernachlässigt, könnte sich diese Schwächephase der europäischen Gemeinschaftswährung weiter fortsetzen.

Wie Folker Hellmeyer zusammenfasst, sollte man genau beobachten, in welchen Wirtschaftsräumen eine echte Zukunftspolitik stattfindet. Die Differenz zwischen harten ökonomischen Fakten in den USA oder Japan und einer oft nur gefühlten Besserung in Europa wird maßgeblich darüber entscheiden, wo in den kommenden Jahren das größte Potenzial für die Börse liegt.

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Disclaimer:
Dieser Artikel basiert ausschließlich auf dem Transkript der Sendung Hellmeyer der Woche, Kalenderwoche 18. Die Inhalte dienen der journalistischen Information und stellen keine Anlageberatung dar.

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