CEO Michael Leiters am Steuer eines Porsche (Foto: Porsche AG)
Stuttgart – Der neue CEO zaudert nicht: 3 Tochterunternehmen verschwinden komplett, einem elektrischen 911er erteilt der Vorstandsvorsitzende eine klare Absage. Die Porsche AG verordnet sich eine Schrumpfkur und besinnt sich auf den profitablen Kern der Traditionsmarke. Wie viel Umbruch verträgt die Sportwagen-Ikone, bevor Aktionäre auf die Barrikaden gehen?
Beim Blick auf das Börsen-Tableau zeigt sich die Nervosität der Investoren. Gestern notiert das Papier bei rund 47 Euro (Stand: 22. Juni 2026, 12.46 Uhr). Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen spiegelt die spürbare Verunsicherung über den strikten Konsolidierungskurs wider – der Abstand zum einstigen Allzeithoch im Jahr 2023 jenseits der 120-Euro-Marke ist groß geworden.
Für das abgelaufene Geschäftsjahr schlägt die Konzernführung eine Gewinnausschüttung von 1,01 Euro je Vorzugsaktie vor. Das entspricht einer Kürzung um rund 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Aktie notiert voraussichtlich am 24. Juni 2026 mit Dividendenabschlag („Ex-Dividende“), die Auszahlung auf die Konten der Aktionäre erfolgt am 26. Juni 2026.
+++ Virtuelle Hauptversammlung der Porsche AG +++
Datum: Dienstag, 23. Juni 2026
Start: 10 Uhr (MESZ)
Format: Virtuelle Hauptversammlung (ohne physische Präsenz der Aktionäre)
Auf der Porsche-Website unter Hauptversammlung finden Sie unter anderem die Tagesordnung und den Zugang zum Aktionärsportal und zur öffentlichen Live-Übertragung.
Porsche 2026: Harte Einschnitte im Konzern und Fokus auf Margen
Die Bücher weisen für das 1. Quartal 2026 einen Umsatz von 8,40 Milliarden Euro aus – im Vergleich zu 8,86 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Beim operativen Konzernergebnis steht ein Wert von 595 Millionen Euro in der Bilanz, verglichen mit 762 Millionen Euro im 1. Quartal 2025. Die Umsatzrendite ging von 8,6 auf 7,1 Prozent zurück, die Auslieferungen von 71.470 auf 60.991.
Die Zielwerte für das Gesamtjahr 2026 sehen einen Umsatz zwischen 35 und 36 Milliarden Euro sowie eine operative Umsatzrendite von 5,5 bis 7,5 Prozent vor. Diese Prognose gerät zum Lackmustest für die neue, von strenger Effizienz geprägte Strategie, mit der Michael Leiters die Widerstandsfähigkeit der Traditionsmarke deutlich erhöhen will.
„2026 steht für Porsche im Zeichen der Neuausrichtung. Mit klaren Maßnahmen machen wir die Sportwagenschmiede schlanker und schneller”, betonte der CEO beim letzten Quartalsbericht Ende April. Das Produktportfolio soll noch konsequenter an den Wünschen der Kunden ausgerichtet werden. Die Transformation sei anspruchsvoll und erfordert konsequentes Handeln und Disziplin.
Abkehr vom E-Trend: Kein Elektro-911er und Aus für Cellforce
Die strategische Kehrtwende dominiert die Agenda des Treffens. Leiters hat dem rein elektrischen 911er eine Absage erteilt – ein drastischer Schritt in einer Branche, die auf Elektromobilität setzt. Gleichzeitig zieht der Vorstand bei 3 Tochterfirmen endgültig den Stecker: Porsche wickelt die Batterie-Hoffnung Cellforce ebenso ab wie die E-Bike-Aktivitäten um Greyp und Fazua sowie das Software-Tochter Cetitec. Diese Fokussierung auf die Kernmarke birgt Zündstoff.
Abseits der Routine stehen juristische Altlasten aus der Diesel-Affäre auf der Tagesordnung. Unter Punkt 9 sollen die Aktionäre über einen Haftungsvergleich mit Manager-Haftpflichtversicherungen zur Abstimmung. Der Deckungsvergleich knüpft an einen Vorläufer von 2021 an, der wegen formaler Mängel vom Bundesgerichtshof für nichtig erklärt wurde.
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Gegenwind auf der Hauptversammlung: Kritische Aktionäre drohen
Der Sanierungskurs wird für Diskussionen sorgen. Aktionärsschützer und Investoren reiben sich etwa am Aus der Tochterfirmen, bei dem das Management rund 500 Arbeitsplätze streicht. Die Frage ist, ob die Abkehr von ambitionierten Elektro-Zielen und der Millionenverlust bei der Zellforschung strategische Weitsicht beweisen oder ein teures Management-Versagen darstellen.
Zur Abstimmung steht etwa ein Gegenantrag des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, der dazu auffordert, den Führungsgremien die Entlastung zu verweigern. Der Verband begründet dies mit dem mangelnden Tempo bei der ökologischen Transformation. Zudem sollen die Aktionäre die Ausschüttung einer Dividende in der aktuellen Krise ablehnen. Freilich gehören über 75 Prozent der Porsche-Anteile dem VW-Konzern, der kaum auf die Ausschüttung verzichten will.
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Il contributo Porsche Hauptversammlung 2026: Radikaler Konzernumbau – Absage an Elektro-911er è apparso per primo ftd.de.