Rüstungsfonds in der Übersicht: Große Rendite-Unterschiede bei ETFs

Der schwerfällige Riese: Größe allein ist im Rüstungssektor kein Garant für Rendite, wie der Vaneck Defense zeigt. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

Die weltweit massive Aufrüstung zieht Milliarden an. Doch während einige Rüstungsfonds kräftig zulegen, kommen andere kaum voran. Eine aktuelle Studie von Scope zeigt: Ausschlaggebend ist, welche Unternehmen im Portfolio enthalten sind. Und wie viel Gewicht sie bekommen.

Während viele Staaten aufrüsten, liefert die Fondsbranche die passenden Produkte. Und Anleger greifen zu. Inzwischen stecken fast 20 Milliarden Euro in den hierzulande angebotenen Rüstungsfonds und ETFs. Das Versprechen verkauft sich leicht: Wenn Regierungen mehr für Verteidigung ausgeben, verdienen die Hersteller mehr – und ihre Aktionäre gleich mit. Nur fällt der Zahltag höchst unterschiedlich aus. So gewann der Invesco Defence Innovation ETF (ISIN: IE000BRM9046) im laufenden Jahr bis Ende Juli 2026 38,5 Prozent. Der rund 6,3 Milliarden Euro schwere Vaneck Defense ETF (ISIN: IE000YYE6WK5), das mit Abstand größte Produkt des Marktes, schaffte hingegen nur 3,4 Prozent. Dazwischen lagen zwischenzeitlich 35,1 Prozentpunkte. Wer also auf das gleiche Thema setzt, kann beim vermeintlich falschen Vehikel viel Rendite verpassen.

Milliardenmarkt mit erheblichen Unterschieden

Scope zählt inzwischen 27 Produkte. Das sind 7 mehr als ein Jahr zuvor. Das verwaltete Vermögen stieg im selben Zeitraum von 13,3 auf 19,9 Milliarden Euro – ein Plus von rund 50 Prozent. Doch hinter den ähnlich klingenden Fondsnamen verbergen sich, wie das obige Beispiel zeigt, unterschiedliche Wetten. Manche Portfolios setzen vor allem auf große Rüstungskonzerne. Andere kaufen Softwareanbieter, Satellitenbetreiber oder Robotikspezialisten. Derselbe politische Rückenwind trifft somit auf sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle. Auch die Gewichtung ist entscheidend: Ein Fonds kann Dutzende Aktien halten und trotzdem vom Schicksal weniger Unternehmen abhängen.

Global: Der Sieger schaut über die Waffenschmieden hinaus

Der Invesco Defence Innovation investiert über seinen Index in rund 70 Unternehmen. Die 10 größten Positionen machen lediglich 21 Prozent des Portfolios aus. Im Durchschnitt der globalen Vergleichsgruppe sind es 48 Prozent. Der Ansatz zielt auf neue Verteidigungstechnologien. 2 auffällige Beteiligungen: Viasat, ein Anbieter von Satellitenkommunikation, und Oceaneering International, ursprünglich im Offshore-Ölgeschäft zu Hause und auch in Unterwasserrobotik und Verteidigungstechnik tätig. Ihre Aktien stiegen im Untersuchungszeitraum laut Scope um 372 beziehungsweise 125 Prozent. Allerdings spielte bei Viasat mehr hinein als die Aufrüstung: Die Studie nennt auch einen operativen Turnaround, eine Neubewertung des Satellitensektors und Käufe von Leerverkäufern, die ihre Positionen schließen mussten. Der Erfolg war also auch eine Wette auf Unternehmen mit besonderen Kurstreibern. Wer den ETF kauft, sollte das wissen.

Globale Rüstungsfonds im Vergleich

Fonds / ETF ISIN Rendite 1 Jahr Lfd. Kosten p. a.
Invesco Defence Innovation ETF IE000BRM9046 38,5 % 0,35 %
LBBW Sicher Leben DE000LB6B0M7 17,5 % 1,74 %
iShares Global Aerospace & Defence ETF IE000U9ODG19 17,1 % 0,35 %
Future of Defence ETF IE000OJ5TQP4 15,5 % 0,49 %
First Trust Indxx Global Aerospace & Defence ETF IE000NVDQXE1 14,5 % 0,65 %
Global X Defence Tech ETF IE000JCW3DZ3 4,2 % 0,50 %
VanEck Defense ETF IE000YYE6WK5 3,4 % 0,55 %
Deka-Security and Defense LU2941481082 2,9 % 1,60 %
Quelle: Scope, Anbieter, justETF; Stand: 31. Juli 2026 (Scope-Studie). Globale Produkte mit ausgewiesener Einjahresrendite. LBBW und Deka werden aktiv verwaltet.

Bei den aktiven globalen Fonds liegt der LBBW Sicher Leben (ISIN: DE000LB6B0M7) mit 17,5 Prozent vorne. Er verteilt sein Vermögen auf rund 80 Unternehmen aus Verteidigung, digitaler sowie öffentlicher und persönlicher Sicherheit. Seine 10 größten Positionen kommen auf etwa 27 Prozent. Zu den Top-Picks zählen Palantir, GE Aerospace oder Assa Abloy. Breiter investieren hat sich hier ausgezahlt. Dass aktives Management allein wenig verspricht, zeigt allerdings der Deka-Security and Defense (ISIN: LU2941481082): Er landete mit 2,9 Prozent am Ende der globalen Rangliste.

Europa: Weniger Klumpen, mehr Rendite

In Europa begegnen Anlegern immer wieder dieselben Namen: Rheinmetall, Leonardo, Saab oder Thales. Das Angebot an investierbaren Unternehmen ist überschaubar, die Überschneidungen sind entsprechend groß. Wer mehrere Europa-Rüstungsfonds oder ETFs kombiniert, kauft deshalb womöglich dieselben Aktien mehrmals. Im Durchschnitt stecken rund drei Viertel des Vermögens in den 10 größten Positionen. Beim aktiv verwalteten European Defence Equity Fund (ISIN: DE000A40X8V3) der M.M Warburg Bank sind es lediglich 31 Prozent. Der Fonds investiert in rund 40 bis 50 Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette, darunter Hersteller, Zulieferer sowie Anbieter aus den Bereichen Logistik, Infrastruktur und Materialien. Mit einer Jahresrendite von 12,9 Prozent führte er die europäische Vergleichsgruppe an. Der größte Europa-ETF von WisdomTree kam auf 7,4 Prozent.

Europäische Rüstung im Vergleich

Fonds / ETF ISIN Rendite 1 Jahr Lfd. Kosten p. a.
European Defence Equity Fund DE000A40X8V3 12,9 % 1,50 %
CPR Invest Europe Defense LU3079548858 9,2 % 2,20 %
BNP Paribas Bloomberg Europe Defense ETF LU3047998896 8,5 % 0,35 %
Amundi Stoxx Europe Defense ETF LU3038520774 7,7 % 0,35 %
iShares Europe Defence ETF IE000IAXNM41 7,6 % 0,35 %
WisdomTree Europe Defence ETF IE0002Y8CX98 7,4 % 0,40 %
Future of European Defence Screened ETF IE000I7E6HL0 7,2 % 0,40 %
State Street SPDR S&P Europe Defense Vision ETF IE0008GRJRO8 7,0 % 0,20 %
DPAM L Equities Europe Defence LU3076252298 6,7 % 1,20 %
Global X Europe Focused Defence Tech ETF IE000WRQ9RR1 −1,2 % 0,40 %
Quelle: Scope, Anbieter, justETF; Stand: 31. Juli 2026 (Scope-Studie). Europäische Produkte mit ausgewiesener Einjahresrendite. European Defence Equity Fund, CPR und DPAM werden aktiv verwaltet.

Jetzt müssen Gewinne den Kursen folgen

Die unterschiedlichen Ergebnisse sprechen für einen genauen Blick auf die Portfolios. Dauerhaft überlegene Strategien lassen sich daraus jedoch nicht ableiten: Keines der untersuchten Produkte verfügt über einen Fünfjahres-Track-Record. Ein gutes Jahr ist kein Gütesiegel für die Zukunft. Zudem nehmen die gestiegenen Kurse vieler Rüstungsaktien bereits erhebliche Erwartungen vorweg. Jetzt müssen aus politischen Zusagen konkrete Aufträge und aus Aufträgen Gewinne werden. Die nächste Investitionswelle könnte stärker Satellitenkommunikation, Drohnen, Sensorik und autonome Systeme erreichen. Damit wird entscheidend, welche Fonds und ETFs die Unternehmen hinter diesen Technologien im Portfolio haben. Und zu welchem Preis.

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Der Staat bestellt. Der Anleger muss rechnen.

Die Aufrüstung beschert der Branche einträgliche Geschäfte. Eine sichere Rendite garantiert sie Anlegern jedoch nicht. Die Scope-Zahlen zeigen, wie teuer es werden kann, Fonds nach Bekanntheit oder Größe auszuwählen.

Entscheidend sind die Unternehmen im Portfolio, ihre Gewichtung und die Kosten. Mehrere ähnliche ETFs bieten dabei oft weniger Streuung als ihre Zahl vermuten lässt. Als enges Branchenthema bleiben Rüstungsfonds eine risikoreiche Beimischung. Der Staat fragt, welche Waffen er braucht. Anleger sollten sich hingegen fragen, wie viel künftiges Geschäft im Aktienkurs schon enthalten ist.

 

Disclaimer:
Non consigli sugli investimenti. Nessuna chiamata per acquistare o vendere titoli.

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